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Bei Schwellung gleich zum Arzt "Eine Hodenruptur muss schnell behandelt werden"

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Stumpfe Gewalt im Genitalbereich kann zu einer Hodenruptur führen.

(Foto: imago images/diy13)

Ein Riss im Hoden, ein Hämatom und eine Blasenentzündung. Das klingt wirklich schmerzhaft. Die Diagnose, die der Ex-Fußballer Thorsten Legat nach einem missglückten Sprung vom Turm bekam, hat die Entfernung eines Hodens zur Folge. Das wirft eine Reihe von Fragen auf. Der in der Gemeinschaftspraxis Frohnau tätige Urologe Dr. Jan Gelhaus beantwortet einige im Gespräch mit ntv.de.

ntv.de: Wie kann es zu einem Riss im Hoden kommen?

Dr. Gelhaus: Prinzipiell kommt es zu einer sogenannten Hodenruptur durch ein starkes, stumpfes Trauma gegen den Hodensack. Das Hodengewebe wird von einer festen Kapsel umgeben und wenn etwas mit großer Kraft dagegenknallt, dann kann diese Kapsel reißen und Hodengewebe quillt aus der Kapsel heraus. In der Regel kommt es dabei auch zu kräftigen Einblutungen. Der Druck im Hoden steigt und mit ihm auch die Schmerzen. Eine solche Verletzung sollte schnellstmöglich chirurgisch versorgt werden.

Wie wird denn ein gerissener Hoden chirurgisch versorgt?

Bei der chirurgischen Akutversorgung wird der betroffene Hoden freigelegt, das überquellende Hodengewebe entfernt und die Hodenkapsel genäht. Doch nicht in jedem Fall kann der Hoden auf diese Weise gerettet werden. Sowohl bei sehr schweren Verletzungen als auch dann, wenn mit der chirurgischen Versorgung zu lange gewartet worden ist, kann es passieren, dass der Hoden nicht mehr gerettet werden kann und entfernt werden muss.

Sie haben von Akutversorgung gesprochen. Wann sollten Männer unbedingt und schnell einen Arzt aufsuchen?

Wer nach einem Unfall feststellt, dass der Hodensack stark anschwillt, der sollte unbedingt und so schnell wie möglich einen Arzt konsultieren. Das Anschwellen ist häufig ein Zeichen dafür, dass etwas blutet. In diesen Fällen muss dann geschaut werden, ob der Hoden noch intakt ist oder nicht. Gleichzeitig erschwert die Schwellung auch die Diagnose. Es ist wichtig, dass eine Hodenruptur rechtzeitig erkannt wird, zumal es auch eine sehr schmerzhafte Sache ist.

Wie oft kommt es denn zur Hodenruptur?

Eine Hodenruptur wird meistens durch ein stumpfes Genitaltrauma verursacht. Belastbare Zahlen zur Häufigkeit gibt es nicht. Typische Unfallursachen sind Unfälle beim Mountainbiken oder Motorradfahren. Die Fahrer prallen dann mit ihrem Hodensack und großer Kraft auf den Tank oder den Fahrradrahmen und verletzen sich. Weitere Risikosportarten sind Kontaktsportarten, aber auch Ballsportarten wie Fußball oder Hockey. Nicht immer kommt es bei einem stumpfen Hodentrauma jedoch zu einer Hodenruptur.

Wie kompliziert ist denn die operative Entnahme eines Hodens?

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Dr. Jan Gelhaus praktiziert als Urologe in einer Gemeinschaftspraxis in Frohnau.

(Foto: privat)

Der Eingriff an sich ist nicht so kompliziert. Es wird ein kleiner Schnitt am Hodensack gemacht und der Hoden sowie ein eventuell vorhandener Bluterguss entfernt. Für den einzelnen Mann ist das natürlich eine dramatische Operation, da sie zuvor mit Schmerzen und schließlich mit dem Verlust eines Hodens einhergeht. Darüber hinaus bleibt zwar durch den anderen gesunden Hoden die Zeugungsfähigkeit erhalten, aber die Risiken für eine Fruchtbarkeitsstörung und späteren Testosteronmangel können steigen.

Was raten Sie Männern, bevor sie von einem Turm springen?

Also, ich kann gar nicht sagen, ob sich beispielsweise Turmspringer mit einem Hodenschutz, auch als Suspensorium bezeichnet, vor solchen Unfällen schützen oder irgend etwas anderes zum Schutz ihrer Hoden machen. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass beispielsweise eine enganliegende Badehose bei Turmsprüngen hilfreich sein könnte, auch wenn man sie unter der Badeshorts trägt.

Mit Dr. Jan Gelhaus sprach Jana Zeh

Quelle: ntv.de

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