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Das neue Mittel kann rund ein Prozent der Tumoren bekämpfen.
Das neue Mittel kann rund ein Prozent der Tumoren bekämpfen.(Foto: imago/Westend61)
Dienstag, 27. Februar 2018

Neues Medikament zeigt Wirkung: Einige Tumoren bilden sich ganz zurück

Ein neuer Wirkstoff entpuppt sich bei verschiedenen Arten von Krebs als echter Hoffnungsträger. Larotrectinib drängt Tumoren, die eine bestimmte genetische Mutation aufweisen, zurück. In den USA könnte es noch in diesem Jahr zugelassen werden.

Eine Studie weckt Hoffnungen auf ein neuartiges Medikament, das bei vielen verschiedenen Krebsarten helfen kann. Eingesetzt wird der Wirkstoff bei Tumoren mit bestimmten genetischen Mutationen, die schätzungsweise bei bis zu einem Prozent der festen Tumoren vorkommen. In der Untersuchung sprachen drei Viertel der 55 Patienten auf die Therapie an, wie US-Mediziner im "New England Journal of Medicine" ("NEJM") berichten. Ein deutscher Experte spricht von sehr beeindruckenden Resultaten und hält eine beschleunigte Zulassung des Präparats in den USA noch in diesem Jahr für möglich.

Bislang hängt die Behandlungsstrategie von Tumoren meist von dem befallenen Organ ab. Krebsforscher wissen jedoch seit Jahren, dass viele Tumoren unterschiedlicher Organe genetisch sehr ähnlich sind und somit eventuell auf dieselbe Therapie ansprechen würden. Darauf zielt der nun geprüfte Wirkstoff Larotrectinib ab.

Er hemmt sogenannte TRK-Enzyme, die bei manchen Menschen durch genetische Mutationen übermäßig aktiv sind und das Tumorwachstum ankurbeln. Bis zu ein Prozent aller festen Tumoren hätten solche Mutationen, schätzt das Team um David Hyman vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York im "NEJM".

Hilfe für drei Viertel der Patienten

Die Studie sollte zunächst vor allem Sicherheit und Wirksamkeit des Mittels an einem breiten Spektrum von Patienten prüfen. Die insgesamt 55 Teilnehmer waren zwischen 4 Monate und 76 Jahre alt und hatten Krebs im fortgeschrittenem Stadium. Sie hatten insgesamt 17 verschiedene Krebsarten. Alle Patienten hatten Mutationen in Genen für TRK (Tropomyosin Rezeptor Kinasen) in ihren Tumoren.

Sieben junge Teilnehmer hatten ein Fibrosarkom, einen seltenen Tumor des Bindegewebes, zwölf Patienten hatten Tumoren der Speicheldrüsen, bei anderen waren unter anderem Schilddrüse, Darm oder Lunge betroffen.

Insgesamt sprachen 75 Prozent der Patienten auf die Tabletten an, die zwei Mal täglich genommen wurden. Bei 7 Patienten (13 Prozent) bildete sich der Tumor vollständig zurück, bei 34 weiteren (62 Prozent) schrumpfte er um mehr als die Hälfte. Bei 7 Patienten (13 Prozent) blieb der Tumor stabil. Ein Fortschreiten registrierten die Forscher bei 5 Patienten (9 Prozent). Bei zwei weiteren Teilnehmern (4 Prozent) war keine Einschätzung möglich. Nebenwirkungen wie etwa Anämie, Schwindel und Darmprobleme waren schwach ausgeprägt.

Weniger Amputationen sind nötig

Ko-Autor David Hong vom MD Anderson Cancer Center in Houston spricht von einer schnellen, starken und dauerhaften Wirkung sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. TRK-positive Tumoren könnten zwar manchmal entfernt werden, allerdings oft durch Amputationen oder andere entstellende Eingriffe, sagt Leo Mascarenhas vom Children's Hospital in Los Angeles. "Nachdem wir einen Patienten mit kindlichem Fibrosarkom mit Larotrectinib behandelt hatten, schrumpfte der Krebs so stark, dass wir ihn operativ entfernen und dabei das Bein des Patienten erhalten konnten."

Stefan Fröhling vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg spricht von einer sehr vielversprechenden Behandlungsoption: "Die Studie zeigt sehr eindrucksvoll, dass der Wirkstoff bei einem sehr breiten Spektrum von Patienten unterschiedlichen Alters mit unterschiedlichen Krebsarten das Tumorwachstum entscheidend hemmt." Dies gelte vermutlich für Dutzende Tumorarten, die diese Mutationen tragen.

Zudem sei die Einnahme einer Tablette sehr komfortabel, im Gegensatz zu Chemotherapien sei kein stationärer Aufenthalt in einer Klinik nötig. "Bei so beeindruckenden Ergebnissen dürfte eine beschleunigte Zulassung nach einer Phase-2-Studie möglich sein." Eine randomisierte Phase-3-Studie, bei der das Los darüber entscheidet, ob ein Patient diese oder eine herkömmliche Therapie bekommt, sei angesichts dieser Resultate ethisch vermutlich nur schwer vertretbar, vermutet Fröhling. Schließlich wären die Probanden, die eine herkömmliche Therapie erhielten, vermutlich benachteiligt.

Quelle: n-tv.de