Wissen

11 Millionen Euro für Manuskript Einstein-Schrift bricht bei Auktion Rekorde

Dieses Archivfoto aus dem Juni 1954 zeigt den renommierten Physiker Albert Einstein. Foto: Uncredited/AP/dpa/Archivbild

Einstein wurde in Ulm geboren und musste als Jude vor den Nazis in die USA fliehen. 1921 bekam er den Physik-Nobelpreis.

(Foto: Uncredited/AP/dpa/Archivbild)

Nur zwei Manuskripte Einsteins zur Entstehung der Relativitätstheorie sind bekannt. Eines davon kommt bei Christie's für eine Rekordsumme unter den Hammer. In Jerusalem wird derweil ein Brief versteigert, in dem Einstein über Antisemitismus in den USA berichtet.

Ein Manuskript des Physikers Albert Einstein zur Relativitätstheorie ist in Paris für die Rekordsumme von 11,6 Millionen Euro versteigert worden. Das 54-seitige Dokument erzielte damit im Auktionshaus Christie's einen viel höheren Erlös als erwartet. Einstein hatte es in den Jahren 1913 und 1914 mit seinem Kollegen und Vertrauten Michele Besso verfasst. Christie's hatte den Wert des Dokuments im Vorfeld der Auktion auf 2 bis 3 Millionen Euro geschätzt.

Es handele sich "zweifellos um das wertvollste Einstein-Manuskript", das jemals bei einer Auktion angeboten worden sei. Handschriftliche Forschungsmanuskripte des Physikers aus dieser Zeit seien "äußerst selten", erklärte Christie's. Die Auktion ging mit einem Startpreis von 1,5 Millionen Euro los. Bereits nach wenigen Minuten schnellte diese Summe in die Höhe. Am Ende lieferten sich zwei Bieter ein telefonisches Gefecht um das Manuskript, indem sie sich mehrfach in 200.000-Euro-Schritten gegenseitig überboten.

Etwa 100 Schaulustige verfolgten die Versteigerung im Auktionssaal. Die Nationalität des Käufers wurde nicht bekannt gegeben. Dass das nun versteigerte Manuskript noch erhalten sei, sei Einsteins Vertrautem Besso zu verdanken, erklärte Christie's. Dies komme einem "Wunder" gleich, da es unwahrscheinlich scheine, dass Einstein ein im Arbeitsprozess entstandenes Papier aufbewahrt hätte.

Manuskript handelt von Relativitätstheorie

Das Manuskript befasst sich mit der allgemeinen Relativitätstheorie, in der Einstein auf seiner 1905 ausgearbeiteten speziellen Relativitätstheorie mit der berühmten Formel E=mc² aufbaute. Einsteins 1915 veröffentlichte allgemeine Relativitätstheorie revolutionierte das Verständnis der Menschheit vom Universum und wichtiger physikalischer Phänomene. Sie zählt zu den großen physikalischen Theorien des 20. Jahrhunderts.

Zu den weiteren bahnbrechenden Arbeiten des in Ulm geborenen Wissenschaftlers gehört die Lichtquantenhypothese, für die er 1921 den Physik-Nobelpreis erhielt. Einstein starb 1955 im Alter von 76 Jahren in den USA. Das versteigerte Manuskript sei eines von nur zwei Arbeitsdokumenten Einsteins zur Entstehung der allgemeinen Relativitätstheorie, deren Existenz bekannt sei, erklärte Christie's.

Es sei in diesem Sinne ein "außergewöhnliches Zeugnis" von Einsteins Arbeit und biete einen "faszinierenden Blick in den Geist des größten Wissenschaftlers des 20. Jahrhunderts". Bereits in der Vergangenheit erzielten Manuskripte Einsteins Millionenerlöse. Ein Brief über Gott kam 2018 für 2,8 Millionen Euro unter den Hammer, ein Brief über das Geheimnis des Glücks brachte im Jahr 2017 rund 1,39 Millionen Euro ein.

Brief über Antisemitismus ebenfalls versteigert

Zudem ist nun ein handgeschriebener Brief Einsteins bei einer Auktion in Jerusalem für 55.000 US-Dollar (gut 48.000 Euro) versteigert worden. Der Startpreis für das Schreiben aus dem Jahr 1936 hatte bei umgerechnet knapp 9000 Euro gelegen, wie das Auktionshaus Kedem mitteilte. In dem Brief berichtet Einstein (1879-1955) unter anderem vom Antisemitismus in den USA. "Dieser nimmt zwar niemals die Form von brutalen Reden und Handlungen an, arbeitet aber desto intensiver unter der Decke", schreibt Einstein, der damals in Princeton im US-Staat New Jersey lehrte. "Er ist sozusagen ein allgegenwärtiger Feind, den man aber nie zu sehen sondern nur zu fühlen bekommt."

Mehr zum Thema

Einstein wurde in Ulm geboren und musste als Jude vor den Nazis in die USA fliehen. 1921 bekam er den Physik-Nobelpreis. Er blieb bis zu seinem Tod in Princeton. "Dieser Brief beleuchtet einen weniger bekannten Aspekt von Einsteins Leben in den Vereinigten Staaten", teilte das Auktionshaus vor der Versteigerung mit.

Das Ausmaß des Antisemitismus in den USA sei damals vom Holocaust und den Millionen Toten in Europa überschattet worden. Empfänger des Briefs war der ebenfalls in die USA emigrierte jüdische Pianist Bruno Eisner aus Österreich, dem Einstein Tipps für die Suche nach einer Stelle gibt. Eisner gelang in den USA eine Karriere als Konzertpianist und Musikprofessor. Er starb 1978 im Alter von 94 Jahren in New York.

Quelle: ntv.de, lve/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.