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Spender für Lebensmittel in einem Unverpackt-Laden.
Spender für Lebensmittel in einem Unverpackt-Laden.(Foto: picture alliance / Jens Kalaene/)
Donnerstag, 05. Juli 2018

Umweltfreundliche Alternativen: Es muss nicht immer Plastik sein

Von Kira Pieper

Trinkhalme aus Kunststoff, Plastikgeschirr und -tüten: Alle drei Produkte soll es in wenigen Jahren nicht mehr geben. Dabei ist es schon jetzt ganz einfach, auf die Umweltverschmutzer zu verzichten.

Laut EU-Kommission besteht knapp die Hälfte des an europäischen Stränden gefundenen Mülls aus Einwegprodukten. Etwa 150 Millionen Tonnen Plastik schwimmen in den Weltmeeren. Jedes Jahr kommen 8 Millionen Tonnen hinzu, besagt eine Studie der Ellen-MacArthur-Stiftung. Das entspricht einer Lkw-Ladung pro Minute.

Plastik ist ein Werkstoff mit vielen nützlichen Eigenschaften. Es ist leicht und günstig herzustellen. Das Problem daran: Es zersetzt sich nur sehr langsam und bleibt als Müll mehrere Jahrzehnte lang in der Umwelt. Dagegen will die EU nun vorgehen. Viele Produkte aus Plastik sollen künftig verboten werden. Doch niemand braucht Angst vor dem Zeitpunkt zu haben, wenn Einweggeschirr, Wattestäbchen und Trinkhalme aus Plastik aus den Ladenregalen verschwinden. Denn umweltfreundliche Alternativen gibt es längst, wenngleich einige von ihnen schwerer zu erwerben sind als das Plastik-Pendant. Hier einige Beispiele:

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Trinkhalme

Den Namen Strohhalm verdient der Trinkhalm längst nicht mehr. Denn statt aus natürlichem Stroh besteht der bunte Trinkhelfer aus Plastik oder kunststoffbeschichtetem Papier. Und auch wenn er so klein und unscheinbar aussieht: Die EU-Kommission schätzt, dass circa 20.000 Tonnen Strohhalme in den Weltmeeren schwimmen. Deswegen gehört auch der Plastik-Strohhalm zu den Produkten, die bald vom Markt verschwinden sollen. Allerdings müssen Cocktail-Liebhaber nicht in Gänze auf den Strohhalm verzichten. Es gibt bereits Alternativen aus Edelstahl, Glas und Bambus. Sie sind nicht nur umweltfreundlicher, sondern können auch wiederverwendet werden. Eine andere Idee sind essbare Trinkhalme zum Beispiel aus Abfällen von Äpfeln.

Plastiktüte

Seit 2016 versucht die EU mit einer Richtlinie, den Plastiktüten-Konsum einzudämmen. Pro Kopf soll der Verbrauch auf maximal 40 Tüten je Kopf und Jahr gesenkt werden. Wie die Länder dieses Ziel erreichen, bleibt ihnen überlassen. Seitdem kosten Plastiktüten in vielen deutschen Läden eine kleine Gebühr. Die Richtlinie zeigt erste Erfolge: 3,6 Milliarden Plastiktüten verbrauchten die Deutschen 2016. Im Jahr zuvor waren es noch zwei Milliarden mehr. Alternativen zur Plastiktasche sind schnell genannt: Stofftaschen lösen das Problem. Manche Geschäfte bieten auch Papiertaschen an. Doch das ist nicht die umweltfreundlichste Methode, denn für deren Herstellung wird viel Wasser und Energie benötigt. Nur wenn Papiertüten also mehrfach genutzt werden, sind sie eine Alternative.

Peeling und Duschgel

Mikroplastik-Teilchen. Sie sind so winzig, dass viele von ihnen auf eine Fingerkuppe passen.
Mikroplastik-Teilchen. Sie sind so winzig, dass viele von ihnen auf eine Fingerkuppe passen.(Foto: picture alliance / Bernd Wüstnec)

In Duschgel, Zahnpasta und vor allem Peelings sind winzige Schleifpartikel enthalten. Sie helfen, Unreinheiten zu beseitigen, doch für die Umwelt sind sie eine Katastrophe. Denn auch diese Partikel bestehen aus Mikroplastik. Jedes Stückchen hat einen Durchmesser von weniger als fünf Millimetern. Nach dem Gebrauch gelangt es ins Abwasser, doch die Kläranlagen schaffen es nicht, die winzigen Partikel aufzufangen. So gelangen die Mikroplastikteile in Flüsse und Meere, dort fressen es die Fische. Auf diesem Weg gelangt Plastik auch in unsere Nahrungskette. Dabei gibt es natürliche Alternativen: So können zum Beispiel Zuckerkristalle oder Sand für den gewünschten Peeling-Effekt sorgen. Sie können einfach der normalen Creme oder Seife beigemischt werden.

Wattestäbchen

In der Regel werden Wattestäbchen nur ein paar Sekunden lang benutzt. Dann landen sie im Müll. Auch sie sind zwar verhältnismäßig klein, gelten aber dennoch als üble Meeresverschmutzer und werden oft an Strände gespült. Ein weiteres Ärgernis: Sie landen meist im Hausmüll und nicht in der gelben Tonne. Hausmüll wird verbrannt, Schadstoffe gelangen in die Atmosphäre. Auch hier ist ein einfacher Umstieg leicht. Es gibt bereits Wattestäbchen mit Papierstiel. Und um die Plastikdose drumherum zu vermeiden, kann man sie auch in Schachteln aus Bambus oder Karton kaufen.

Plastik-Verpackungen

Duschgel und Seife, ebenso Wurst, Käse, Getränke und Brot sind mitunter in Plastik verpackt. Auch hier gibt es längst andere, umweltfreundlichere Möglichkeiten: Seife ohne Umverpackung oder im Pappkarton; Säfte und Milch können auch in der Glasflasche gekauft werden. Vieles gibt es auch in Unverpackt-Läden und bei einem Einkauf auf dem Wochenmarkt ist Obst und Gemüse in der Regel ohne Plastikverpackung erhältlich.

Plastikgeschirr

Der Klassiker unter dem Plastikgeschirr ist wohl der Einwegbecher für Kaffee oder Tee. Längst gibt es hier umweltfreundlichere Möglichkeiten: Vielerorts ist es längst kein Problem mehr, seinen Mehrwegbecher über die Theke zu reichen und füllen zu lassen. Und wer Picknick macht und auf der Suche nach leichtem und umweltfreundlichem Besteck und Tellern ist: Es gibt Einweg-Alternativen aus Zuckerrohr. Diese sind allerdings etwas teurer und auch schwieriger zu bekommen. Meistens gibt es sie nur übers Internet oder in Bio-Läden zu kaufen. Zudem gibt es Teller aus Palm- und Bananenblättern. Von Bambustellern sollte man indes die Finger lassen. Sie sind meistens Mogelpackungen, warnt die Verbraucherzentrale. Bei der Herstellung wird zwar ein Bambusmehl beigemischt, Plastik ist aber dennoch Bestandteil. Insofern ist es wohl die beste Idee, auf Mehrweggeschirr zurückzugreifen.

Quelle: n-tv.de