Fakten & Mythen

Steigende Zahl in Deutschland Sind zu viele Wölfe gefährlich für Menschen?

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Wölfe konkurrieren mit dem Menschen um Lebensraum.

(Foto: picture alliance/dpa)

Tierschützer freuen sich über die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland und einen ständig wachsenden Bestand, aber Kritiker fordern den Abschuss der Tiere. Ein aktueller Fall erregt die Gemüter erneut. Ob man Isegrim wirklich fürchten muss und wie viele Tiere bereits durchs Land streifen: hier einige Zahlen und Fakten.

Wo gibt es in Deutschland Wölfe?

Bei der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf, kurz DBBW, werden alle Daten gesammelt, aufbereitet und zum Abruf für die Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Für den Untersuchungszeitraum 2017/18 wurden deutschlandweit insgesamt 106 Territorien in sieben Bundesländern ausgemacht, in denen Wölfe leben. Sie gibt es demnach in Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Zudem wird ein Einzeltier in Thüringen aufgeführt. Mit 26 Rudeln und 84 Welpen ist Brandenburg derzeit das wolfreichste Bundesland.

Wie viele Wölfe gibt es in Deutschland?

Das kann niemand so genau sagen. In den erst kürzlich veröffentlichten Informationen des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und des DBBW geht man von 150 bis 160 erwachsenen Tieren aus. Dazu kommen 266 Welpen, die in der Saison 2017/18 geboren wurden. Es gibt also mehr als 300 Tiere im Land, die in Insgesamt 73 Rudeln oder als Einzeltiere leben. Ein rasanter Anstieg seit 2000, auf den Kritiker immer wieder hinweisen.

Wie viele Rudel verträgt das Land?

Auch das lässt sich nicht genau beziffern. Die Biologin Ilse Storch von der Universität Freiburg hat dazu bereits vor einigen Jahren eine Modellrechnung entwickelt. Damit zeigt sie, dass es darum geht, wo man den Wolf verortet, und kommt dementsprechend auf Zahlen, die zwischen 400 bis 1200 Rudeln (das entspricht 2000 bis 6000 Wölfen) liegen. Das BfN hatte schon 2009 von 440 Rudeln, die in Deutschland leben könnten, gesprochen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Mensch und Wolf vor allem um eines konkurrieren: Lebensraum.

Hat der Wolf in Deutschland Feinde?

Ein ausgewachsener Wolf hat in Deutschland keine natürlichen Feinde. Er steht hierzulande an der Spitze der Nahrungskette. Einzig und allein der Mensch wird dem Tier gefährlich. Durch Abschuss wurde 1904 der letzte freilebende Wolf in Deutschland getötet. Die Art war auf diesem Gebiet damit ausgerottet. Durch internationalen Schutz seit Ende des 20. Jahrhunderts konnten sich die Bestände vor allem in Europa wieder erholen. Seit 2000 werden nachweisbar auch wieder Wolfswelpen in deutschen Wäldern geboren.

Ist der Wolfsbestand regulierbar?

Wölfe sind in Deutschland streng geschützt. Die Art hat hier den gesetzlich höchstmöglichen Schutzstatus. Die Tiere dürfen weder gejagt noch gefangen werden. Dennoch gibt es seit einigen Jahren Fälle von illegalen Tötungen. Diese werden ebenfalls vom DBBW erfasst. In diesem Jahr wurden bereits acht Abschüsse registriert. Die meisten Tiere sterben den Angaben zufolge allerdings durch Verkehrsunfälle. 2017 wurde diese Todesursache bei 51 und 2018 bei bisher 63 Tieren festgestellt. Die Union hat sich erst kürzlich für eine Lockerung des Schutzes ausgesprochen und "wolfsfreie Zonen" vorgeschlagen.

Muss man Angst vor Wölfen haben?

In bekannten Märchen ist es der Wolf, das Tier das Rotkäppchen oder sechs Geißlein frisst. Die Spezies hat in den Erzählungen ein Image, das schlechter nicht sein könnte. Es hat sich tief im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert hat und erzeugt bis heute Angst vor den Tieren. Eine Begegnung mit einem Wolf ist relativ unwahrscheinlich, da die Tiere normalerweise Menschen aus dem Weg gehen. Trifft man beim Waldspaziergang tatsächlich auf einen wildlebenden Wolf, dann ist das ein besonderer Augenblick. Am besten verhält man sich so, wie jedem anderen wildlebenden Tier gegenüber. Wer große Angst hat, sollte dennoch nicht wegrennen oder ruckartige Bewegungen machen. Man kann ausprobieren, ob durch lautes Klatschen oder Rufen das Tier vertrieben werden kann. Manch einer könnte auf die Idee kommen, den Wolf anzulocken, anzufüttern oder hinterherzulaufen. Das sollte man aber auf gar keinen Fall tun. Besser ist es, sich langsam und ruhig zurückziehen und das Aufeinandertreffen der zuständigen Behörde mitzuteilen. Die Gefahr, die im Wald von Wildschweinen ausgeht, ist statistisch gesehen um einiges größer, als von einem Wolf angegriffen zu werden. Dennoch gibt es keine absolute Sicherheit, genauso wenig wie beim Zusammenleben mit Haustieren.

Quelle: n-tv.de, jaz

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