Anteil seit 1990 verdoppeltFast die Hälfte der US-Bevölkerung ist fettleibig

Fettleibigkeit erhöht das Risiko für viele chronische Erkrankungen enorm. Unter diesem Gesichtspunkt besonders bedenklich: In den USA ist der Anteil fettleibiger Erwachsener seit 1990 von 19 auf 42,5 Prozent gestiegen. Besonders stark betroffen sind der Mittlere Westen und der Süden.
In den USA hat Adipositas in den vergangenen Jahrzehnten drastisch zugenommen, wie Fachleute im Fachjournal "JAMA" berichten. Lag der Anteil fettleibiger Erwachsener in den USA im Jahr 1990 noch bei gut 19 Prozent, so waren es 2022 bereits 42,5 Prozent - also mehr als doppelt so viel und fast die Hälfte der Bevölkerung. Bis 2035 werde der Anteil voraussichtlich auf knapp 47 Prozent - etwa 126 Millionen Menschen - steigen, schreibt das Team um Catherine Johnson vom Hans Rosling Center for Population Health der University of Washington in Seattle.
Zum Vergleich: In Deutschland lag der Anteil fettleibiger Menschen im Zeitraum 2019/2020 nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) unter den Erwachsenen bei 19 Prozent. Rund zehn Jahre zuvor lag er demnach etwas höher, bei etwa 23,5 Prozent.
Auch wirtschaftliche Ungleichheit spielt eine Rolle
Von Fettleibigkeit - im Fachjargon Adipositas genannt - sprechen Mediziner ab einem Körper-Masse-Index (BMI) von 30. Als Normalgewicht gilt nach Angaben der Deutschen Adipositas-Gesellschaft ein BMI von 18,5 bis 24,9. Das US-Team wertete für seine Studie Daten verschiedener Befragungen aus. Regional besonders stark betroffen sind demnach der Mittlere Westen und der Süden der USA. Auffällig stark fiel die Zunahme bei jungen Menschen unter 35 Jahren aus, insbesondere bei Frauen.
Die Analyse deute auf ein hohes Maß an Ungleichheit in gesundheitlicher Hinsicht hin. Diese basiere unter anderem auf wirtschaftlicher Ungleichheit, auf ungenügendem Zugang zu gesunden Lebensmitteln und auch auf Unterschieden in der körperlichen Aktivität. Dies wiederum hänge auch mit der Bebauung von Stadtvierteln zusammen.
Fettleibigkeit steigert Risiko für viele chronische Erkrankungen
So seien etwa in Colorado verhältnismäßig wenige Menschen fettleibig, heißt es. Gleichzeitig sei dort ein sehr hoher Anteil der Bevölkerung körperlich aktiv. In Oklahoma dagegen, wo sehr viele Menschen fettleibig sind, orientierten sich nur wenige Menschen an Ernährungsempfehlungen. Dies spiegele oft sozioökonomische Ungleichheit wider, betont das Team. Fettleibigkeit in den USA müsse dringend auch politisch angegangen werden.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Adipositas als eigenständige Krankheit ein. Fettleibigkeit steigert das Risiko für viele chronische Erkrankungen, darunter etwa Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Muskel- und Gelenkerkrankungen sowie verschiedene Krebserkrankungen. Zudem ist das Risiko erhöht, frühzeitig zu versterben.
Auch wenn das Ausmaß nicht so drastisch ist wie in den USA: Das RKI verweist für Deutschland zudem auf die große wirtschaftliche Belastung im Gesundheitswesen. Laut Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird Deutschland zwischen 2020 und 2050 rund 11 Prozent seiner Gesundheitsausgaben für die Behandlung von Erkrankungen aufwenden, die im Zusammenhang mit Adipositas stehen.