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Schlaue Eltern, schlaues Kind? Forscher entdecken Intelligenz-Gene

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Intelligenz sei in der Kindheit zu 45 Prozent genetisch bestimmt, so die Forscher.

(Foto: imago/blickwinkel)

Intelligenz ist zu einem gewissen Teil erblich bedingt. Nun finden Forscher nach Auswertung von Daten von 80.000 Kindern und Erwachsenen rund 40 Gene, die die Entwicklung von Intelligenz fördern. Doch sie bringen nur unter bestimmten Bedingungen etwas.

Ein internationales Forscherteam hat 40 Intelligenz-Gene entdeckt. Die Wissenschaftler um Danielle Posthuma von der Universität Amsterdam hatten dafür Daten verschiedener Studien mit insgesamt knapp 20.000 Kindern und fast 60.000 Erwachsenen aus Europa analysiert. Intelligenz sei in der Kindheit zu 45 Prozent genetisch bestimmt, im Erwachsenenalter zu 80 Prozent, schreiben sie im Journal "Nature Genetics" mit Verweis auf eine frühere Studie.

Intelligenzunterschiede zwischen Menschen lassen sich mit den neuen Ergebnissen demnach um bis zu 4,8 Prozent durch bekannte genetische Faktoren erklären. Dazu zählen nicht nur Gene, sondern etwa auch winzige Veränderungen im Erbgutstrang - sogenannte Single Nucleotide Polymorphisms (SNP) - die ebenfalls von den Forschern entdeckt wurden. Das sei insgesamt etwa eine Verdopplung im Vergleich zu vorher. Ein Großteil der Erbanlagen für Intelligenz haben die Forscher somit bislang noch nicht gefunden, sondern schließen aufgrund von Zwillings- und Adoptionsstudien darauf.

Die meisten nun entdeckten Gene spielen eine Rolle im Gehirn, etwa beim Aufbau von Nervenzellen. Die Intelligenzgene waren nicht nur mit einem hohen Lernerfolg assoziiert, sondern etwa auch mit der Abkehr vom Rauchen, dem Gehirnumfang in der Kindheit, Autismus, Körpergröße und Langlebigkeit. Eine negative Korrelation bestand dagegen unter anderem mit der Alzheimer-Krankheit, Depressionen, Schizophrenie, Hyperaktivität, lebenslangem Rauchen und Ängstlichkeit.

Einfluss äußerer Faktoren

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Eltern haben "nur bis zu einem Alter von etwa 15 oder 16 Jahren einen Einfluss".

(Foto: imago stock&people)

Andere Forscher wie der Psychologe Rainer Riemann von der Universität Bielefeld gehen bezüglich die Intelligenz von 40 Prozent genetischer Bestimmung bei Kindern und 60 Prozent bei Erwachsenen aus. Er unterstreicht den Einfluss äußerer Faktoren. "Wir wissen heute, dass die mit Intelligenz verbundenen Gene sich nicht einfach entfalten, sondern eine anregende Umwelt notwendig ist, damit die Fähigkeiten sich ausbilden können", erläutert Riemann. "Wenn man jemand mit einem vollen Potenzial in einen dunklen Raum einsperrt, kann sich gar keine Intelligenz entwickeln."

Intelligenz sei eine notwendige, aber nicht allein hinreichende Bedingung für gute Schulleistungen. Wenn ein normal begabtes Kind viel in Lernen investiere, habe es auch große Chancen auf gute Schulleistungen. "Das ist natürlich auch geprägt durch die Eltern. Wobei diese nur bis zu einem Alter von etwa 15 oder 16 Jahren einen Einfluss haben." Der Effekt durch die Eltern sei im Erwachsenenalter nicht mehr nachweisbar.

Viele Menschen hätten erst spät Zugang zur Bildung. "Ich plädiere daher dafür, weiterhin viele Bildungswege zu öffnen, auch später etwa durch Abendgymnasien, weil Menschen aufgrund von unzulänglicher Förderung ihr Potenzial möglicherweise in Kindheit und Jugend nicht ausgeschöpft haben", betont Riemann.

"Praktischer Sinn der Studie derzeit noch gering"

Der praktische Sinn der Studie sei derzeit noch gering, meint Elsbeth Stern von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, die nicht an der Studie beteiligt war. "Erst wenn man irgendwann Gene findet, aus denen sich zuverlässig Lernstörungen ableiten lassen, könnte man früher mit gezielten Fördermaßnahmen beginnen."

Es sei nicht zu befürchten, dass sich die Intelligenz eines Menschen irgendwann an seinen Genen ablesen lasse, auch wenn die Genetik Fortschritte mache. Intelligenz werde zu stark von der Umwelt bestimmt. "Die Gene können ihre Wirkung nur unter anregenden Umweltbedingungen auf die Hirnentwicklung und damit auf die Intelligenz entfalten. Wenn genetisch identische Samenkörner an guten oder schlechten Standorten gepflanzt werden, zeigen sich ja auch Unterschiede."

Quelle: n-tv.de, Simone Humml, dpa

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