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Steinzeitliches "Bodenseebräu"? Forscher finden Spuren des ältesten Bieres

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Bier-Spur: Verkohlter Pflanzenfund vom Fundort Hornstaad-Hörnle.

(Foto: Niki Gail/ÖAW/dpa)

Der Hopfenanbau am Bodensee hat eine jahrhundertelange Tradition. Nun vermuten Wissenschaftler, dass dort sogar das erste Bier in Europa gebraut wurde. Dank einer neuen Methode konnten sie Malz an verkohltem Material aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. nachweisen.

Archäologen sind dank neuer Forschungsansätze dem ältesten Bier in Mitteleuropa auf der Spur. Mit Sicherheit seien malzhaltige Getränke bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. am Bodensee und am Zürichsee zubereitet worden, sagt der Archäobotaniker Andreas Heiss von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

Ob es sich dabei tatsächlich um Bier oder ein noch alkoholfreies Malzgetränk gehandelt habe, sei noch unklar. Bisher galten Fundstellen in keltischen Siedlungen im heutigen Baden-Württemberg um das 5. bis 4. Jahrhundert v. Chr. als älteste Brauereien Mitteleuropas.

Für die im Fachjournal "Plos One" veröffentlichte Studie nutzten die Forscher spezifische Zersetzungsspuren an den Zellwänden von Getreidekörnern erstmals zum Nachweis von Malz in verkohltem archäologischen Material. Dies sei selbst dann gelungen, wenn von diesen Körnern nur mehr zermahlene und verbrannte Reste erhalten waren, so Heiss. Mälzen ist ein entscheidender Schritt beim Bierbrauen. Dabei wird Getreide- heute meist Gerste - zum Keimen gebracht und dann getrocknet oder geröstet.

Das internationale Team um Heiss fand entsprechende Merkmale an Material aus jungsteinzeitlichen Ufersiedlungen am Bodensee und am Zürichsee, die ins 4. vorchristliche Jahrtausend datieren. So erwiesen sich amorphe Speisekrusten aus der Grabung Parkhaus Opéra am Schweizer Zürichsee als malzhaltig, ebenso zwei bislang als "brotartige Objekte" bezeichnete Funde aus Sipplingen-Osthafen und Hornstaad-Hörnle, beides am Bodensee in Baden-Württemberg gelegene ehemalige Pfahlbau-Siedlungen.

Der Fund aus Hornstaad-Hörnle habe zudem gezeigt, dass hier stark zerkleinertes Gerstenmalz zu einer Flüssigkeit aufgegossen worden war und in der Hitze eines Gebäudebrandes eindickte und verkohlte. Ob hier ein alkoholfreier Malztrunk hätte zubereitet werden sollen oder ob das Ziel doch das Vergären zu einem steinzeitlichen "Bodenseebräu" gewesen war, ließe sich aber nicht mehr eindeutig ermitteln, so Heiss. "Auch wenn der letzte Schritt des Nachweises noch fehlt, sind wir wahnsinnig nah dran", sagte der Forscher.

Quelle: ntv.de, hny/dpa