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Deutscher auf dem Chefposten Gerst übernimmt das Kommando auf der ISS

Als Astronaut ist Alexander Gerst schon länger Crew-Mitglied der Internationalen Raumstation. Doch nun wird er Kommandant. Damit ist er der erste Deutsche in dieser Position. Eine Aufgabe mit viel Verantwortung, bei der "Astro-Alex" Nervenstärke beweisen muss.

Auf der Internationalen Raumstation ISS schreibt der deutsche Astronaut Alexander Gerst heute ein neues Kapitel europäischer Raumfahrtgeschichte: Als erster Deutscher und zweiter Europäer übernimmt der 42-Jährige das Kommando der ISS. Damit beginnt der zweite Teil von Gersts sechsmonatiger Mission auf der Raumstation - im Dezember wird der Raumfahrer der europäischen Weltraumagentur ESA wieder zur Erde zurückkehren.

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Vor Gerst hatte mit dem Belgier Frank de Winne im Jahr 2009 erst einmal ein europäischer Astronaut das Kommando auf der ISS inne. Gerst hatte am 8. Juni seinen zweiten Langzeitaufenthalt nach 2014 auf der Internationalen Raumstation angetreten. Seither nahmen der als Astro-Alex populär gewordene ESA-Raumfahrer und seine Kollegen auf der ISS eine Vielzahl von Experimenten im Rahmen der Mission "Horizons" in Angriff.

Bereits in dieser Funktion glänzte Gerst als "hochqualifizierter Laborant, Handwerker und manchmal auch selbst Versuchskaninchen für die Wissenschaft", wie Volker Schmid vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erklärte. So schlüpfte der 42-jährige Astronaut Mitte Juni für das Projekt "Myotones" etwa in die Rolle der Versuchsperson. Die US-Astronautin und Bordärztin Serena Auñón-Chancellor hatte seine Muskeln und Knochen mit einem Spezialgerät vermessen. In weiteren Runden wurde auch Blut abgenommen und Ultraschall eingesetzt. Die neuen Erkenntnisse sollen helfen, zum Beispiel Trainings- und Rehabilitationsprogramme zu verbessern. Häufig waren auch der "Handwerker" Gerst und sein Improvisationstalent gefragt: So reparierte er etwa die Sauerstoffversorgung bei einer Luftschleuse.

Als Kommandant werden neben Teamgeist auch Führungsqualitäten gefragt sein. Kapitän des gesamten Raumschiffs zu sein, bedeute im Vergleich zum "normalen" Astronautenalltag als Missionsspezialist - also zum Beispiel Bordingenieur oder Wissenschaftler, "vor allem auch in kritischen Situationen den Überblick zu behalten und überlegt Entscheidungen zu treffen", erklärt Volker Schmid. Erfahrung mit den Abläufen an Bord der ISS spiele dabei eine ebenso große Rolle wie die Akzeptanz innerhalb der Crew.

"Der Kapitän muss mehr als jeder andere ein Teamplayer sein, zugleich aber auch den Respekt und das Vertrauen genießen, auch im Krisenfall für die gesamte Mannschaft und das Schiff Verantwortung zu übernehmen", so Schmid. Zusätzlich arbeitet der Kommandant besonders eng mit dem Flugdirektor und dem Missionsteam am Boden zusammen. Und: Alexander Gerst ist für die Sicherheit und die Gesundheit der Crew zuständig. Im Notfall entscheidet er über Rettungsmaßnahmen bis hin zum Missionsabbruch oder eine vorzeitige Rückkehr zur Erde. Zwei Jahre bereitete sich Gerst auf diese Aufgabe vor.

2014 war der deutsche Astronaut das erste Mal auf der ISS gewesen - und hatte seinen Aufenthalt blendend bestanden: Nach der Landung in der kasachischen Steppe waren alle überrascht, wie fit Gerst nach tagelanger Schwerelosigkeit war und gleich wieder eigenständig gehen konnte. Dass man ihm eine zweite Reise zur Raumstation zutraute, hängt auch mit seiner Kompetenz zusammen: Gerst spricht fließend Englisch und Russisch. Er ist promovierter Geophysiker und Vulkanologe, studierte in Karlsruhe und in Wellington und erhielt 2010 an der Universität Hamburg seinen Doktorhut.

Quelle: n-tv.de, kpi/AFP

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