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Häufiger und länger Hitzewellen treffen auch Ozeane

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Oberflächenwasser-Anomalien im Sommer 2015.

(Foto: Eric Oliver/NOAA/dpa)

Nicht nur an Land gibt es Hitzewellen. Auch in den Weltmeeren kommt es zu Phasen mit anhaltend hohen Temperaturen. Zudem dauern diese auch immer länger. Welche Auswirkungen hat das auf den Menschen?

In den Weltmeeren kommt es immer häufiger zu Hitzewellen, die zudem immer länger andauern. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern um Eric Oliver von der Dalhousie University in Halifax (Kanada). Im Zeitraum von 1925 bis 2016 nahm die weltweite Häufigkeit von Hitzewellen demnach in den Ozeanen um 34 Prozent zu, die Dauer dieser Perioden um 17 Prozent. Die Anzahl der Tage, die zu einer Hitzewelle gerechnet werden, erhöhte sich um 54 Prozent. Die Studie der Forscher ist im Fachjournal "Nature Communications" erschienen.

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Karibische Fächerkoralle: Hitzewellen verursachen auch einen Verlust von Korallen.

(Foto: imago/CHROMORANGE)

Um zu erklären, wie dramatisch solche Hitzewellen für die Meeresbewohner sind, ziehen Oliver und Kollegen einen Vergleich zu Hitzewellen an Land: "Beispielsweise verursachte die Hitzewelle in Europa im Jahr 2003 Zehntausende von Todesfällen und sie wurde später durch die europäische Hitzewelle von 2010 übertroffen." Für die Meeresökosysteme gehe aus regionalen Studien hervor, dass Hitzewellen "einen weitverbreiteten Verlust von lebensraumbildenden Arten wie Tangwäldern und Korallen verursachen". Veränderungen in den Ökosystemen hätten über die Fischerei und den Tourismus auch direkte Auswirkungen auf menschliche Interessen.

Definition für Hitzewellen im Meer

Die Forscher übernahmen für ihre Studie eine anerkannte Definition für Hitzewellen im Meer: Demnach muss die Temperatur der Meeresoberfläche mindestens fünf Tage in Folge oberhalb von 90 Prozent aller Temperaturwerte liegen. Die Daten stammen aus drei Quellen: Satellitenmessungen in den Jahren 1982 bis 2016, Langzeitmessungen an sechs Stationen auf der Nordhalbkugel sowie fünf globale Datensätzen, die aus Hochrechnungen vorhandener Messdaten entstanden sind. Daraus wurden weltweite monatliche Temperaturmittelwerte für den Zeitraum von 1900 bis 2016 erstellt.

Der Verlässlichkeit der Daten wegen wählte das Team um Oliver Daten aus der Zeit von 1925 bis 1954 (erster Zeitraum) als Vergleichswerte für die Messungen von 1987 bis 2016 (zweiter Zeitraum, jeweils 30 Jahre). Dauerten Hitzewellen im ersten Zeitraum durchschnittlich elf Tage, so waren es im zweiten Zeitraum 15 Tage. In mehr als 91 Prozent der globalen Meeresregionen hat sich die Dauer der Hitzewellen erhöht. Gab es im ersten Zeitraum weltweit jährlich 26 Hitzewellentage, stieg die Anzahl im zweiten Zeitraum auf 40 Tage.

Langjährige Veränderungen von Meeresströmungen

Einen großen Einfluss auf die Temperaturen der Meeresoberfläche haben langjährige Veränderungen von Meeresströmungen. So rechneten die Forscher den Einfluss des ozeanischen Klimaphänomens El Niño/südliche Oszillation sowie der pazifischen Dekaden-Oszillation und der atlantischen Multidekaden-Oszillation aus den Daten heraus. Dadurch sei der ansteigende Trend bei den Hitzewellen noch deutlicher hervorgetreten.

Die Forscher fanden einen großen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Oberflächentemperaturen und dem Auftreten von Hitzewellen. Deshalb gehen sie davon aus, dass Meereshitzewellen im Zuge des Klimawandels häufiger werden und länger andauern werden.

Quelle: n-tv.de, Stefan Parsch, dpa

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