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Lebten auch in EuropaHöhlenlöwen waren größer als ihre Artverwandten heute

04.06.2026, 10:38 Uhr
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Das Höhlenlöwenjunge namens Sparta - sein Alter wurde mittels Radiokarbonmethode auf etwa 32.000 Jahre datiert und sein Geschlecht genetisch als weiblich bestimmt. (Foto: Love Dalén/dpa)

Erbgut-Analysen zeigen: Die Entwicklungslinie der Höhlenlöwen ist viel älter als gedacht. Die Tiere durchstreiften einst auch Mitteleuropa und waren größer als ihre heutigen Verwandten. Überraschend ist, wie das Klima die getrennten Arten wieder zusammenbrachte.

Heute scheint es schwer vorstellbar: Noch bis vor etwa 13.000 Jahren wurde das nördliche Eurasien - auch Mitteleuropa - von Höhlenlöwen durchstreift, die größer waren als heutige Löwen. Aus Genomanalysen rekonstruiert ein internationales Forschungsteam im Fachjournal "Cell" die Evolutionsgeschichte dieser bislang rätselhaften Art.

Das Team um David Stanton vom Centre for Palaeogenetics (CPG) in Stockholm untersuchte das Erbgut von 12 Höhlenlöwen aus Eurasien und Nordamerika, die vor etwa 148.000 bis vor 17.000 Jahren lebten, und verglich es mit 20 Genomen von modernen Löwen aus Afrika und Asien.

Mit "einzigartigen biologischen Eigenheiten"

Die ältesten eindeutigen Löwen-Fossilien sind der Studie zufolge etwa 1,9 Millionen Jahre alt. Anhand genetischer Mutationsraten schätzt das Forschungsteam, dass sich Höhlenlöwen (Panthera spelaea) und gewöhnliche Löwen (Panthera leo) schon vor mehr als einer Million Jahren voneinander trennten - wesentlich früher als bislang angenommen.

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Schädel eines Höhlenlöwen mit teilweise erhaltenem Weichgewebe. Er wurde im sibirischen Permafrost in der Nähe des Flusses Indigirka gefunden und mittels Radiokarbonmethode auf ein Alter von circa 34.000 Jahren datiert. (Foto: Love Dalén/dpa)

"Höhlenlöwen wurden oft einfach als größere, kräftigere Version moderner Löwen dargestellt", sagt Erstautor Stanton. "Aber in ihren Genomen sehen wir etwas viel Bemerkenswerteres: eine Linie, die sich unabhängig über mehr als eine Million Jahre entwickelte und einzigartige biologische Eigenheiten ansammelte." Zum Vergleich: Der Homo sapiens existiert nach derzeitigem Kenntnisstand seit grob 300.000 Jahren.

Wie das Team weiter berichtet, fand es genetische Veränderungen, die unter anderem mit Gehirn, Sehen, Wachstum und Kreislauf in Verbindung stehen. Das passt dazu, dass die Tiere nicht nur größer waren als ihre heutigen Verwandten, sondern dass sie andere Ökosysteme bewohnten und sich wohl auch anders verhielten. Bereits vorher war vermutet worden, dass sie auch ein helleres Fell hatten als ihre heutigen Verwandten.

Vermischungen während der Kaltzeiten

Allerdings fand das Team genetische Hinweise darauf, dass beide Arten nicht ständig voneinander isoliert waren, sondern sich gelegentlich miteinander vermischten. Kurioserweise hingen diese Vermischungen der Studie zufolge mit klimatischen Veränderungen zusammen. Spuren moderner Löwen fanden sich demnach im Erbgut von Höhlenlöwen am ausgeprägtesten während Kaltzeiten - etwa vor 64.000 Jahren und vor 22.000 Jahren.

Vermutlich wichen die Höhlenlöwen vor der Kälte in wärmere Gefilde aus und kamen so eher in Kontakt mit ihren weiter südlich lebenden Verwandten - etwa mit einer vermutlich im 20. Jahrhundert ausgestorbenen Population moderner Löwen in Südwestasien. Demnach enthielt einer der untersuchten Höhlenlöwen, der vor etwa 20.000 Jahren im östlichen Mittelasien lebte, zu etwa 4 Prozent Erbgut eines modernen Löwen.

"Unsere Resultate deuten darauf hin, dass frühere Klimaveränderungen nicht nur Lebensräume veränderten", erläutert Studienleiter Love Dalén aus Stockholm. "Sie brachten aktiv Arten zusammen und schufen kurze Gelegenheiten für Vermischungen, die es andernfalls nicht gegeben hätte."

Quelle: ntv.de, Walter Willems, dpa

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