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Störung im Zahnschmelz Immer mehr Kinder haben "Kreidezähne"

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Ärzte vermuten, dass Weichmacher an sogenannten Kreidezähnen schuld sind.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Zähne sind schmerzempfindlich, gelb-bräunlich verfärbt und porös: Immer häufiger stellen Zahnärzte bei ihren kleinen Patienten sogenannte Kreidezähne fest. Über ein Drittel aller Zwölfjährigen ist bereits von dieser rätselhaften Störung im Zahnschmelz betroffen.

Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden immer häufiger unter sogenannten Kreidezähnen. Im Schnitt seien bereits zehn bis 15 Prozent der Kinder von dieser Störung im Zahnschmelz betroffen, wie die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde mitteilte. Bei den Zwölfjährigen habe schon mehr als jedes dritte Kind "Kreidezähne". Sie seien in dieser Altersgruppe mittlerweile ein größeres Problem als Karies.

Die Fachgesellschaft sprach daher von einer "neuen Volkskrankheit". Es handelt sich demnach um eine Mineralisationsstörung während der Zahnentwicklung, die sich unter anderem durch weiß-gelbliche oder gelb-braune Verfärbungen an den Kauflächen oder Zahnhöckern zeigt. In schweren Fällen kann der Zahnschmelz absplittern. Solche "Kreidezähne" sind äußerst schmerzempfindlich und reagieren sehr sensibel auf Hitze, Kälte und Putzen.

1987 wurde die sogenannte Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) erstmals wissenschaftlich beschrieben. Eine wesentliche Rolle bei der Entstehung scheinen Experten zufolge Weichmacher aus Kunststoffen zu spielen, die mit der Nahrung aufgenommen werden. In Tierversuchen ließ sich demnach ein Zusammenhang zwischen der Chemikalie Bisphenol A und der Entwicklung von MIH nachweisen.

Prophylaxe besonders wichtig

Bisphenol A wirkt wie ein menschliches Hormon und steht seit Jahren in der Kritik. Der Stoff kann mit der Nahrung und über die Haut aufgenommen oder eingeatmet werden. In Babyfläschchen ist Bisphenol A seit 2011 EU-weit verboten.

Als weitere potenzielle Ursachen für MIH kommen Probleme während der Schwangerschaft, Infektionskrankheiten, Antibiotikagaben, Windpocken, Einflüsse durch Dioxine sowie Erkrankungen der oberen Luftwege in Betracht. Die genaue Ursache gilt wissenschaftlich weiterhin als ungeklärt.

Weil es bereits während der Zahnentwicklung zu Veränderungen kommt und die konkreten Ursachen noch nicht geklärt sind, ist eine wirksame Prävention gegen "Kreidezähne" nicht möglich. Umso wichtiger ist den Experten zufolge die Prophylaxe, weil MIH-Zähne besonders kariesanfällig sind. Nötig seien regelmäßige Untersuchungen beim Zahnarzt und die Behandlung mit Fluoridlack. Auch der Aufbau der Zähne mit verschiedenen Techniken könnte dazu beitragen, auch "Kreidezähne" ein Leben lang zu erhalten.

Quelle: n-tv.de, hny/AFP

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