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Teils mehrere Impfversuche Impfantwort bei Autoimmunkranken gestört

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Manchmal verhindert die Autoimmunerkrankung eine erfolgreiche Impfung im ersten Anlauf.

(Foto: imago/Panthermedia)

Viele Menschen mit Autoimmunerkrankungen fragen sich, wie ihre Medikamente auf die Corona-Impfung wirken. Verträgt sich das überhaupt? Erlanger Forscher können diese Frage nun beantworten.

Fünf bis acht Prozent der Bevölkerung leiden unter verschiedenen Autoimmunerkrankungen. Zu den immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen (IMIDs) gehören beispielsweise Morbus Crohn, Rheuma, Multiple Sklerose oder Schuppenflechte. Ihnen allen ist gemein, dass sie durch eine Fehlreaktion des eigenen Immunsystems verursacht werden. Deshalb werden viele der Patienten mit sogenannten Immunsuppressiva behandelt, also Medikamenten, die Funktionen des Immunsystems vermindern.

Wenn allerdings Teile des Immunsystems teilweise außer Kraft sind, was bedeutet das für eine Impfung dieser Patienten gegen das Coronavirus? Dieser Frage sind Wissenschaftler des Deutschen Zentrums Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen nachgegangen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift "Annals of the Rheumatic Diseases" veröffentlicht. Sie untersuchten die Daten von 84 Patienten mit IMIDs, die zwischen Ende Dezember 2020 und Ende März 2021 die Impfung mit Biontech/Pfizer erhalten hatten. Die meisten (96 Prozent) waren bis zum Abschluss der Studie zweimal geimpft. Die Kontrollgruppe bestand aus Probanden, die keine Immunerkrankung haben. Alle diese Personen hatten 2020 keine Covid-19-Vorgeschichte und waren vor der Impfung Antikörper-negativ.

Die Forscher um Georg Schett fanden heraus, dass nicht alle Menschen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen auf den mRNA-Impfstoff mit einer Immunantwort reagierten und einen Immunschutz gegen Sars-CoV-2 entwickelten. Von knapp 270 gesunden Geimpften entwickelte einer von hundert keine neutralisierenden Antikörper gegen das Coronavirus. Bei den Patienten mit einer Immuntherapie war es einer von zehn. 90 Prozent der Geimpften mit IMIDs zeigten jedoch eine gute Immunantwort. Deshalb schlussfolgern die Wissenschaftler: "Diese Studie zeigt, dass die Sars-CoV-2-Impfung im Wesentlichen bei Patienten mit IMID funktioniert, die Reaktionen jedoch verzögert und reduziert sind."

Zweiter Versuch

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Als Ursache für das Ausbleiben oder spätere Eintreten der Antikörperbildung sehen die Erlanger Forscher nicht die entzündungshemmenden Therapien, sondern die jeweilige Grunderkrankung an sich. Demnach gebe es auch keine Notwendigkeit, die Einnahme dieser Medikamente bis zum Impftermin auszusetzen. Um eine sichere Aussage treffen zu können, empfehlen die Erlanger Wissenschaftler, die Impfantwort etwa zwei Wochen nach der Zweitimpfung zu bestimmen. Sollte der Impfschutz dann noch nicht ausreichend sein, wird eine erneute Impfung mit einem anderen Vakzin empfohlen.

Die Forscher stellten zudem fest, dass Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen die Impfungen insgesamt besser vertragen als Gesunde. Typische Nebenwirkungen wie Reaktionen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Schüttelfrost oder Gelenkschmerzen kamen bei Patienten mit Immuntherapien deutlich seltener vor als bei Gesunden. Damit konnten die Forschenden das Gerücht entkräften, dass Patienten mit Autoimmunerkrankungen aufgrund ihres veränderten Immunsystems vielleicht eine überschießende Reaktion auf die Corona-Impfung haben.

Quelle: ntv.de, sba

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