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Moderna veröffentlicht Studie Impfdurchbrüche auch nach einem Jahr selten

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Der Moderna-Impfstoff schützt offenbar auch nach einem Jahr noch sehr gut vor einer Covid-19-Infektion.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Eine neue Studie vergleicht die Impfdurchbrüche beim Moderna-Vakzin. Das Fazit: Nach einem Jahr ist die Zahl etwa doppelt so hoch wie sechs Monate nach der zweiten Dosis. Allerdings bleibt es bei wenigen Fällen und der Schutz vor einer schweren Erkrankung ist fast unverändert hoch.

Vorfälle wie Dutzende Corona-Infizierte nach einer 2G-Party in Münster heizen die Diskussion über die Häufigkeit von Impfdurchbrüchen weiter an. Viele Menschen machen sich deshalb Sorgen und Gesundheitsminister Spahn hat deshalb sogar schon eine Auffrischung (Booster) für alle vollständig Geimpften erwogen.

Schutz vor Hospitalisierung so oder so hoch

Doch einerseits kann man es inzwischen als erwiesen betrachten, dass die Wirkstoffe nach wie vor das Risiko einer schweren Erkrankung sehr stark senken. Andererseits ist die Schutzwirkung der Vakzine auch vor einer Infektion immer noch beachtlich hoch. Sie übertrifft beispielsweise die Effektivität von Grippeimpfungen teilweise deutlich, die bei durchschnittlich 60 Prozent liegt.

Feststeht aber, dass der Schutz vor einer Infektion mit der Zeit nachlässt, weshalb Booster-Impfungen inzwischen für über 80-Jährige und andere vulnerablen Gruppen begonnen wurden, deren Impfung bereits rund sechs Monate zurückliegt. Die Zeitspanne basiert unter anderem auf der britischen Zoe-Covid-Studie, die ergeben hatte, dass die Schutzwirkung des Biontech-Vakzins Comirnaty in dieser Zeit ungefähr von 88 auf 74 Prozent sinkt.

Moderna offenbar etwas wirksamer als Biontech

Der seltener verwendete Impfstoff des US-Herstellers Moderna ist weniger gut erforscht, aber es gibt einige aktuelle Daten. Eine prospektive Kohortenstudie ergab kürzlich eine Effektivität von rund 87,4 Prozent gegen eine Infektion und knapp 96 Prozent gegen Hospitalisierung. Dabei betrug der Anteil der Delta-Variante an den Durchbrüchen 47 Prozent.

Zu einem sehr ähnlichen Ergebnis kam die US-Gesundheitsbehörde CDC, die Covid-19-Infektionen in neun Bundesstaaten von Anfang Juni bis Ende August auswertete. Herstellerangaben nach schützt der Impfstoff auch nach sechs Monaten noch zu 93 Prozent vor einer Covid-19-Ansteckung.

Nach einem Jahr 36 Prozent weniger effektiv, aber ...

Jetzt hat Moderna eine Pressemitteilung veröffentlicht, wonach das Vakzin auch nach einem Jahr Infektionen noch sehr gut verhindern kann. Das Unternehmen stützt sich dabei auf eine Analyse der Daten, die aus der Nachbeobachtung der Phase 3 der Zulassungsstudie des Vakzins stammen. Dabei wurden Gruppen verglichen, die vor elf bis 13 Monaten beziehungsweise sechs bis acht Monaten geimpft wurden oder ein Placebo erhielten.

Demnach steckten sich 162 von 14.746 vor rund einem Jahr mit Moderna geimpfte Personen an, was rund 77 Fälle pro 1000 Personenjahre entspricht. Das sind rund doppelt so viele wie in der Gruppe, die das Vakzin erst vor sechs bis acht Monaten erhielten. Hier steckten sich 88 von 11.431 Personen an (49 Fälle pro 1000 Personenjahre).

... trotzdem nur sehr wenige Impfdurchbrüche

Daraus ergibt sich zwar eine um 36,4 Prozent gesunkene Effektivität. Allerdings betrug auch elf bis 13 Monate nach der Moderna-Impfung der Anteil der Durchbrüche lediglich 1,1 Prozent. Das heißt, unter 100 Geimpften gibt es nur eine Ansteckung.

Noch besser ist die Bilanz bei der Vermeidung von schweren Erkrankungen. Zwar gab es auch hier eine Verdoppelung, doch von den 14.746 Geimpften mussten nur 13 im Krankenhaus behandelt werden. Das sind gerade mal 0,09 Prozent.

Auffrischung "potenziell" nützlich

Moderna schreibt, die nachlassende Immunität bestätigte den potenziellen Nutzen einer Auffrischungsimpfung. Doch "potenzieller Nutzen" bedeutet nicht, dass eine Booster-Impfung nach einem Jahr auch tatsächlich notwendig ist. Solange es keinen weltweiten Überfluss an Covid-19-Impfstoffen gibt, gilt dies wohl nur für vulnerable Gruppen.

Der anhaltend starke Schutz vor einer Covid-19-Infektion ist eine gute Nachricht für Moderna-Geimpfte. Doch obwohl es sich auch um einen mRNA-Impfstoff handelt, ist das (noch nicht überprüfte) Studienergebnis nicht unbedingt auf das Biontech-Vakzin übertragbar.

Ergebnis nicht auf Biontech übertragbar

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Eine belgische Studie mit 1647 Mitarbeitern eines belgischen Klinikums ergab, dass die 688 mit dem Moderna-Wirkstoff geimpften Personen etwa doppelt so viele Antikörper gegen Sars-CoV-2 bildeten als die 959 Teilnehmer, die das Biontech-Vakzin bekommen hatten. Das Blut wurde den Probanden sechs bis acht Wochen nachdem sie die zweite Dosis erhalten hatten, entnommen.

Ob sich aus dem Unterschied eine längere Schutzdauer ergibt, müsse weiter untersucht werden, schreiben die belgischen Wissenschaftler. Grundsätzlich könne der höhere Antikörper-Spiegel darauf zurückzuführen sein, dass die Wirkstoff-Menge bei Moderna 100 Mikrogramm und bei Biontech nur 30 betrage. Möglicherweise sei es auch darauf zurückzuführen, dass zwischen den beiden Dosen bei Moderna vier und bei Biontech nur drei Wochen lagen.

Quelle: ntv.de

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