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Reaktion auf Klimawandel-Studie Ist Aufforstung doch nicht die Lösung?

Auswirkung Klimawandel auf den Wald: Stark geschädigte Bäume ragen in den Himmel. Foto: Andreas Arnold/dpa

Die Intensität von Waldbränden könnte sich durch eine zu hohe Aufforstung drastisch erhöhen, heißt es in dem Bericht.

(Foto: Andreas Arnold/dpa)

Das Pflanzen von Bäumen soll das wirksamste Mittel gegen den Klimawandel sein. Das bezweifeln Wissenschaftler der Leuphana-Universität Lüneburg. Sie warnen vor dramatischen Folgen einer zu massiven Aufforstung.

Der Klimawandel kann durch nichts so effektiv bekämpft werden wie durch Aufforstung - dieses Anfang Juli veröffentlichte Studienergebnis stößt auf Kritik anderer Forscher. Das Potenzial von Baumpflanzungen zur Eindämmung des Klimawandels sei in der Studie dramatisch überbewertet, heißt es von der Leuphana Universität Lüneburg. An der aktuellen Stellungnahme im Fachmagazin "Science" war auch die Leuphana-Forscherin Vicky Temperton beteiligt.

Das Pflanzen von Bäumen an falschen Orten könne sogar Ökosysteme zerstören, die Intensität von Waldbränden erhöhen und die globale Erwärmung verschärfen, erläutern Forscher um Temperton und Joseph Veldman von der Texas A&M University in den USA. Auch Wissenschaftler zahlreicher anderer Universitäten und Institute wie etwa der LMU München, der Uni Bonn und des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg äußern sich in "Science" kritisch zu der Studie.

Die Erde könne ein Drittel mehr Wälder vertragen, ohne dass Städte oder Agrarflächen beeinträchtigt würden. Das hatten Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich im Sommer in dem Fachmagazin geschrieben. Bäume zu pflanzen habe das Potenzial, zwei Drittel der bislang von Menschen verursachten klimaschädlichen CO2-Emissionen aufnehmen. Die neuen Wälder könnten demnach 205 Milliarden Tonnen Kohlenstoff speichern, wenn sie herangewachsen sind - etwa zwei Drittel der 300 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, die seit der Industriellen Revolution durch den Menschen in die Atmosphäre gelangten.

Der Wert von 205 Milliarden Tonnen Kohlenstoff sei viel zu hoch angesetzt, heißt es nun in dem kritischen Beitrag der Forscher um Veldman. Schwerwiegende Mängel hätten zu einer fünffachen Überschätzung des Potenzials neu gepflanzter Bäume für die Eindämmung des Klimawandels geführt. So werde in der Studie etwa davon ausgegangen, dass Böden in Ökosystemen ohne Bäume keinen Kohlenstoff enthalten - in vielen Lebensräumen wie Savannen und Torfmooren sei aber mehr Kohlenstoff im Boden gebunden als in der oberirdischen Vegetation. "Eine ökologische Sanierung könnte viel mehr zur natürlichen Klimalösungen beitragen, wenn wir uns nicht nur auf Wälder fokussieren, sondern uns auch um Grasland, Savannen, Buschland und Torfmoore kümmern", sagt Temperton.

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Quelle: n-tv.de, fge/dpa

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