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Test mit Hausmäusen gibt AntwortKlug oder stark? Wie Weibchen über Partner entscheiden

08.01.2026, 19:02 Uhr
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Bei Mäusen beobachteten Forscher, dass Attraktivität ganz unterschiedlich definiert sein kann. (Foto: picture alliance / blickwinkel/F. Hecker)

Warum bleiben in der Tierwelt kluge und weniger kluge Tiere einer Art gleichermaßen erfolgreich? Eine Studie an Mäusen zeigt, dass die Partnerwahl für eine Balance sorgt. Erfinderische Weibchen entscheiden sich dabei gezielt für körperlich starke Partner.

In der Natur gibt es bei verschiedenen Tierarten Individuen, die einfallsreich sind, während andere eher auf Kraft und Stärke setzen. Wieso setzt sich keines dieser Merkmale als erfolgreicher durch? Forschende am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie wollen auf dieses Rätsel nun eine Antwort gefunden haben: Bei Mäusen etwa bevorzugen Weibchen mal kluge, mal starke Männchen - abhängig davon, was bei ihnen selbst ausgeprägter ist.

Für ihre Studie untersuchten die Forschenden etwa 140 Hausmäuse über einen Zeitraum von sechs Monaten. Bei dem Versuch konnten die Tiere freiwillig verschiedene Aufgaben lösen, um an Futter zu gelangen. Allerdings nutzte nur ein Teil der Mäuse diese Möglichkeiten regelmäßig. Diese Exemplare wurden als besonders erfinderisch eingestuft.

Ungleiche Paare besonders häufig

Schließlich untersuchten die Forschenden, welche Tiere sich erfolgreich gepaart hatten. Das konnten sie mithilfe von Genanalysen der Nachkommen herausfinden. Der Vergleich mit einem Zufallsmodell zeigte ein klares Ergebnis: Paare aus erfinderischen und weniger erfinderischen Tieren kamen deutlich häufiger vor, als man erwarten würde.

Doch warum ist das so? Um das zu verstehen, machten die Forschenden einen Partnerwahltest. Sie ließen Weibchen zwischen zwei Männchen wählen: einem erfinderischen und einem weniger erfinderischen. Es stellte sich heraus, dass erfinderische Weibchen eher kräftige Männchen bevorzugten, auch wenn diese selbst nicht besonders gut im Problemlösen waren. Weniger erfinderische Weibchen entschieden sich dagegen häufiger für Männchen, die neue Aufgaben besonders geschickt lösten, unabhängig von deren Körpergröße.

Klug und stark ergänzen sich

Laut der Studie sind diese Entscheidungen nicht zufällig: Männchen, die häufig neue Lösungen fanden, waren im Durchschnitt leichter und weniger kräftig, schwerere Männchen hätten jedoch Vorteile in direkten Auseinandersetzungen. Erfindergeist und körperliche Stärke lassen sich offenbar nicht beliebig kombinieren, so die Forschenden. Aus diesem Grund könnten auch die unterschiedlichen Verhaltensweisen nebeneinander bestehen.

Die Autorinnen und Autoren machen damit deutlich, wie wichtig es ist, bei der Partnerwahl beide Seiten zu betrachten. Wer nur frage, ob erfinderische Männchen attraktiver sind, übersehe den entscheidenden Punkt: Welche Eigenschaften attraktiv seien, hänge davon ab, wer auswählt. Diese Einsicht eröffne neue Perspektiven auf die Rolle von Verhalten in der Evolution, so die Forschenden. Die Studie ist in der Fachzeitschrift "Current Biology" veröffentlicht worden.

Quelle: ntv.de, kst

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