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In der Glut des Südens Komet "Tschuri" lässt die Hüllen fallen

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Noch ist "Tschuris" südliche Hemisphäre unbeleuchtet. Doch in Kürze kommt der Sommer - mit Macht.

(Foto: DLR/ESA/Rosetta/NAVCAM - CC BY-SA IGO 3.0)

Sechseinhalb Jahre braucht "Tschuri", um einmal um die Sonne zu kreisen. Nun kommt er ihr näher und auf seiner südlichen Hemisphäre wird es heiß. So heiß, dass sich der Komet seiner obersten Schicht entledigt. Zumindest teilweise.

Noch ist die Südseite von Komet Tschurjumow-Gerasimenko, kurz "Tschuri", unbeleuchtet. Doch ab Mai herrscht dort Sommerhitze. Und dann wird der Komet auf seiner südlichen Hemisphäre einen großen Teil seiner obersten Schicht abstoßen. "Die Südseite, die zurzeit noch nicht von der Sonne angestrahlt und für die Wissenschaftler noch Neuland ist, wird in ihrem heißen Sommer bis zu 20 Meter ihrer obersten Schicht verlieren", sagt DLR-Forscher Stefano Mottola. "Auf der nördlichen Hemisphäre sieht das ganz anders aus: Dort werden bei einem Orbit um die Sonne nur die Bergspitzen und Klippen bis zu zehn Meter verlieren."

Dass "Tschuri" partiell die Hüllen fallen lässt, liegt an der intensiven Erwärmung, der er ausgesetzt ist, wenn er sich der Sonne nähert. Der Komet schleudert dann Gas und Material seines Kerns ins All. Sechs Jahre und fünf Monate benötigt "Tschuri", um einmal um die Sonne zu kreisen. So lange also dauert das Kometenjahr. Dabei ist "Tschuri" auf einer sehr elliptischen Bahn unterwegs, die ihn lange Zeit fern der Sonne reisen lässt.

Dieses und die starke Neigung seiner Rotationsachse um 53 Grad zur Bahn um die Sonne (die Erde ist lediglich um 23 Grad geneigt) sorgen dafür, dass die Jahreszeiten auf "Tschuris" Hemisphären deutlich, aber extrem unterschiedlich ausgeprägt sind: Während die nördliche Hemisphäre einen langen, aber nicht besonders intensiven Sommer hat, hält auf der südlichen Hemisphäre erst jetzt der Sommer Einzug - für nur zehn Monate, durch die große Sonnennähe aber besonders intensiv.

Wacht Philae wieder auf?

"Der Komet häutet sich quasi ständig und zeigt frisches, unverbrauchtes Material an seiner Oberfläche, das noch nicht durch die kosmische Strahlung gealtert ist", erklärt Ekkehard Kührt, der die wissenschaftlichen Beteiligungen des DLR an der Rosetta-Mission leitet. Sonde "Rosetta" und Landegerät "Philae" haben beste Sicht auf den Kometen, wenn er mehr und mehr zum Leben erwacht und Gas und Staub ins All stößt.

Für "Philae" ist der anstehende Sommer von Vorteil: Das Gerät kann dann an seinem Standort nahe des Kometen-Äquators Energie tanken und aus dem Winterschlaf erwachen. Ende März besteht die erste Möglichkeit, dass "Philae" sich meldet. Im Mai sind die Chancen am größten, dass das Lander Control Center des DLR wieder Kontakt mit zu dem Landeroboter aufnehmen kann. Dann lässt er sich vielleicht wieder kommandieren und kann weitere wertvolle Daten liefern.

Quelle: n-tv.de, asc

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