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Künstliche Wolken am Himmel Kondensstreifen heizen Erde zunehmend auf

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Unterschätzte Folgen für das Erdklima: Kondensstreifen verstärken die Wolkenbildung.

(Foto: picture alliance/dpa)

Immer mehr Menschen fliegen oder bestellen Luftfracht aus Übersee. Das starke Wachstum im Flugverkehr hinterlässt dabei nicht nur am Himmel weithin sichtbare Spuren. Einer neuen Studie zufolge richten Jets mit ihren Kondensstreifen mehr Schaden an als bislang bekannt.

Die Klimafolgen von Kondensstreifen am Himmel dürften sich nach Einschätzung von Fachleuten in den kommenden Jahren erheblich verstärken. Berechnungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zufolge dürften sich die Auswirkungen bis zum Jahr 2050 im Vergleich zu 2006 in etwa verdreifachen. Hauptursache dafür sei ein Anstieg des Flugverkehrs, fassen DLR-Forscherinnen im Fachjournal "Atmospheric Chemistry and Physics" Ergebnisse ihrer Arbeit zusammen.

Das Problem: Die Kondensstreifen der Fracht- und Passagierflugzeuge begünstigen die Bildung von Zirruswolken, die wiederum einen Teil der Sonneneinstrahlung abschirmen und so den Wärmehaushalt der Erde beeinflussen. Die künstlich erzeugte Bewölkung trägt nach Angaben der Forscherinnen in erheblichen Ausmaßen zur Erwärmung der Atmosphäre bei.

Die Auswirkungen der Kondensstreifen übersteigen dabei sogar die Effekte der durch Flugzeuge ausgestoßenen Treibhausgase: Die vom Menschen verursachten Zirruswolken hätten seit Beginn der Luftfahrt vor gut 100 Jahren mehr zur Klimaerwärmung beigetragen als sämtliche CO2-Emissionen der Flugzeuge, hieß es.

"Der Flugverkehr wächst extrem"

Da immer mehr Fracht und Passagiere über den Luftweg transportiert werden, dürfte sich die Klimawirkung der Kondensstreifen deutlich ausweiten - falls es nicht zu grundsätzlichen technischen Fortschritten kommt. Die Wissenschaftler gingen bei ihren Berechnungen von einer Vervierfachung des Luftverkehrs und einer Beibehaltung der bisherigen Antriebstechnik bis 2050 aus.

Dass der Klimaeffekt der Kondensstreifen in ihrem Berechnungsmodell hinter den Steigerungsraten im Flugverkehr zurückbleibe, liege an bestimmten Sättigungseffekten, erklärte Ulrike Burkhardt, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Lisa Bock die DLR-Studie verfasst hat. Schon 2005 machten die Gesamteffekte aus der Luftfahrt etwa fünf Prozent der weltweiten, vom Menschen verursachten Erwärmung aus. "Der Flugverkehr wächst extrem - man kann sich also vorstellen, dass diese Zahl zugenommen hat."

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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