Unternehmen meldet ErfolgKünstliches Ei soll ausgestorbenen Riesen-Vogel zurückbringen

Ein US-Unternehmen will einen ausgestorbenen, drei Meter hohen Vogel wieder zum Leben erwecken. Ein speziell entwickeltes Brutgerät soll das möglich machen - bei Tests mit Hühnerküken vermeldet das Unternehmen einen Erfolg. Doch die wissenschaftliche Gemeinschaft hat Zweifel.
Ausgestorbene Tiere, die wieder zum Leben erweckt werden - diesen Traum will das US-Unternehmen Colossal Biosciences wahr machen. Bis jetzt ist ihm dies jedoch nicht gelungen: Die angebliche Wiederbelebung des Schattenwolfs war laut Experten am Ende gar keine. Dennoch steckt das Unternehmen nicht auf und verkündet einen Fortschritt beim nächsten Projekt: der Wiedererweckung des ausgestorbenen neuseeländischen Riesenvogels Moa.
Das Problem beim Moa: Nicht nur das Tier selbst, sondern auch seine Eier waren riesig - ungefähr 80 Mal größer als Hühnereier und etwa 8 Mal größer als die eines Emus. Manche Moa-Arten erreichten eine Höhe von über dreieinhalb Metern und ein Gewicht von bis zu 250 Kilogramm. Daher konnte kein moderner Vogel als Leihmutter eingesetzt werden. Deswegen hat Colossal nach eigenen Angaben ein künstliches Ei entwickelt, in dem Moa-Küken heranwachsen sollen.
Dem Unternehmen ist es nach eigenen Angaben nun gelungen, bei einem Versuch erfolgreich 26 lebende Küken von Hühnern in dem künstlichen Ei auszubrüten. Die Vorrichtung besteht aus einer halbdurchlässigen Silikonmembran in einem starren, sechseckigen Stützbecher. Die Membran soll es ermöglichen, dass der Vogel-Embryo Sauerstoff erhält, wie bei einem echten Ei.
Ein kleines Sichtfenster oben am Becher erlaube es den Forschern sogar, dem Embryo bei der Entwicklung zuzuschauen, teilte Colossal mit. Die Größe des künstlichen Ei-Konstrukts soll sich skalieren lassen, sodass theoretisch vom Kolibri- bis zum Fußball-großen Moa-Ei alle Größen ausgebrütet werden können. Diese Entwicklung sei ein entscheidender Meilenstein für die Pläne zur Wiederbelebung des Moas, erklärte das Unternehmen.
Kritik an fehlender Veröffentlichung
Unabhängige Experten äußern sich jedoch kritisch zu den Neuigkeiten: Denn Colossal hat seine Ergebnisse nicht in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht, sondern - wie schon beim Schattenwolf - in einer Pressemitteilung. "Solange es keine von Fachkollegen begutachtete wissenschaftliche Arbeit gibt, könnte ich genauso gut einen Expertenkommentar zu einer Youtube-Werbung abgeben", sagte Louise Johnson, Evolutionsbiologin an der Universität Reading.
Etwas wohlwollender, aber ebenfalls mit Vorbehalten urteilte Carles Lalueza-Fox, Direktor des Naturwissenschaftlichen Museums Barcelona und Spezialist für die Gewinnung alter DNA. Die durchlässige Membran sei tatsächlich ein Novum und der bedeutendste Durchbruch des Projekts, so der Genetiker. Allerdings müsse das System für deutlich größere Embryonen wie den Moa noch erheblich weiterentwickelt werden - die Skalierbarkeit sei keineswegs bewiesen.