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Maria Reiche mit einem ihrer Fotos von einem Nazca-Bild.
Maria Reiche mit einem ihrer Fotos von einem Nazca-Bild.(Foto: imago/ZUMA/Keystone)
Dienstag, 15. Mai 2018

Wächterin der Nazca-Linien: Maria Reiche wird von Google geehrt

Sie wird als "Wächterin der Nazca-Linien" bezeichnet, bekam höchste internationale Auszeichnungen, und ihr Geburtstag ist in Peru offizieller Nationalfeiertag. Die Ausnahme-Wissenschaftlerin aus Deutschland fand in Peru ihre Bestimmung. Doch wer war Maria Reiche?

Die Nazca-Linien sind weltbekannt. Die Figuren und geometrischen Darstellungen stellen bis heute viele Fragen und gelten als großes Rätsel. Von diesen unscheinbaren Furchen im Sand war Maria Reiche besonders fasziniert. Die am 15. Mai 1903 in Dresden geborene Wissenschaftlerin reiste als 28-Jährige nach Peru und blieb bis zu ihrem Lebensende. Mehr als 40 Jahre widmete sie in außergewöhnlicher Art und Weise der Erforschung der Nazca-Linien.

Als Reiche 1932 nach Peru kam, hatte sie bereits ein Staatsexamen in Mathematik, Physik und Geografie, das sie an der Technischen Universität Dresden abgelegt hatte, in der Tasche. Sie wurde kurz nach ihrer Ankunft in dem südamerikanischen Land als Hauslehrerin beim Deutschen Konsul im peruanischen Cusco angestellt. Doch noch vor Ablauf ihres Vertrages kündigte Reiche ihre sichere Stelle, ging in die Hauptstadt Lima und damit in eine unsichere Zukunft. Hier hielt sie sich jahrelang mit verschiedenen Gelegenheitsarbeiten über Wasser. 1939 lernte sie Paul Kosok kennen und hörte wahrscheinlich von ihm zum ersten Mal von den 1924 zufällig entdeckten Nazca-Linien. Der US-amerikanische Wissenschaftler bat Reiche, ihn bei seiner Arbeit zu unterstützen und einige Messungen durchzuführen.

Die Nazca-Linien als Leidenschaft

Von diesem Zeitpunkt an zogen die mysteriösen Sandfurchen, die sogenannten Geoglyphen, die Mathematikerin und Geografin in ihren Bann. Ab 1946 machte sich Reiche selbständig an die Erforschung der Nazca-Linien. Sie vermaß bis in die 1960er-Jahre hinein ein Gebiet von rund 150 Quadratkilometern zu Fuß, fertigte Karten der Bodenzeichnungen an und überflog die spektakulären Zeichnungen mehrmals. Sie kam zu dem Schluss, dass die Bilder am besten aus einer Höhe von 100 bis 200 Metern zu überschauen seien.

Bekannt geworden ist die außergewöhnliche Frau durch eine geradezu halsbrecherische Aktion, als sie sich an die Kufen eines Helikopters binden ließ, um so bessere Luftaufnahmen von den Riesenbildern zu machen. Die Aufnahmen, die dabei entstanden, machten Maria Reiche, die damals 52 Jahre alt war, weltbekannt. Ihr war klar: "… wenn es gelingt, alle Maße in Zeitangaben zu übersetzen, können wir in der Pampa lesen wie in einem riesigen Geschichtsbuch". Alle Erkenntnisse, die sie bereits im Rollstuhl sitzend über die Nazca-Linien zusammentrug, fasste Reiche in dem Buch "Geheimnis der Wüste" zusammen, das 1968 veröffentlicht wurde. Zudem war sie maßgeblich am Schutz der Geoglyphen beteiligt. Sie setzte sich dafür ein, dass die Bodendenkmäler von Nazca und Pampa des Jumana in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen werden, was 1994 auch geschah.

Leben in einfachsten Verhältnissen

Reiche betonte 1975 gegenüber dem Schriftsteller Bruce Chatwin: "Wenn mein Vater nicht im Krieg gefallen wäre, wäre aus mir eine kleine, deutsche Spießbürgerin geworden." Mit dieser sehr persönlichen Reflexion fasste Reiche ihr Leben zusammen. Sie nahm für ihre Forschungen und die andere Art zu leben unsägliche Entbehrungen auf sich. Sie hielt monatelang die Einsamkeit in der peruanischen Steinwüste aus, lebte von der Hand in den Mund und war viele Jahre ganz und gar auf sich gestellt. Sie blieb Zeit ihres Lebens unverheiratet und lebte gemeinsam mit ihrer Partnerin Amy Meredith in Peru am Rande der Pampa Colorado in einer kleinen Hütte, die weder Elektrizität noch fließend Wasser hatte. Die Ausnahme-Wissenschaftlerin starb schließlich am 8. Juni 1998 im Alter von 95 Jahren in Lima.

Wegen ihres Engagements und ihrer Leidenschaft für die besonderen Furchen im Sand wird sie in Peru auch "Dama de Nazca", also "Dame von Nazca" genannt. Zudem erhielt sie eine Reihe von Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz erster Klasse und die höchste Auszeichnung Perus, den Sonnenorden. Google erinnert auf seiner Startseite anlässlich des 115. Geburtstages an die Wissenschaftlerin. In Peru wird der 15. Mai zu Ehren von Maria Reiche als Nationalfeiertag begangen.

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Quelle: n-tv.de