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Zeitgewinn für Transplantate Maschine hält Spenderleber länger am Leben

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Die neu entwickelte Perfusionsmaschine bei der Arbeit.

(Foto: USZ / Liver4Life)

Spenderorgane sind Mangelware. Die empfindlichen Körperteile müssen nach der Entnahme schnell eingesetzt werden. Um eine Leber außerhalb des Körpers länger am Leben zu halten, entwickeln Forscher aus der Schweiz einen Apparat, der auch bei der Regeneration beschädigter Organe helfen kann.

Eine Weltpremiere und ein Durchbruch in der Transplantationsmedizin ist laut Forschern aus Zürich ihre Erfindung. Die neu entwickelte Maschine kann eine Leber außerhalb des Körpers mindestens sieben Tage lang am Leben halten, berichtet das Universitätsspital Zürich in der Mitteilung. Bisher musste das Organ nach der Entnahme nach spätestens 24 Stunden implantiert werden. Durch den Zeitgewinn können nun auch mangelhafte Spenderlebern, die wegen Erkrankungen oder Verletzungen bisher abgelehnt worden sind, nun als Spenderorgane gerettet werden.

Eine Leber außerhalb des Körpers am Leben zu erhalten, gilt medizinisch als besonders anspruchsvoll. Sie ist als zentrales Stoffwechselorgan des Menschen ziemlich groß, hat einen hohen Energiebedarf und erledigt rund 5000 verschiedene Aufgaben im Körper. Die Stoffwechselprodukte, die dabei entstehen, werden mithilfe von sogenannten Makrophagen abgebaut und über Galle und Nieren ausgeschieden.

Die nun neu entwickelte Perfusionsmaschine imitiert diese Vorgänge im menschlichen Körper möglichst genau. In ihr ist eine Pumpe, die als Herzersatz dient, ein sogenannter Oxygenator ersetzt die Lungen und eine Dialyseeinheit die Nieren. Daneben übernehmen Hormon- und Nährstoffinfusionen die Funktionen des Darms und der Bauchspeicheldrüse. Zudem wird die Leber so wie im menschlichen Körper durch das Zwerchfell im Takt der Atmung bewegt. Die ausgeklügelte Technologie lässt sich bei Bedarf ferngesteuert betreiben. Sie bietet so einer menschlichen Leber optimale Bedingungen.

Erste Transplantation 2020 denkbar

"Der Erfolg unseres Perfusionssystems eröffnet viele neue Möglichkeiten, Spenderlebern außerhalb des Körpers zu überprüfen und zu behandeln und so den Patientinnen und Patienten mit schweren Leberkrankheiten zu helfen", fasst Professor Pierre-Alain Clavien, Direktor der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie am Universitätsspital Zürich und Co-Leiter des Projekts Liver4Life die Ergebnisse zusammen, die auch im Wissenschaftsjournal "Nature Biotechnologie" veröffentlicht wurden.

Die Forscher testeten ihre Maschine zuerst an rund 70 Schweinelebern. Danach wurden erste Experimente an menschlichen Organen durchgeführt. Insgesamt wurden zehn Organe, die aufgrund ihres Zustandes von den Transplantationszentren in der Schweiz und in Europa abgelehnt worden waren, mit dem neuen Verfahren behandelt. Alle Lebern waren zudem durch die konventionelle Kühlung, der Spenderorgane ausgesetzt werden, beschädigt.

Dem Forscherteam ist es gelungen, insgesamt sechs der zehn Lebern über eine Woche am Leben zu erhalten. Dabei kam es der Mitteilung der Forscher zufolge sogar dazu, dass diese Organe nach der Perfusion in der Maschine wieder eine hervorragende Funktionsfähigkeit aufwiesen. Die Forscher sind zuversichtlich, dass es noch 2020 zu einer Lebertransplantation kommt, die vorher mit dem neuen Verfahren behandelt wurde.

Quelle: ntv.de, jaz