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Überträger des Krim-Kongo-Virus Milder Winter begünstigt neue Riesenzecken

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Größenvergleich: Rechts die eingewanderte Hyalomma-Zecke, links der heimische Gemeine Holzbock.

(Foto: picture alliance/dpa)

Kalte Temperaturen sind schlecht für Zecken - doch mit den milder werdenden Wintern haben es die Parasiten in Deutschland leichter. Auch eingeschleppte tropische Riesenzecken überleben mittlerweile die kalte Jahreszeit. das ist ein Problem, denn sie können tödliche Erreger übertragen.

Der Winter in Deutschland wird spürbar milder. Laut dem Deutschen Wetterdienst lagen die Temperaturen im Januar 3,5 Grad über dem Mittelwert der Jahre 1981 bis 2010. Dauerhaften Frost gab es nur an einigen Tagen im Süden und in der Mitte des Landes. Das gibt Parasiten Auftrieb, für die der Winter in Mittel- und Nordeuropas zuvor eine tödliche Grenze darstellte: Riesenzecken der Gattung Hyalomma.

Die Hyalomma-Zecke stammt ursprünglich aus Nordafrika, Südeuropa und wärmeren Regionen Asiens. Und sie ist deutlich größer als der Gemeine Holzbock, die häufigste Zeckenart in Deutschland, erklärt der Jenaer Zeckenforscher Jochen Süss. Gut zu erkennen sind Hyalomma an ihrer Größe von bis zu zwei Zentimetern und ihren auffällig gestreiften Beinen. Sie seien auch wesentlich agiler und bewegten sich mit relativ hohem Tempo auf ihren Wirt zu, erklärt der Wissenschaftler.

Diese Zecken seien schon in der Vergangenheit durch Vögel eingeschleppt worden, hätten dann aber den Winter nicht überlebt, sagt Süss. Das habe sich durch die milde Witterung infolge des Klimawandels geändert. "Jetzt schafft sie es, auch in Deutschland ihren natürlichen Zyklus vom Ei über die Larve und Nymphe hin zum erwachsenen Tier zu durchlaufen", so der Forscher. Die tropische Riesenzecke hat sich also in Deutschland niedergelassen - unklar ist laut Robert-Koch-Institut jedoch, ob die im Winter überlebenden Tiere ausreichen, um langfristig eine eigene Population in Deutschland aufzubauen.

Das wäre eine schlechte Nachricht - denn der eingewanderte Parasit ist potenzieller Überträger des gefährlichen Krim-Kongo-Fieber-Virus. Die Infektion ruft eine Erkrankung hervor, die häufig als sogenanntes hämorrhagisches Fieber verläuft. Frühe Symptome sind hohes Fieber sowie Kopf- und Muskelschmerzen. Nach zwei bis vier Tagen treten Blutungen auf - etwa Blut in Urin und Stuhl, in der Haut sowie Nasen- und Zahnfleischbluten.

Kein Impfstoff gegen Krim-Kongo-Virus

Und im Gegensatz zur Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine andere in Deutschland durch Zecken übertragbare Infektionskrankheit, gibt es gegen das Krim-Kongo-Fieber keine Impfung. In Deutschland wurden bisher allerdings nur vereinzelte eingeschleppte Krim-Kongo-Fieber-Fälle nach Reisen bekannt. Vermutlich gab es in Deutschland im vergangenen Jahr jedoch die erste Infektion mit Fleckfieber nach dem Biss einer Hyalomma-Zecke.

Die Riesenzecke wurde bereits in vielen Teilen Deutschlands nachgewiesen. Nach einem Aufruf des Robert-Koch-Instituts wurden im Jahr 2018 insgesamt 19 Exemplare aus acht Bundesländern übermittelt - im Jahr 2019 waren es fünf Funde in den Bundesländern Berlin, Baden-Württemberg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. In keiner dieser Zecken konnte allerdings das Krim-Kongo-Virus nachgewiesen werden.

Aber auch den heimischen Zeckenarten kommt der milde Winter entgegen. Dauerte die Zeckensaison früher von etwa März bis Ende Oktober, so sind die Spinnentiere inzwischen ganzjährig aktiv, sagt Zeckenforscher Süss. "Bei Bodentemperaturen ab sieben Grad marschieren sie los." Für FSME-Risikogebiete wird eine Schutzimpfung empfohlen. Neben der durch Viren ausgelösten FSME übertragen die heimischen Zeckenarten aber auch Borreliose - gegen diese bakterielle Infektionskrankheit gibt es ebenfalls keinen zugelassenen Impfstoff.

Quelle: ntv.de, kst/dpa