Große regionale Unterschiede Millionen Kinder verlieren durch Corona Angehörige
25.02.2022, 06:41 Uhr
Immer noch werden jeden Tag Menschen begraben, die an Corona gestorben sind.
(Foto: REUTERS)
Die Zahl der Corona-Toten weltweit steigt noch immer jeden Tag. Und jeder dieser Menschen hat Angehörige. Eine Studie zeigt nun, dass allein die Zahl der betroffenen Minderjährigen die der Toten schon überschritten hat.
Mindestens 5,2 Millionen Kinder und Jugendliche haben einer Studie zufolge weltweit bis zum vergangenen Herbst im Zusammenhang mit der Pandemie einen Elternteil oder Sorgeberechtigten verloren. Damit übersteigt ihre Zahl, die in dem 20-monatigen Untersuchungszeitraum verzeichneten fünf Millionen Corona-Todesfälle. Dies zeigt eine Untersuchung internationaler Forscherteams verschiedener Universitäten, die ihre Ergebnisse im Fachmagazin "Lancet Child Adolescent Health" veröffentlichten. Die Forschenden hatten den Zeitraum vom Beginn der Pandemie im März 2020 bis Oktober 2021 untersucht.
Das bedeutet, dass auf jeden Corona-Todesfall mehr als ein Kind unter 18 Jahren kommt, das einen Elternteil oder Sorgeberechtigten verloren hat. Für ihre Auswertung bezogen sich die unter anderem am Londoner Imperial College tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf verfügbare offizielle Daten zu den in den jeweiligen Nationen verzeichneten Corona-Todesfällen sowie zur Übersterblichkeit. Auf dieser Basis stellten sie dann Modellierungen an. Die genannten Zahlen könnten den Forschern zufolge auch noch rückwirkend ansteigen, wenn sich die Datenqualität verbessert.
In vielen Regionen wird mit einer extrem hohen Dunkelziffer gerechnet. Zwei von drei Minderjährigen, die in der Pandemie einen Elternteil oder eine sorgeberechtigte Person verloren, waren im Alter von 10 bis 17 Jahren. Außerdem wird aus den Daten sehr deutlich, dass Männer häufiger an Covid-19 gestorben sind als Frauen: Drei von vier betroffenen Kindern und Jugendlichen haben ihren Vater verloren.
Spezielle Programme nötig
Überdies zeigten sich enorme regionale Unterschiede: Während in Indien in dem Zeitraum rund 1,9 Millionen Kinder einen Verlust erlitten und in Mexiko 192.000, waren es in Deutschland lediglich 2400. 1800 davon verloren ihren Vater, 600 die Mutter. Allerdings sind die Zahlen wegen unterschiedlicher Erhebungsmethoden und der unterschiedlichen Bevölkerungsgröße kaum international vergleichbar.
Die Forscher sprechen sich auf Basis ihrer Auswertung dafür aus, die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen, die Eltern oder enge Bezugspersonen verloren haben, stärker politisch zu berücksichtigen. So müssten entsprechende Programme geschaffen werden, die auf ihre speziellen Erfahrungen eingehen. Insbesondere bei Jugendlichen bestehe ansonsten ein erhöhtes Risiko für psychische und körperliche Erkrankung, negative Auswirkungen auf die Bildung oder ihre Bindung zur Familie.
Quelle: ntv.de, sba/dpa