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Propeller statt DüsenjetMit der Super Tucano bekämpfte Kabul die Taliban

02.06.2026, 16:46 Uhr
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Eine Super Tucano der afghanischen Nationalarmee im Jahr 2017. (Foto: imago/ZUMA Press)

Die brasilianische Super Tucano kostet nur ein Zehntel eines F-35-Kampfjets und fliegt mit Propeller statt Düse. In Kolumbien hilft das Kampfflugzeug, die FARC-Guerilla zu zerschlagen. In Afghanistan kann die Maschine den Sieg der Taliban am Ende jedoch nicht verhindern.

Im Kampf gegen die Taliban hatte die afghanische Nationalarmee (ANA) lange ein Ass im Ärmel. Denn ab 2015 erhielt die Islamische Republik mehr als ein Dutzend Kampfflugzeuge vom Typ Embraer EMB 314 Super Tucano, auch bekannt als A-29. Finanziert wurden die Maschinen vom Pentagon, das auch die Ausbildung der afghanischen Piloten übernahm. Für die radikalislamische Terrorgruppe, die über keine Luftwaffe und moderne Flugabwehr verfügte, war das Flugzeug des brasilianischen Herstellers Embraer ein ernst zu nehmender Gegner.

Bei der Super Tucano (Deutsch: Super-Tukan) handelt es sich um ein leichtes Erdkampfflugzeug, das seit 2003 gebaut wird. Der Erstflug erfolgte am 2. Juni 1999. Mit ihrem Turboprop-Antrieb und dem Propeller sieht die Super Tucano für den Laien aus wie ein Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Maschine ist speziell für Konflikte mit niedriger Intensität konstruiert. Anders als ein Mehrzweckkampfflugzeug wurde die A-29 nicht primär für den Luftkampf gegen andere Kampfjets gebaut. Sie vereint einfache Wartung, geringe Betriebskosten und minimale Anforderungen an das Rollfeld mit Eigenschaften wie einer langen Flugdauer und einer hohen Waffenlast.

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Während ein moderner Kampfjet wegen seiner begrenzten Flugzeit nicht auf Abruf in der Luft bleiben kann, ist das für die A-29 durchaus möglich. Ohne externe Zusatztanks liegt die maximale Flugdauer je nach Intensität zwischen drei und sechs Stunden. Gleichzeitig ist die A-29 wie ein moderner Jet ausgestattet. Sie kann zum Beispiel nachts starten, landen und Bodeneinsätze fliegen. Weil Tarnkappenfähigkeiten und herausragende Flugeigenschaften keine Rolle spielen, trägt die A-29 ihre Waffen an Gondeln außenbords.

Die einmotorige Maschine hat ähnlich wie ein Kampfhubschrauber eine zweiköpfige Besatzung. Mit einer Länge von 11,30 Metern und einer Spannweite von 11,14 Metern ist es ein relativ kleines Flugzeug. Sie kommt allerdings nicht über 590 Kilometer pro Stunde hinaus. Zudem ist sie vergleichsweise günstig: Der Systempreis liegt zwischen 20 und 30 Millionen US-Dollar, eine Einsatzstunde schlägt mit etwa 1000 Dollar zu Buche. Zum Vergleich: Ein moderner F-35-Kampfjet kostet zwischen 82 und 102 Millionen Dollar, eine Einsatzstunde zwischen 34.000 und 42.000 Dollar.

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Die Waffenlast ist mit 1550 Kilogramm begrenzt. Durch das Gondelsystem kann die Super Tucano je nach Auftrag zahlreiche verschiedene Waffen mit sich führen, wie etwa Luft-Boden-Raketen. In Afghanistan kamen unter anderem lasergeführte Bomben zum Einsatz. Fest installiert in den Flügeln sind zwei 12,7-Millimeter-Maschinengewehre. In einem Behälter können zwei 20-Millimeter-Maschinenkanonen mitgeführt werden.

Die Super Tucano hat sich über die Jahre zu einem echten Verkaufsschlager entwickelt. Zu den mehr als 20 Abnehmern gehören Länder wie Nigeria, Mali, Portugal, Indonesien, Kolumbien und die Philippinen. Die USA haben zeitweise erwogen, eine größere Flotte anzuschaffen, den Plan aber wieder verworfen. Allerdings beschafft Washington die Maschine für Verbündete.

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Eine Super Tucano der indonesischen Luftwaffe vor dem Start. (Foto: IMAGO/Dreamstime)

Für Aufsehen sorgte der Einsatz der Super Tucano in Kolumbien. Ab 2007 setzte die kolumbianische Luftwaffe die Maschine gegen die Farc-Guerilla ein. Mit lasergelenkten Bomben töteten die Flugzeuge zwischen 2008 und 2011 mehrere hochrangige Befehlshaber, darunter Vizekommandant Raúl Reyes, Militärchef "Mono Jojoy" und schließlich Farc-Chef Alfonso Cano. Die Regierung in Bogota bezeichnete die Luftüberlegenheit durch die A-29 als entscheidenden Faktor im Kampf gegen die Rebellen.

Neben den genannten Vorzügen gibt es allerdings auch einen gewaltigen Nachteil des Flugzeugs. Es lässt sich nur bei einem sehr ungleichen Kräfteverhältnis mit Erfolg einsetzen. Gegen einen Gegner mit moderner Luftwaffe wäre die Propellermaschine chancenlos. Auch Aufständische mit tragbaren Abwehrraketen (Manpads) würden der Super Tucano wohl gewaltig zusetzen.

In Afghanistan konnte am Ende auch die A-29 die Machtübernahme der Taliban nicht verhindern. Einige der afghanischen Piloten flohen im August 2021 mit ihren Maschinen in Nachbarländer wie Tadschikistan. Berichten zufolge konnten die Taliban mindestens eine A-29 auf dem Flughafen Kabul sicherstellen.

Quelle: ntv.de, jpe/kra

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