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Spektakel am Nachthimmel Mond steht kurz vor Jahrhundert-Finsternis

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Dunkelrot leuchtet der Vollmond bei einer totalen Finsternis.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es ist ein astronomisches Ereignis der Superlative: Am Freitag ist die längste Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts über Deutschland zu sehen. Der dann dunkelrot schimmernde Erdtrabant befindet sich zudem in einer besonderen Konstellation.

Ein Spektakel der besonderen Art wird sich am morgigen Freitag, den 27. Juli an Deutschlands Nachthimmel abspielen. Um 21.30 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit wird der Mond vom Kernschatten der Erde verdeckt und leuchtet in fahlem Rot. Mit einer Dauer von 103 Minuten wird es die längste Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts sein. Bis 23.13 Uhr hält in Deutschland die Phase der totalen Verdunkelung an (siehe Infobox).

Mondfinsternis am 27. Juli 2018

19.13 Uhr: Eintritt in Halbschatten der Erde

20.24 Uhr: Eintritt in Kernschatten der Erde

20.48 Uhr: Mondaufgang München

20.57 Uhr: Mondaufgang Berlin

21.07 Uhr: Mondaufgang Frankfurt a. M.

21.30 Uhr: Beginn der Totalität     

22.22 Uhr: Maximale Verfinsterung

23.13 Uhr: Ende der Totalität

00.19 Uhr: Mond hat Kernschatten verlassen

01.30 Uhr: Mond hat Halbschatten verlassen

Und der rötliche Mond befindet sich in einer besonderen Konstellation: Ganz in seiner Nähe leuchtet in dieser Nacht der ebenfalls rote Mars am Firmament. "Zwei rot leuchtende Körper am Himmel, das wird sicher ein ziemlich toller Anblick", sagt Tim Florian Horn, Direktor des Zeiss-Großplanetariums in Berlin, n-tv.de. Der Grund für das Rendezvous: "An diesem Abend befindet sich der Mars in Opposition", erklärt Horn. "Das heißt, Sonne, Erde und Mars bilden genau eine Linie. Wenn die Sonne untergeht, erscheint der Mars am Himmel."

Zudem erreicht der Mars fast seine größtmögliche Helligkeit - und leuchtet damit sogar stärker als der Jupiter. Dies liege an der dann besonders großen Nähe des Mars zur Erde, erklärt Horn. "Vier Tage später kommt es zur größten Annäherung zwischen Erde und Mars. Es sind dann nur 57,6 Millionen Kilometer."

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Marsopposition: Der rote Nachbar liegt am 27. Juli 2018 mit Erde und Sonne auf einer Linie. Im Perihel ist der Mars der Sonne am nächsten, im Aphel liegt er auf seiner elliptischen Bahn am weitesten von der Sonne entfernt.

(Foto: DLR)

Rot statt schwarz

Aber warum wird der verfinsterte Mond plötzlich rot? "Normalerweise müsste etwas, was im Schatten steht, schwarz sein. So kennen wir das", sagt Horn. Doch die Atmosphäre der Erde wirkt wie ein Prisma - sie bricht das Sonnenlicht in alle Farben des Regenbogens. Das langwellige rote Licht wird dabei so stark gebeugt, dass es in den Schattenbereich der Erde fällt und den Mond rötlich einfärbt. "Je dreckiger die Erdatmosphäre, durch Vulkanausbrüche oder anderes, desto dunkler ist die Mondfinsternis. Ein guter Indikator für den Zustand der Erdatmosphäre", sagt Horn.

Gleichzeitig dauert die Phase der Verdunkelung fast maximal lange - ein ebenfalls seltenes Ereignis. Hauptgrund dafür ist, dass der Mond zentral durch den Kernschatten der Erde läuft, die sogenannte Umbra. Dieser Schattenbereich ist derzeit zudem besonders groß, da die Erde sich auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne an ihrem sonnenfernsten Punkt befindet. Ein weiterer günstiger Aspekt ist, dass der Mond sich derzeit in der Nähe seines erdfernsten Punktes befindet und dadurch sehr klein am Himmel erscheint.

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Tiefer Stand: Während der Phase seiner totalen Verdunkelung hat der Mond noch lange nicht seinen höchsten Punkt am Himmel erreicht.

(Foto: DLR)

Bei schönem Wetter überall zu sehen

Wie sieht es mit der Sichtbarkeit aus? Bei klarem Himmel kann die Mondfinsternis von jedem Ort in Deutschland aus beobachtet werden. "Im Unterschied zu einer Sonnenfinsternis, bei der man auf wenige Kilometer genau sein muss, um die Totalität zu sehen, ist das beim Mond entspannter", so Horn. Dennoch sei das Ereignis je nach Standort länger und höher am Himmel zu verfolgen. "Je südöstlicher man sich aufhält, desto mehr bekommt man von der Mondfinsternis mit." Auf Sylt etwa ist die Totalität beim Aufgang des Mondes schon erreicht. In Berchtesgaden hingegen ist der Mond fast eine Stunde früher zu sehen.

Doch auch das Wetter muss mitspielen, allerdings stehen die Chancen dafür laut n-tv Meteorologe Björn Alexander hierzulande gut bis sehr gut. "In Deutschland sind vielerorts wahrscheinlich nur harmlose hohe Wolkenfelder unterwegs", sagt Alexander. "Und auch die Reisenden beispielsweise am Mittelmeer können sich oftmals auf gute Bedingungen einstellen." Tagsüber seien zwar zum Teil noch Schauer und Gewitter unterwegs. "Die klingen aber abends und nachts mehrheitlich ab und der Himmel ist dann meistens nur locker bewölkt oder klar."

"Ideal auf Madagaskar"

Neben dem Vorteil von oft klarem Himmel bringt eine sommerliche Mondfinsternis aber auch einige Nachteile mit sich: Von der Nordhalbkugel der Erde aus gesehen steigt der Mond bei einer Finsternis nicht besonders hoch über den Horizont. Bis zum Ende der Totalität um 23.13 Uhr wird der Erdtrabant nie höher als 14 Grad am Südost-Horizont erscheinen. In der Stadt können hohe Gebäude bereits die Sicht auf das Spektakel verdecken, auf dem Land Hügel oder Bäume. Zudem macht die lange sommerliche Dämmerung die Beobachtung schwer, da der schwach leuchtende Mond nur schwer zu sehen ist.

Was die Höhe des Mondes am Horizont betrifft gilt ebenfalls: je südöstlicher, desto besser. "Ideal Bedingungen herrschen etwa auf Madagaskar", sagt Planetariumsdirektor Horn. Dort steht der verdunkelte Mond hoch oben am Nachthimmel. Pech hingegen haben alle, die gerade in Nordamerika im Urlaub sind - bis auf Teile von Neufundland wird dort von der Mondfinsternis nichts zu sehen sein.

Quelle: n-tv.de