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Tödliches Bad in der Ostsee Müssen Badegäste Angst vor Vibrionen haben?

Die Meldung vom Tod einer Frau durch Bakterien aus der Ostsee verunsichert vor allem Badegäste an der Küste. Doch wie gefährlich ist das Bad im erwärmten Meer? Und wer sollte jetzt lieber darauf verzichten?

Die Schlagzeilen von fleischfressenden Bakterien in der Ostsee, die zum Tod einer Frau geführt haben, machen Angst. Vor allem Ostseeurlauber und Badegäste sind verunsichert. Dabei gehören die sogenannten Vibrionen zur Flora salzhaltiger Meere dazu. Die Stäbchenbakterien, die vor allem im Boden leben, ruhen dort die meiste Zeit. Ändern sich jedoch die Bedingungen in ihrem  Lebensraum, wie beispielsweise durch den Anstieg der Wassertemperaturen auf über 20 Grad Celsius, vermehren sie sich sprunghaft. Dann können sie zu gefährlichen Krankheitserregern für Menschen mit geschwächtem Immunsystem, offenen Wunden oder Diabetes mellitus werden. Als offene Wunden gelten auch frische oder noch nicht vollständig verheilte Tätowierungen.

Derzeit seien fünf Menschen nach dem Bad in der Ostsee mit Vibrionen infiziert, erklärt Heiko Will vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock. Will warnt gleichzeitig vor Panikmache. Um klar zu machen, wie selten eine Erkrankung mit Vibrionen ist, liefert der Vertreter der Behörde Zahlen: In den vergangenen 16 Jahren habe das Lagus insgesamt 52 Fälle von Vibrionen-Erkrankungen registriert. Acht davon seien tödlich verlaufen. Die Zahl der Badegäste schätze er für denselben Zeitraum auf 60 bis 80 Millionen. Dennoch häufen sich in den letzten Jahren die Infektionsfälle. Der Klimawandel mit immer höheren Temperaturen könnte im Zusammenhang damit stehen.

Drei verschiedene Erregertypen

Insgesamt sind drei verschiedene Arten von Vibrionen bekannt, mit denen sich Menschen infizieren können: Neben dem Choleraerreger Vibrio cholerae gibt es Vibrio parahaemolyticus, der sich im Darm ansiedelt, und Vibrio vulnificus, der sich sowohl im Darm breitmachen kann als auch über offene Wunden in den Körper eindringt und sich dort vermehrt. Wunden, die mit Vibrio vulnificus infiziert sind, werden zu großen Geschwulsten, die größere chirurgische Eingriffe, manchmal sogar Amputationen nötig machen. Die Bakterien können im schlimmsten Fall in den Blutkreislauf gelangen und zu einer Blutvergiftung führen.

Mediziner wissen, dass Vibrionen vor allem für Diabetiker, Menschen mit Leber- oder Krebserkrankungen und ältere immungeschwächte Menschen gefährlich werden können. Professor Gregor Rothe vom Marien Krankenhaus in Hamburg erklärt den Sendern n-tv und RTL, dass die Stäbchenbakterien nicht immer über offene Wunden, sondern auch über das Verschlucken von Meerwasser in den Körper gelangen können. Dann lösen sie Erbrechen und Durchfallerkrankungen aus.

Vibrionen auch in Meeresfrüchten

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Miesmuscheln müssen lange genug gegart werden.

Auch wer nicht in der Ostsee baden geht, kann sich mit Vibrionen infizieren. Denn in Meerestieren wie Miesmuscheln oder Austern können sich die Bakterien ebenso ansiedeln und durch den Verzehr zum Gesundheitsrisiko werden. Austern, die roh gegessen werden, sollten deshalb nur in Monaten konsumiert werden, die mit einem "R" enden, also nicht von März bis August. Miesmuscheln und andere Meeresfrüchte, auch tiefgekühlte, sollten vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang bei mindestens 65 Grad Celsius Kerntemperatur gegart werden. Im Wok beispielsweise werden die Meeresfrüchte meistens nicht lange genug erhitzt.

Der alten Redewendung "Salzwasser heilt Wunden" sollte man derzeit lieber keinen Glauben schenken. Wer gar nicht auf die Abkühlung in der Ostsee verzichten will, kann seine Wunden mit einem wasserfesten Pflaster schützen. Ein geringes Restrisiko bleibt jedoch auch dann.

Quelle: n-tv.de, jaz

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