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Nach USA, Russland und China Nächste Mondnation steht vor der Landung

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Indien ist ein Land voller Gegensätze - und will nun zur Mondnation aufsteigen.

(Foto: imago images / Hindustan Times)

Der Aufstieg neuer globaler Mächte zeigt sich auch im All: Indien ist auf gutem Weg, zur mittlerweile vierten Mondnation zu werden - die indische Mission "Chandrayaan-2" steht kurz vor der Landung auf dem Erdtrabanten. Aber was sucht der Subkontinent auf dem Mond?

Indien ist ein Land der Extreme. Auf der einen Seite herrscht in vielen Landesteilen noch große Armut. Auf der anderen Seite verfolgt die Milliarden-Nation ein ambitioniertes Raumfahrtprogramm, das jenes der Europäer in den Schatten zu stellen droht. Ihren vorläufigen Höhepunkt finden die indischen Ambitionen mit der Mondmission "Chandrayaan-2", deren Landeeinheit am Freitagabend auf dem Mond aufsetzen soll. Indien wird bei einem Erfolg in den illustren Kreis der Weltraum-Supermächte aufsteigen.

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Der erfolgreiche Start der Chandrayaan-2-Mission am 22. Juli 2019.

(Foto: picture alliance/dpa)

Gelingt die Landung von "Chandrayaan-2" ("Chandrayaan" bedeutet auf Sanskrit Mondfahrzeug), wäre Indien erst die vierte Nation, der eine weiche Landung auf dem Mond glückt. Wie schwierig es ist, eine erfolgreiche Weltraumnation zu sein, zeigte jüngst erst das Beispiel Israels. Das kleine Land versuchte sich im April ebenfalls mit einer Mondlandung seiner Sonde "Beresheet". Doch die Mission scheiterte - die Sonde zerschellte an der Oberfläche des Mondes.

Nun will es Indien besser machen. Bereits vor sechs Wochen war die 142 Millionen Dollar (rund 126 Millionen Euro) teure Mission "Chandrayaan-2" zum Mond gestartet. Am 20. August schwenkte sie in eine Mondumlaufbahn ein, Lander "Vikram" (Tapferkeit) löste sich Anfang September von seinem Mutterschiff und soll laut der indischen Raumfahrtbehörde Isro am Abend zwischen 22 und 23 Uhr deutscher Zeit auf der Oberfläche des Mondes landen.

Wassersuche am Südpol

Als Landeort wurde eine besondere Region des Mondes ausgewählt, die in den vergangenen Jahren verstärkte Aufmerksamkeit von Forschern und Regierungen erhielt: der Südpol des Mondes. Denn dort werden Wasservorkommen vermutet. An Bord der Landes ist auch ein Rover namens "Pragyan" (Weisheit), dessen wohl spannendster Aufgabe lautet: Wasser suchen. Zudem soll die Region kartiert werden. Das Roboterfahrzeug soll dafür rund 500 Meter auf der Oberfläche zurücklegen. Rund 14 Tage hat es Zeit - dann beginnt die Mondnacht und die Solarzellen von "Pragyan" bekommen kein Sonnenlicht mehr.

In derselben Region des Mondes war Anfang 2019 schon die chinesische Sonde "Chang'e 4" gelandet. Die Suche nach Wasser ist ein wesentlicher Bestandteil der langfristigen Strategien der Mondnationen - denn nur Wasservorkommen könnten dauerhaft bewohnte Mondstationen auf dem Erdtrabanten ermöglichen. Auch könnte das Mondwasser mithilfe etwa großer Solaranlagen in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten werden - möglicher Treibstoff zum Beispiel für Missionen zum Mars, dem Asteroidengürtel oder noch weiter ins Sonnensystem.

Sollte Indien nun fündig werden, würde dies der Mond-Erforschung aller Nationen zugutekommen. Bereits die indische Vorgängermission "Chandrayaan-1" hatte im Jahr 2010 eine wichtige Entdeckung gemacht: Sie fand Hinweise auf mehr als eine halbe Milliarde Tonnen Wasser am Nordpol des Mondes. Die Sonde war 2008 gestartet und hatte den Mond umkreist, ohne auf ihm zu landen.

USA wollen wieder auf dem Mond landen

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Mit seiner Mondmission beteiligt sich Indien auch an einem neuen Wettlauf zum Erdtrabanten. Die Weltraum-Supermacht USA will bis 2024 mit Astronauten auf den Mond zurückkehren. China hatte im Januar 2019 als erstes Land eine Sonde auf die erdabgewandte Seite des Mondes gebracht. Außerdem plant die Volksrepublik binnen eines Jahrzehnts bemannte Missionen auf den Mond sowie eine Raumstation auf dem Erdtrabanten.

Für Indien ist der nächste große Schritt jedoch zunächst eine erste bemannte Raummission. Regierungschef Narendra Modi hatte angekündigt, dass seinem Land dies bis 2022 gelingen soll. Davor will der Subkontinent weitere unbemannte Missionen zur Erforschung des Sonnensystems wagen: In der ersten Hälfte 2020 soll ein Satellit in Sonnennähe gebracht werden und dort auf einer Umlaufbahn die sogenannte Korona, die Sonnenatmosphäre, erforschen. In zwei bis drei Jahren soll zudem eine Mission zur Untersuchung des Planeten Venus an den Start gehen. Zum Mars hat Indien bereits eine Sonde geschickt - "Mangalyaan" erreichte den roten Planeten im Herbst 2014 und umkreist ihn bis heute.

Quelle: n-tv.de