Neue Daten aus den USAMikroplastik auffällig häufig in Prostatakrebs-Tumoren gefunden

Winzige Kunststoffpartikel sind längst im menschlichen Körper angekommen. Eine neue Studie findet sie nun in auffällig hoher Konzentration in Prostatakrebs-Tumoren. Das Forschungsteam hat einen beunruhigenden Verdacht.
Mikroplastik ist längst nicht mehr nur ein Umweltproblem. Die winzigen Kunststoffpartikel wurden bereits in Luft, Wasser und Lebensmitteln nachgewiesen - und auch im menschlichen Körper. Nun deutet eine neue Pilotstudie darauf hin, dass sich Mikroplastik besonders häufig in Prostatakrebs-Tumoren findet.
Ein Forschungsteam um die Urologin Stacy Loeb von der New York University (NYU) untersuchte Gewebeproben von zehn zufällig ausgewählten Patienten, denen wegen Prostatakrebs die Prostata entfernt worden war. Die Ergebnisse stellte das Team auf dem Genitourinary Cancers Symposium der American Society of Clinical Oncology vor. Ziel der Studie war es, Mikroplastik im Tumorgewebe nachzuweisen und Menge, Zusammensetzung sowie Struktur der Partikel zu analysieren. Als Vergleich diente jeweils umliegendes gesundes Prostatagewebe derselben Patienten.
Um Verunreinigungen durch Plastik aus medizinischen Instrumenten oder Laborgeräten auszuschließen, arbeiteten die Forschenden ausschließlich mit Materialien wie Aluminium und Baumwolle. Die Proben wurden zudem in speziell eingerichteten Reinräumen verarbeitet, die für Mikroplastik-Analysen ausgelegt sind.
Neun von zehn Tumoren betroffen
Das Ergebnis: In neun der zehn untersuchten Tumorproben fand das Team Mikroplastik. Im gesunden Vergleichsgewebe war es lediglich in 70 Prozent der Proben nachweisbar. Noch deutlicher wird der Unterschied bei der Konzentration: Die Krebstumoren enthielten im Schnitt 40 Mikrogramm Plastik pro Gramm Gewebe - zweieinhalb Mal so viel wie das gesunde Prostatagewebe mit 16 Mikrogramm pro Gramm.
Die Befunde legen dem Forschungsteam zufolge einen möglichen Zusammenhang nahe. "Unsere Pilotstudie liefert wichtige Hinweise darauf, dass Mikroplastikexposition ein Risikofaktor für Prostatakrebs sein könnte", sagte Loeb bei der Präsentation der Daten. Denkbar sei etwa, dass die Partikel chronische Entzündungen oder Immunreaktionen im Gewebe auslösen, die langfristig Zellschäden begünstigen.
Erste Hinweise, aber noch keine Beweise
Noch handelt es sich um eine kleine Untersuchung mit lediglich zehn Patienten. Ob Mikroplastik tatsächlich zur Krebsentstehung beiträgt oder sich womöglich bevorzugt in bereits verändertem Gewebe anreichert, ist weiterhin offen. Das Team plant daher weiterführende Studien - unter anderem an Zellkulturen und in Tiermodellen -, um die biologischen Mechanismen genauer zu untersuchen.
Seniorautor Vittorio Albergamo von der NYU Grossman School of Medicine sieht dennoch Handlungsbedarf: "Unsere Ergebnisse zeigen eine weitere potenzielle Gesundheitsgefahr durch Plastik auf und unterstreichen die Notwendigkeit strengerer gesetzlicher Maßnahmen, um die Belastung durch diese allgegenwärtigen Stoffe zu verringern."