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Ohne Einsatz von Plastik Neue Schutzschicht hält Früchte länger frisch

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Wenn man schafft, das Wachstum von bestimmten Mikroorganismen zu hemmen, dann bleiben Avocados länger genießbar.

(Foto: imago images/Shotshop)

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Auch durch die Verpackungen von Obst und Gemüse wird massenhaft Plastikmüll produziert. Mit einem neu entwickelten Verfahren einer plastikfreien Beschichtung könnte das Frischhalteproblem in Zukunft gelöst werden. Bei Avocados funktioniert es schon.

Eine umweltfreundliche, kunststofffreie Ummantelung kann Obst und Gemüse wie zum Beispiel Avocados länger frisch halten. Dazu werden auf die Lebensmittel feine Fäden aus Pullulan aufgetragen, das aus Zuckermolekülen besteht und essbar ist. Das Pullulan wird dabei mit natürlichen Substanzen angereichert, die gegen Mikroorganismen wirksam sind, wie eine Gruppe um Philip Demokritou und Kevin Kit Parker von der US-amerikanischen Harvard University im Fachblatt "Nature Food" schreibt.

In Versuchen hielten sich Avocados, die auf diese Weise verpackt waren, wesentlich länger als unverpackte Früchte. So wiesen nach sieben Tagen Lagerung bei 22 Grad Celsius 90 Prozent der unbehandelten Früchte sichtbar vergammelte Stellen auf, bei den ummantelten Exemplaren waren es nur die Hälfte. Pullulan kann den Forschern zufolge problemlos abgewaschen werden und wird in der Erde in drei Tagen abgebaut.

Plastikfreie Alternativen sind dringend nötig

Bisher sind es hauptsächlich Verpackungen aus Kunststoffen auf Erdölbasis, die für das Frischhalten von Obst und Gemüse verwendet werden. Weil solches Plastik jedoch in der Natur nicht abgebaut wird, ist mittlerweile ein großes Umweltproblem entstanden. "Wir wussten, dass wir die erdölbasierten Lebensmittelverpackungen, die es da draußen gibt, loswerden und durch etwas Nachhaltigeres, biologisch Abbaubares und Ungiftiges ersetzen mussten", wird Demokritou in einer Mitteilung der Rutgers University in New Brunswick (New Jersey, USA) zitiert, wo Demokritou ebenfalls tätig ist.

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Die Forscher versetzten das in Wasser gelöste Zuckerpolymer Pullulan, das beispielsweise auch für Arzneimittel-Kapseln eingesetzt wird, mit Thymianöl, Zitronensäure und Nisin, ein natürliches, von Milchsäurebakterien produziertes Antibiotikum. Alle drei Stoffe sind wirksam gegen Mikroorganismen, wie die Bakterien Escherichia coli und Listeria innocua sowie den Schimmelpilz Aspergillus fumigatus. Diese kommen natürlicherweise auf den Schalen von Obst und Gemüse vor und sind wesentlich dafür verantwortlich, dass frische Lebensmittel verrotten. Indem das Wachstum der Mikroorganismen gehemmt wird, bleiben ummantelte Lebensmittel länger genießbar.

Zum Auftragen auf die Früchte nutzten die Wissenschaftler ein spezielles Verfahren, bei dem ein föhnähnlicher Apparat das in Wasser gelöste Pullulan mit den antimikrobiellen Substanzen erhitzt. Das Wasser verdampft weitgehend und das Pullulan wird in winzigen Fäden aus dem Apparat ausgeschieden und wickelt sich um die Frucht. Das dauert zurzeit zwei bis vier Minuten. Die Kosten geben die Forscher mit wenigen Cent pro Frucht an. Verbesserungen sind aber noch möglich. "Ich bin nicht gegen Plastik, aber ich bin gegen erdölbasierte Kunststoffe, die wir immer wieder wegwerfen, weil nur ein winziger Teil davon recycelt werden kann", sagt Demokritou.

Quelle: ntv.de, Stefan Parsch, dpa

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