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Schwindel und Geschmacksverlust Neuro-Symptome viel häufiger als gedacht

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Unter Kopfschmerzen leiden mehr als 37 Prozent der Covid-19-Patienten.

(Foto: imago images/Panthermedia)

Viele Covid-19-Patienten leiden auch unter neurologischen Symptomen. Bisher war jedoch nicht klar, wie viele Menschen genau davon betroffen sind. Nun liefern Forscher eine Reihe von Zahlen und ein Ranking dieser neurologischen Krankheitszeichen.

Von Kopfschmerzen über Geruchsverlust bis hin zu schwerwiegenden Gehirnschädigungen können die neurologischen Symptome bei einer Covid-19-Erkrankung reichen. Wie häufige diese sind und wen sie betreffen, wollte das Forscherteam um Eric Liotta herausfinden. Dafür werteten die Forschenden der University of Chicago die Krankheitsverläufe von insgesamt 509 Patienten aus zehn Kliniken in Chicago aus. Es handelte sich um 281 Männer und 228 Frauen im Alter zwischen 16 und 58 Jahren. Alle Patienten mussten im Frühjahr 2020 wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden. Insgesamt wurden 134 Patienten während der Behandlung mechanisch beatmet.

Den Daten zufolge litten schon zu Beginn der Erkrankung 42,2 Prozent der Patienten unter neurologischen Symptomen. Zum Zeitpunkt der Krankenhauseinweisung lag der Anteil der Betroffenen bereits bei 62,7 Prozent. Im Verlauf der Erkrankung stieg dieser Anteil noch einmal auf 82,3 Prozent an. Insgesamt hatten 419 der 509 Patienten neurologische Symptome. Doch der Anteil könnte noch höher liegen, schreiben die Forscher zu den Ergebnissen, die im Fachmagazin "Annals of Clinical and Translation Neurology" veröffentlicht wurden. Es könnte nämlich sein, dass der Fokus der Ärzte bei der Behandlung älterer Covid-19-Patienten möglicherweise auf anderen gesundheitlichen Problemen lag und deshalb leichte neurologische Symptome nicht dokumentiert wurden.

Vor allem Muskel- und Kopfschmerzen

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Den Angaben zufolge litt der größte Anteil der Patienten (44,8 Prozent) unter Muskelschmerzen, bei 37,7 Prozent traten Kopfschmerzen auf und bei 31,8 Prozent sahen die Forscher eine krankhafte Schädigung des Gehirns, was in der Fachsprache unter dem Begriff Enzephalopathie zusammengefasst wird. Diese Gehirnschädigungen sahen die Forscher vor allem bei Patienten, die einen schweren Covid-19-Verlauf hatten. Zu Schwindelgefühlen kam es bei 29,7 Prozent, zu Störungen des Geschmacks bei 15,9 Prozent und des Geruchs bei 11,4 Prozent. Darüber hinaus wurde häufig über Müdigkeit berichtet. Bei 79,4 Prozent hielt diese die gesamte Krankheit hindurch an, 42,9 Prozent der Patienten berichteten vor allem zu Beginn von Covid-19 darüber.

Es sei von zentraler Bedeutung, dass Covid-19-Patienten auch neurologisch betreut werden, wird Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V. von der Deutschen Schlaganfall-Hilfe zu dem Thema zitiert. Berlit, der nicht an der Studie, aber an der Ausarbeitung einer Behandlungsleitlinie für Patienten mit Sars-CoV-2-Infektion und neurologischen Symptomen beteiligt war, ergänzt: "Covid-19-Patienten mit neurologischen Beschwerden sind Notfallpatienten; werden sie nicht rechtzeitig versorgt, drohen schlechte Behandlungsergebnisse und Spätfolgen."

Quelle: ntv.de, jaz