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Schnelles Netz für Astronauten Nokia bringt LTE auf den Mond

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Schon Ende 2022 soll die Basisstation aufgebaut sein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Raumfahrt träumt vom Mars, doch das kommende Jahrzehnt gehört dem Mond. Dafür soll unter anderem ein alter Bekannter den Mobilfunkstandard LTE auf dem Erdtrabanten einrichten. Wie funktioniert das?

2024 sollen erstmals nach mehr als 50 Jahren wieder Menschen auf dem Mond landen. Gut möglich, dass die Astronauten dann ein besseres Mobilfunknetz haben als manche Bürger in den blinden Flecken Deutschlands. Während manche Regionen immer noch über schlechten Handyempfang klagen und LTE dort drei Buchstaben, aber kein Standard sind, gibt es bald womöglich ruckelfreie Skype-Schalten vom Mond zur Erde. "Die Nasa will diesmal nicht nur kurz vorbeischauen. Die Nasa will dauerhaft bleiben und hat Nokia damit beauftragt, ein LTE-Netz aufzubauen", erklärt Oliver Angerer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt im ntv-Podcast "Wieder was gelernt".

"Mit einem LTE-Netzwerk wäre man viel flexibler, was verschiedenste Anwendungen betrifft", sagt der Fachprogrammleiter für Exploration im Raumfahrtmanagement. Demnach könnte das Mobilfunknetz nicht nur dafür sorgen, dass gestochen scharfe Bilder die Erde erreichen, sondern auch die Mondforschung extrem vereinfachen.

Hardware muss besonders resistent sein

"Nokia kooperiert für das LTE-Netzwerk mit Intuitive Machines, und diese Firma hatte vorgeschlagen, einen kleinen Hopper zu entwickeln. Ein kleines Gerät, das mit Raketenantrieb gewisse Sprünge auf dem Mond machen kann, um größere Distanzen leichter zu überbrücken, als es mit einem Roboter möglich ist", berichtet Angerer und frohlockt: Ein solcher Mond-Hopper könnte "mit dem LTE-Netzwerk von der Erde aus in Echtzeit navigiert werden".

Der Plan von Nasa und Nokia sieht vor, dass die Basisstation für das schnelle Netz Ende 2022 aufgebaut ist. Die Konfiguration soll vollautomatisch ablaufen. Die eigentliche Herausforderung seien der Transport und die schwierigen Bedingungen auf dem Mond, erklärt Angerer. "Irgendetwas auf dem Mond zu machen, ist immer eine Herausforderung." Es gehe darum, eine sehr bewährte Technologie "fit" für den Weltraum zu machen. Die Hardware müsse so aufgebaut sein, dass sie "den Start übersteht" und auch "unter Vakuum-Bedingungen funktioniert".

Weil der Mond weder Atmosphäre noch Magnetfeld besitzt, wäre die Hardware vor Ort zudem großer Strahlung ausgesetzt. Auch die extremen Temperaturschwankungen sind eine große Herausforderung. Alle Bauteile müssen aus diesem Grund deutlich resistenter sein als auf der Erde. Oliver Angerer ist aber optimistisch, dass all diese Probleme gelöst werden können. Der Mond steht nach Jahren des Desinteresses wieder im Fokus der internationalen Raumfahrt. Immer mehr private Unternehmen drängen auf den Markt und bringen neues Weltraum-Know-How in Umlauf. "Man kann wirklich sagen, dass der Mond gerade wieder eine Hochzeit des Interesses erfährt. Es wird sich in den nächsten Jahren sehr viel tun. Das fängt bei robotischen Missionen an und geht bis hin zur astronautischen Exploration."

Mond-Pläne sind "robust" - trotz Trump-Niederlage

Wenn der kommende US-Präsident Joe Biden ähnlich Mond-interessiert ist wie sein Vorgänger: Der Plan, bis 2024 wieder Astronauten auf den Erdtrabanten zu bringen, war ein Plan der Trump-Regierung. Ob die neue Administration daran festhält, ist fraglich. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zuletzt berichtet, Biden wolle die Internationale Raumstation ISS länger finanzieren - darunter könnte das Mondprojekt womöglich leiden.

Eine Anpassung des Zeitplans kann sich Oliver Angerer gut vorstellen, eine komplette Abkehr vom Trump-Kurs erwartet er aber nicht. "Es gibt viele internationale Übereinkünfte. So etwas ist normalerweise ein Zeichen dafür, dass diese Programme relativ robust sind." Das trifft zum Beispiel auf die Entwicklung der Orion-Kapsel zu, die die Astronauten über den niedrigen Erdorbit hinaus bringen soll. "Da spielt das europäische Servicemodul, wo die Triebwerke und die Versorgung und verschiedene andere Systeme beheimatet sind, eine große Rolle."

Auch die geplante Mond-Gateway, eine Art Raumstation, die sich auf einer Umlaufbahn in Mondnähe befinden soll, ist kein allein amerikanisches Projekt. Aus gutem Grund, denn der Mond ist und bleibt hochspannend für die Forschung, macht Oliver Angerer deutlich: "Zum einen als Schlüssel zum Sonnensystem, weil man über die Beobachtungen am Mond Schlussfolgerungen ziehen kann für die Entwicklung von anderen Himmelskörpern."

Darüber hinaus könne man den Erdtrabanten als "achten Kontinent" bezeichnen. "Womit man ausdrücken will, dass die Entwicklungen von Erde und Mond sehr eng miteinander verknüpft sind." Je mehr man über die Entwicklung des Mondes herausfinde, desto besser verstehe man auch die Erde, ergänzt der DLR-Experte. "Wir sollten uns den Mond als Plattform für die Wissenschaft nutzbar machen."

Das geplante LTE-Netz dürfte nur der Anfang sein für ein neues Mond-Zeitalter. Bleibt zu hoffen, dass wir beim Blick in den Himmel nicht den flächendeckenden Ausbau am Boden vergessen.

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Quelle: ntv.de