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Hilfe für Autisten? Oktopus wird auf Ecstasy sozialer

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Oktopusse wehren sich mit dem Ausstoß von Tinte gegen Fressfeinde.

(Foto: imago/imagebroker)

Kraken sind bizarre Meerestiere. Sie sind intelligent, Einzelgänger und dem Menschen eher fremd. Dennoch werden sie von Forschern als Versuchstiere eingesetzt. Denn in einem Punkt sind sie Menschen ähnlicher als gedacht.

Achtarmige Kraken gelten als höchst intelligente Tiere. Sie können mit ihren Armen Flaschen öffnen, um an Nahrung zu kommen und sich farblich an ihre Umgebung anpassen. Gleichzeitig sind die Tiere Einzelgänger. Treffen sie in Freiheit auf Artgenossen, dann entweder, um sich zu paaren oder zu bekriegen. Ansonsten vermeiden viele Arten den Kontakt zu Tieren der gleichen Art. Wie Kraken reagieren, wenn sie in Wasser gesetzt werden, das mit der Partydroge Ecstasy angereichert ist, wollten Forscher nun wissen.

Für ihre Untersuchungen setzte das Team um die Neuroforscherin Gül Dölen und den Meeresbiologen und Tintenfischexperten Eric Edsinger mehrere Exemplare der Kalifornischen Zweipunktkraken zusammen in ein Becken.

Star-Wars-Figuren im Becken

Dieses bestand aus drei Abschnitten. Der erste war leer, im zweiten lagen zwei Star-Wars-Figuren und im dritten ein zweiter Krake. Dieser saß unter einem umgedrehten Blumentopf. So konnten sich die beiden Tiere zwar wahrnehmen, jedoch nicht verletzten. Im ersten Teil des Versuchs entschieden sich die Kraken für den Bereich mit den Star-Wars-Figuren. Setzten die Forscher dem Wasser jedoch Ecstasy zu, dann entschieden sich die als asozial geltenden Tiere für den Abschnitt mit dem Artgenossen. Manche umarmten sogar den Blumentopf, unter dem der Artgenosse saß.

Die Partydroge, die bei Menschen Angst und Hemmungen reduziert und gleichzeitig Empathie erzeugt, scheint bei Oktopussen ähnliche Wirkungen zu erzeugen. Oktopusse scheinen im Ecstasy-Wasser sozialer zu werden. "Obwohl Kraken aussehen, als kämen sie aus dem Weltraum, unterscheiden sie sich eigentlich nicht von uns", sagt Dölen über ihre Ergebnisse. Die Forscher sind sich sicher, dass Menschen und Kraken in bestimmten Bereichen Parallelen aufweisen. So haben die Wissenschaftler nach der Sequenzierung des vollständigen Genoms eines Oktopusses erkannt, dass sich auch bei den Meeresbewohnern der Botenstoff Serotonin an Gehirnzellen bindet. Dieser Vorgang verläuft bei Menschen und bei Kraken nahezu identisch. Der Botenstoff wird mit guter Stimmung beziehungsweise bei Mangel mit Depressionen in Verbindung gebracht.

Die Forscher, die ihre Ergebnisse im Fachmagazin "Current Biology" veröffentlicht haben, gehen davon aus, dass sich ihre Erkenntnisse auch auf die therapeutische Gabe von Ecstasy (auch MDMA) anwenden lässt. Konkret sollen Menschen mit Autismus mit Ecstasy behandelt werden. Erste Versuche dazu laufen bereits.

Quelle: n-tv.de, jaz

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