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Mitteleuropa statt Asien Palmen wachsen nun auch in unseren Breiten

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Hanfpalmen in einem Laubwald im Tessin.

(Foto: Brigitte Marazzi/dpa)

Eigentlich stammt die Hanfpalme aus Asien. Sie schlägt mittlerweile aber auch mitten in Europa Wurzeln: In Österreich, der Schweiz und auch in Deutschland wurden verwilderte Exemplare entdeckt. Und das ist erst der Anfang einer Entwicklung - die romantischer klingt, als sie tatsächlich ist.

Palmen wachsen nicht mehr nur in südlichen Breiten, sondern inzwischen auch in Mitteleuropa. Forscher haben in Österreich verwilderte Exemplare der aus China stammenden Hanfpalme entdeckt. "Es ist der Beginn einer vermutlich weiter fortschreitenden Ausbreitung - vorausgesetzt, die Winter bleiben mild oder werden noch milder", erläutert der Ökologe Franz Essl von der Universität Wien die Ergebnisse seiner Studie, die er im Fachjournal "BioInvasions Records" vorstellt. Die Entwicklung stehe eindeutig im Zusammenhang mit dem Klimawandel.

Es handelt sich demnach um den ersten Nachweis der Hanfpalme (Trachycarpus fortunei) in Österreich. Weitere Vorkommen gebe es in Südtirol und im Tessin in der Schweiz, wo verwilderte Exemplare auf der Südseite der Alpen schon in Wälder eindringen, schreibt Essl. Auch in Deutschland seien Vorkommen bei Mainz bereits beschrieben worden, sagt er, ebenso im Elsass.

Temperaturen nicht unter 15 Grad

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Bisher handelt es sich bei den Hanfpalmen noch um kleine Vorkommen.

(Foto: Brigitte Marazzi)

Essl beschreibt in seiner Studie sechs Palmen-Standorte in Österreich, vorwiegend in der Hauptstadt Wien. Die Pflanzen finden dort demnach ein mildes Klima vor: Infolge des Klimawandels seien seit 2010 in der Innenstadt die Winter-Tiefsttemperaturen nicht unter minus 15 Grad gefallen. Solchen Frost könnten Hanfpalmen überstehen. Auch in Luftenberg in Oberösterreich sowie im niederösterreichischen Bad Deutsch-Altenburg wurden schon Palmen gesichtet.

Der Studie zufolge handelt es sich bislang noch um kleine Vorkommen. An den sechs Standorten seien jeweils Jungpflanzen dokumentiert worden. "Das sind noch keine Bäume", erläutert Essl. Die Palmen seien nicht etwa aus ihrer asiatischen Heimat eingewandert, sondern seien quasi ausgebüxt. Es handele sich um verwilderte Exemplare von Hanfpalmen, die als Ziergewächse in Gärten oder Töpfen angepflanzt wurden. "Die Palmen können sich bei uns reproduzieren. Wenn ihre Samen dann an geeignete Standorte gelangen, können sie mittlerweile auch keimen und überwintern", sagt Essl.

Er schreibt: "Angesichts dessen, dass sich der ausgeprägte Trend zur Erwärmung der letzten beiden Jahrzehnte in Mitteleuropa höchstwahrscheinlich fortsetzt, ist anzunehmen, dass Trachycarpus fortunei in Österreich (und darüber hinaus) häufiger wird, Populationen länger leben und mehr natürliche Standorte besiedeln werden."

Bislang gab es zwei wilde Palmenarten in Europa. Diese kommen nur im Mittelmeerraum vor, in Spanien, Italien und Griechenland.

Potenzielle Bedrohung für heimische Arten

Auch wenn der Anblick vielleicht schön ist - exotische Pflanzen wie Hanfpalmen sind eine potenzielle Bedrohung für die heimische Flora und Fauna. Mit dem Klimawandel wachse die Gefahr, dass sich mediterrane und subtropische Gewächse ausbreiten und heimische Arten verdrängen, sagte Biologieprofessor Mark van Kleunen von der Universität Konstanz schon 2015 in einer Studie, die in der Fachzeitschrift "Nature" vorgestellt wurde.

Nicht alle Neophyten - Pflanzen, die sich auf fremdem Boden etabliert haben - verdrängten die heimische Flora, sagte van Kleunen. Einige potenziell problematische Arten hätten sich bisher auch kaum verbreitet. Doch sie könnten einen plötzlichen Boom erleben, wenn sich die Lebensbedingungen zu ihren Gunsten ändern - etwa, wenn die Sommer heißer und die Winter milder werden. Dies gelte unter anderem für einige Gartenpflanzen aus mediterranen und subtropischen Zonen, sagte der Biologe.

Quelle: n-tv.de, abe/dpa

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