Wissen

Wegen Corona deutlich schneller Pharmabranche: Impfstoff bis Jahresende

131679346.jpg

Nahaufnahme: Eine Zelle (grün) ist mit dem Coronavirus (gelb) infiziert.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ohne Impfstoff kann das Coronavirus nicht vollends eingedämmt werden. Deshalb läuft die Entwicklung bei den Pharmaunternehmen derzeit auf Hochtouren. Ein Branchenvertreter ist sich sicher: Viel schneller als üblich kann mit einem Mittel gerechnet werden.

Pharmaindustrie und Arzneimittelbehörden haben ihre Arbeitsabläufe angesichts der Covid-19-Krise erheblich beschleunigt. Was sonst Monate oder Jahre brauche, werde nun binnen weniger Wochen erledigt, sagten Branchenvertreter bei einer Veranstaltung des Verbandes EFPIA. Bis zum Ende des Jahres könne man deshalb mit Impfstoffen gegen Sars-CoV-2 rechnen, erklärte Paul Stoffels von Johnson & Johnson und dessen Konzernteil Janssen Pharmaceutica.

Die Entwicklung eines Ebola-Impfstoffs habe nur sechs Monate gedauert, weil man auf Erfahrungen aus früheren Forschungen habe zurückgreifen können. "Jetzt sind wir noch weiter", sagte Stoffels. Bei der Entwicklung von Impfstoffen sei die Sicherheit besonders wichtig, weil damit viele Menschen geimpft würden. Eine weitere Herausforderung sei die Produktion in enormen Mengen. Derzeit werde an "mindestens 45" Impfstoff-Kandidaten gegen das neue Coronavirus gearbeitet. "Wir sind nicht die einzigen", sagte Stoffels. Das sei auch gut so, weil man vorab nicht sicher sein könne, ob eine Entwicklung auch tatsächlich wirken werde.

Der Industrievertreter lobte die Zusammenarbeit mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und anderen Institutionen: "Es ist toll, wie die Aufsichtsbehörden mit uns arbeiten." Die enge Kooperation zwischen Entwicklern und Aufsichtsbehörden hob auch Alan Morrison vom US-Pharmariesen Merck Sharp & Dohme (MSD) hervor. Stoffels erklärte, neben Impfstoffen würden auch Corona-Tests mit Hochdruck entwickelt und vorhandene Medikamente auf ihre Tauglichkeit für die Covid-19-Behandlung untersucht.

Simon White vom Pharmaunternehmen Pfizer sagte, die Krise stelle auch die Herstellung und Lieferung anderer Medikamente auf eine harte Probe. Man habe mancherorts sicherstellen müssen, dass Arbeitnehmer als Grenzgänger überhaupt zur Arbeit kommen konnten. Lieferungen hätten an den Grenzen festgesteckt. Auch Exportbeschränkungen innerhalb der EU seien eine Hürde gewesen, so White.

Quelle: ntv.de, ibu/dpa