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Die Dosis macht das Gift. Das gilt auch für Salz.
Die Dosis macht das Gift. Das gilt auch für Salz.(Foto: imago/CHROMORANGE)
Freitag, 17. November 2017

Immunsystem verschluckt sich: Salz verdrängt wichtige Darmbakterien

Salz ist ein wichtiger Bestandteil der Nahrung. Da es auch das Geschmackserleben beeinflusst, essen die meisten Menschen zu viel davon. Das hat negative Auswirkungen auf Bakterien im Darm und das Immunsystem, wie Forscher seit Neuestem wissen.

Zu viel Kochsalz im Essen ist ungesund. Es kann Bluthochdruck fördern und das Risiko, an Diabetes zu erkranken, erhöhen. Was es im Darm anrichtet und welchen Einfluss es auf das Immunsystem hat, haben Forscher des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft nun getestet.

Es zeigte sich, dass die Zahl bestimmter Milchsäurebakterien im Darm der Tiere, sogenannter Laktobazillen, durch zu viel Kochsalz sank, was wiederum Auswirkungen auf eine bestimmte Art der Immunzellen, sogenannter Th17-Helferzellen, hat, die für Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose verantwortlich gemacht werden.

Die Forscher testeten daraufhin, wie sich die Gabe von probiotischen Laktobazillen zu einer salzreichen Ernährung auswirkt. Es zeigte sich, dass die Zahl der TH17-Helferzellen und gleichzeitig der Blutdruck der Tiere sank. Darüber hinaus besserten sich auch die neurologischen Symptome, die bei Mäusen mit einem Krankheitsmodell für die Multiple Sklerose beobachtet wurden.

Erste Untersuchungen am Menschen

Neben den Untersuchungen an Mäusen überprüften die Forscher die Bakteriengemeinschaft im Verdauungstrakt von zwölf gesunden Männern, welche 14 Tage lang sechs zusätzliche Gramm Kochsalz täglich erhielten. Da die Probanden ihre normalen Essgewohnheiten ansonsten beibehielten, verdoppelten sie damit in etwa ihre tägliche Salzzufuhr. Auch bei den Probanden reagierten die Darmbakterien der Gattung Lactobacillus empfindlich. Die meisten waren nach 14 Tagen erhöhter Salzaufnahme nicht mehr nachweisbar. Gleichzeitig stiegen der Blutdruck und die Zahl der Th17-Helferzellen im Blut an. 

Die Forscher konnten mit diesen Ergebnissen zeigen, dass das Mikrobiom, also die Zusammensetzung der Bakterien im Darm, ein bedeutender Faktor für durch Salz beeinflusste Erkrankungen ist. Sie sehen ein therapeutisches Potenzial in Laktobazillus-Probiotika. Die therapeutische Wirksamkeit von Laktobazillen, die vor allem in fermentierten Speisen wie Sauerkraut, Joghurt oder Käse zu finden sind, ist mit den neuen Ergebnissen allerdings noch nicht bewiesen. Ob man Multiple Sklerose und Bluthochdruck mit individuell angepassten Probiotika tatsächlich behandeln kann, muss durch weitere Untersuchungen geklärt werden.

Geplant ist eine Blutdruck-Studie am Berliner Experimental and Clinical Research Center mit einer großen Zahl an Frauen und Männern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachjournal "Nature".

Quelle: n-tv.de