Sanitärprobleme auf MondflugKurz nach Start fällt die Toilette in der Orion-Kapsel aus

Für die vierköpfige Crew der "Artemis 2"-Mission beginnt die Reise zum Mond mit einer unangenehmen Störung: Ein Fehler legt die komplette Sanitäranlage lahm. Die Reparatur aus der Ferne könnte laut Nasa-Managern mehrere Stunden in Anspruch nehmen.
Auf dem Weg zum Mond hat die Besatzung der Mission "Artemis 2" ein ungewöhnliches Problem gemeldet: Die Toilette an Bord der Orion-Kapsel streikte kurz nach dem Start. "Die Toilette hat sich von selbst abgeschaltet, und eine blinkende orange Warnleuchte leuchtet", berichtete Astronautin Christina Koch der Missionskontrolle in Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida..
Für die Crew bedeutete das zunächst eine Rückkehr zu improvisierten Lösungen: Die Raumfahrer sollten vorübergehend ein tragbares System aus Beutel und Trichter nutzen. Parallel arbeitete das Team am Boden an einer Lösung. Laut Nasa-Manager Amit Kshatriya handelte es sich um ein "Controller-Problem", dessen Behebung mehrere Stunden in Anspruch nehmen könne, berichtet die "New York Times".
Erste "richtige" Toilette auf Mondmission
Der Defekt trifft ein Sanitärsystem, das eigentlich für mehr Komfort sorgen sollte. Denn erstmals verfügt eine Mission ins sogenannte "Deep Space" über eine vollwertige Toilette. Während der Apollo-Flüge in den 1960er- und 1970er-Jahren mussten Astronauten noch auf einfache Abfallbeutel zurückgreifen - eine Lösung, die alles andere als angenehm oder bequem war.
Die neue Anlage in der Orion-Kapsel ist technisch deutlich ausgefeilter. Sie verfügt über eine Tür für Privatsphäre und nutzt ein Luftstromsystem, um Ausscheidungen gezielt abzusaugen und Gerüche zu reduzieren. "Wir haben das Glück, eine Toilette mit Tür zu haben - der einzige Ort, an dem man für einen Moment allein sein kann", sagte Astronaut Jeremy Hansen vor Missionsstart in einem Video.
Die Nutzung der Toilette im All bleibt dennoch anspruchsvoll. In der Schwerelosigkeit gibt es keine Schwerkraft, die Abfälle nach unten zieht. Stattdessen müssen sich die Astronauten mit Haltegriffen und Fußschlaufen stabilisieren. "Man muss sehr vorsichtig sein", erklärte Orion-Managerin Branelle Rodriguez im Nasa-Podcast laut "New York Times".
Das System trennt flüssige und feste Abfälle: Urin wird über einen Schlauch mit Trichter aufgefangen und später ins All abgegeben. Feste Stoffe werden in speziellen Behältern gesammelt, die Gerüche und Gase filtern.
Weitere Zwischenfälle an Bord
Neben dem Toilettenproblem kam es auch kurzzeitig zu einer Störung der Kommunikation. Beim Wechsel zwischen Satelliten konnten die Astronauten zwar die Bodenstation hören, umgekehrt war dies jedoch nicht möglich. Das Problem wurde laut Nasa jedoch schnell behoben.
Die Mission "Artemis 2" markiert einen historischen Schritt: Erstmals seit 1972 sind wieder Menschen auf dem Weg zum Mond. Die vierköpfige Crew soll den Erdtrabanten umrunden und zur Erde zurückkehren. Langfristig plant die Nasa den Aufbau einer dauerhaften Mondstation - als Ausgangspunkt für spätere Missionen zum Mars.
Die aktuellen Zwischenfälle zeigen jedoch: Auch mehr als 50 Jahre nach den Apollo-Missionen bleibt Raumfahrt eine technische Herausforderung - selbst bei scheinbar alltäglichen Dingen wie dem Gang zur Toilette.