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Fast 170 Jahre lang verschollen Schiffswrack der HMS Terror aufgestöbert

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Die Zeichnung von Kapitän George Back zeigt die HMS Terror, die im Eis feststeckt.

(Foto: wikipedia/gemeinfrei)

Er wollte mit 128 Mann und zwei Schiffen die Nordwestpassage finden - und scheiterte kläglich. Wie genau die Polarexpedition von John Franklin endete, blieb fast 170 Jahre ungewiss. Nun finden Forscher das Wrack des zweiten Schiffes und wahrscheinlich Antworten.

Mit einem hehren Ziel, zwei Schiffen und 128 Mann Besatzung machte sich der britische Polarforscher und Marineoffizier Sir John Franklin im Mai 1845 im Auftrag der Königin Victoria auf den Weg, um die Nordwestpassage, einen strategisch wichtigen Seeweg zwischen Europa und Asien, ausfindig zu machen. Die Expedition endete in einer Katastrophe und sollte die letzte Reise des Polarforschers und seiner Besatzung sein. Alle Such- und Rettungsaktionen scheiterten. Die gesamte Crew und ihre Schiffe blieben verschollen und gaben Experten Rätsel auf.

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Das Sonar-Bild zeigt das Wrack der HMS Erebus.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bis 2014 ein Suchtrupp der kanadischen Regierung das Wrack der HMS Erebus in einem südlichen Arm der Nordwestpassage entdeckte. Das Schiff lag auf dem Meeresgrund in der Queen Maud Bay und damit sehr viel weiter südlich als bisher erwartet.

Wrack ist gut erhalten

Nun scheint ein weiterer Erfolg hinzuzukommen: Forscher der Arctic Research Foundation konnten wahrscheinlich das Wrack des zweiten Schiffes, die HMS Terror, orten. Bestätigt sich, was die Besatzung des kanadischen Forschungsschiffes "Martin Bergmann" annimmt, ist der Fund eine sensationelle Entdeckung. Er könnte helfen, endlich die genauen Umstände für den Tod von 129 Mann und den Verlust von zwei Schiffen nach fast 170 Jahren zu klären.

Das aufgespürte Wrack liegt am Südende der Victoria Strait, in einer Bucht der King William Insel in 24 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund. Auch das ist wesentlich südlicher als das bisherige Suchgebiet. Die "Martin Bergmann" suchte nur deshalb dort, weil ein Angehöriger der Inuit vor sechs Jahren in dieser Gegend ein langes Holzstück aus dem Wasser ragen sah und es für einen alten Mast hielt.

Das Wrack, so Adrian Schimnowski von der Arctic Research Foundation, sei bemerkenswert gut erhalten. Die drei Masten sind zwar gebrochen, stehen aber noch aufrecht. Alle Luken seien geschlossen und sogar die Fenster der Kapitänskajüte scheinen noch in Ordnung zu sein. An der Außenseite konnten die Unterwasser-Archäologen außerdem eine langes, dickes Tau erkennen, das durch ein Loch im Schiffsrumpf kommt. Es könnte das Ankertau sein. Das Aussehen des Wracks sowie ein über Deck aufragender Schornstein sprechen dafür, dass es sich tatsächlich um die HMS Terror handelt. "Diese Entdeckung könnte die Geschichte verändern", erklärt Jim Balsillie, der Gründer der Arctic Research Foundation dem "Guardian".

Neues Szenario ist möglich

Bisher war man davon ausgegangen, dass nach dem Tod von John Franklin die verbleibenden Mannschaftsmitglieder die beiden im Eis eingeschlossenen Schiffe verließen, um zu Fuß zurück in die Zivilisation zu gelangen. Ein entsprechender Hinweis darüber wurde am 25. April 1848 in einem Steinhaufen am Nordende der King William Insel hinterlassen.

Nach der Lage der beiden Schiffe und dem ungewöhnlich guten Zustand der HMS Terror ist nun auch ein anderes Szenario möglich. Die Überlebenden der Crew könnten es in einem letzten verzweifelten Versuch geschafft haben, mit beiden Schiffen in Richtung Süden zu kommen. Dort wo heute die Terror liegt, wurden die Luken geschlossen und der Anker geworfen, um nur noch mit der HMS Erebus weiterzusegeln, bis diese dann auch endgültig feststeckte.

Ob das Wrack wirklich die verschollene HMS Terror ist und wie weit die neue Theorie zutrifft, muss offiziell noch geklärt werden. Dafür haben die Forscher allerdings nicht mehr viel Zeit, denn der arktische Winter steht bevor und könnte das Wrack wieder unter einer dicken Eisschicht begraben.

Quelle: n-tv.de, jaz

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