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Jahrzehntealte Annahme widerlegtSchlaue Taktik der Raben überrascht Forscher

13.03.2026, 06:08 Uhr
HANDOUT-Zwei-Raben-fliegen-ueber-einem-Wolfsrudel-im-Yellowstone-Nationalpark-Diese-Art-der-Verfolgung-ueber-kurze-Distanzen-ist-haeufig-waehrend-eine-laengere-Verfolgung-aeusserst-selten-ist-Credit-Daniel-Stahler-ACHTUNG-Frei-nur-zur-redaktionellen-Verwendung-im-Zusammenhang-mit-der-Berichterstattung-ueber-die-Studie-bei-Nennung-des-Credits-ACHTUNG-DIESER-BEITRAG-DARF-NICHT-VOR-DER-SPERRFRIST-12-MAeRZ-20-00-UHR-VEROeFFENTLICHT-WERDEN-EIN-BRUCH-DES-EMBARGOS-KOeNNTE-DIE-BERICHTERSTATTUNG-UeBER-STUDIEN-EMPFINDLICH-EINSCHRAeNKEN
Zwei Raben fliegen über einem Wolfsrudel im Yellowstone-Nationalpark. Diese Art der Verfolgung über kurze Distanzen ist häufig, während eine längere Verfolgung äußerst selten ist. (Foto: Daniel Stahler/dpa)

Seit Langem galt es als ausgemacht, wie Raben an Kadaver gelangen. Die Ergebnisse einer Studie mit Sendern im Yellowstone-Nationalpark stellen nun eine jahrzehntealte Theorie auf den Kopf. Die Tiere wenden eine weitaus intelligentere Methode an, um Futterquellen aufzuspüren.

Wenn Wölfe Beute reißen, sind Raben oft als erste Aasfresser vor Ort. Dieses Phänomen haben Forscher jahrzehntelang damit erklärt, dass die Vögel Wölfen folgen würden. Diese Annahme widerlegt eine Studie aus dem Yellowstone-Nationalpark im US-Bundesstaat Wyoming. Wie das Forschungsteam um Matthias-Claudio Loretto vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell im Fachjournal "Science" berichtet, nutzen die Vögel eine wesentlich ausgefeiltere Strategie.

Die Wissenschaftler hatten in dem Nationalpark 69 Kolkraben (Corvus corax), 20 Grauwölfe (Canis lupus) und 11 Pumas (Puma concolor) mit Sendern ausgestattet und Daten über zweieinhalb Jahre ausgewertet. Dabei konzentrierten sie sich auf die Wintermonate. Im gesamten Studienzeitraum dokumentierten sie nur einen einzigen Fall, in dem ein Rabe einem Wolf für längere Zeit - mehr als eine Stunde - über eine größere Entfernung - mehr als einen Kilometer weit - folgte.

"Zunächst waren wir ehrlich gesagt ratlos", wird Loretto in einer Mitteilung seines Instituts zitiert. "Als wir feststellten, dass Raben Wölfen nicht über lange Strecken folgen, konnten wir lange nicht erklären, wie sie trotzdem so schnell an Wolfsrissen auftauchen."

Raben lernen, wo Wolfsrisse häufiger vorkommen

Auf die Antwort brachte die Forscher eine detaillierte Auswertung der Bewegungsmuster: Demnach frequentieren Raben bevorzugt jene Gebiete, in denen Wölfe häufig Beute machen. Manche Vögel flogen an einem einzigen Tag bis zu 155 Kilometer auf sehr geradlinigen Routen zu jenen Arealen, in denen die Chancen hoch sind, einen Kadaver zu finden.

Diese Gegenden, in denen Wölfe erfolgreich jagen, waren tendenziell flachere, offene Graslandschaften in der Nähe von Flüssen. Raben lernen diese Areale, die sich zudem aus der Luft gut überblicken lassen, kennen und erinnerten sich daran, folgert das Team. In Gebieten, in denen Wolfsrisse eher rar waren, tauchten die Raben wesentlich seltener auf.

"Wir wussten bereits, dass Raben sich stabile Nahrungsquellen wie Mülldeponien merken können", sagt Loretto. "Was uns überrascht hat, ist, dass sie offenbar auch lernen, in welchen Gebieten Wolfsrisse häufiger vorkommen. Ein einzelner Riss ist unvorhersehbar, aber im Laufe der Zeit sind einige Teile der Landschaft ergiebiger als andere - und Raben scheinen dieses Muster zu ihrem Vorteil zu nutzen."

Puma-Areale sind wesentlich unattraktiver

Es sei durchaus mitunter möglich, dass die Vögel Wölfen über kurze Strecken folgten, glaubt das Team. "Um Wolfsbeute in der näheren Umgebung zu finden, nutzen Raben wahrscheinlich Hinweise aus nächster Nähe, etwa die Beobachtung des Wolfsverhaltens oder das Lauschen auf Wolfsgeheul", erläutert Loretto.

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Wölfe und Raben an einem Kadaver im Yellowstone-Nationalpark. (Foto: John Marzluff/dpa)

Auf größerer räumlicher Ebene richteten sie sich aber zuerst nach dem Gedächtnis, um zu entscheiden, wo sie überhaupt suchen - teils über Entfernungen von weit über 100 Kilometern. Wie erfolgversprechend dieses Vorgehen ist, zeigt eine Zahl: An jedem zweiten der 355 dokumentierten Wolfsrisse (48,5 Prozent) tauchte innerhalb einer Woche mindestens einer der besenderten Raben auf.

Dagegen frequentieren die Raben jene Areale, in denen Pumas Beute reißen, wesentlich seltener. Das Team erklärt dies unter anderem damit, dass Pumas zum einen in zerklüfteterem Terrain jagen als Wölfe und dass sie zudem dazu neigen, Reste ihrer Beute vor möglichen Aasfressern zu verstecken.

Quelle: ntv.de, Walter Willems, dpa

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