Wissen

Mehr Schutz für die Ohren Schwerhörigkeit begünstigt Demenz

imago88104432h.jpg

Auch auf die Ohren muss man besonders achtgeben.

(Foto: imago/PhotoAlto)

Hörverlust und Hörstörungen gehören zu den am meisten vernachlässigten und verborgenen Erkrankungen. Experten zufolge sind rund 460 Millonen Menschen weltweit von einem sogenannten "disabeling Hearing loss" betroffen. Aber nur ein Bruchteil davon tut etwas dagegen. Dabei hat der Hörverlust im Alter gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit. Das Risiko für die Entwicklung einer Demenz beispielsweise steigt dadurch um das Zwei- bis Fünffache.

Hörverlust mit den Jahren ist ganz normal.

Richtig! Auch das Gehör und alle dazugehörenden Körperteile nutzen sich mit der Zeit ab. Allerdings bemerken nur wenige bewusst den Beginn ihrer Altersschwerhörigkeit. Dieser lebenszeitbedingte degenerative Prozess geht nämlich schleichend einher. Viele gewöhnen sich einfach an das schlechtere Hören und nehmen es dementsprechend gar nicht wahr. Betroffene werden dann oftmals von Freunden oder Familienangehörigen auf ihr Defizit hingewiesen. Das reicht jedoch bei vielen nicht, um den nächsten Schritt zu machen: einen Hörtest.

Ein Hörtest sollte einmal im Jahr durchgeführt werden.

ANZEIGE
Ganz Ohr: Alles über unser Gehör und wie es uns geistig fit hält
EUR 14,00
*Datenschutz

Richtig! Einmal im Jahr sollte man bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt einen Hörtest durchführen lassen. Da das Hören zu den wichtigsten menschlichen Sinnen zählt und nicht nur die Grundlage für das sprachliche Miteinander ist, sondern auch der Orientierung und Sicherheit zum Beispiel im Straßenverkehr dient, ist ein Hörverlust ein alltagsbeeinträchtigender Einschnitt. Ein Hörtest ist die einzige Möglichkeit, um einen Hörverlust so zeitig wie möglich zu erkennen und behandeln zu können. Mit verschiedenen Methoden kann die Funktion des Gehörs getestet werden. Für Patienten, die bereits Probleme mit dem Hören haben, bezahlt die gesetzliche Krankenkasse den Hörtest beim HNO-Arzt. Für reine Routineuntersuchungen muss man selbst aufkommen. Viele Fachgeschäfte für Hörakustik bieten dagegen einfache Hörfunktionstests kostenfrei an. Diese können Hinweise auf eine Schwerhörigkeit geben. Ursachenforschung, Diagnose und Behandlung gehören hingegen ausschließlich in Hände von HNO-Ärzte. Da es mehrere Testverfahren gibt, sollte man sich die angewendeten Tests vorab und deren Ergebnisse gut verständlich erklären lassen.

Ein degeneriertes Gehör heilt nicht.

"Das ist richtig. Soweit wir wissen, regeneriert das Gehör gar nicht", sagt Dr. Andreas Borta, der zusammen mit Thomas Sünder das Sachbuch "Ganz Ohr - Alles über unser Gehör und wie es uns geistig fit hält" geschrieben hat, in einem Gespräch mit n-tv.de. "Die Nervenzellen im Innenohr sind wie die meisten anderen Nervenzellen im Körper nicht regenerationsfähig", betont der Mediziner, der bei Boehringer-Ingelheim an Medikamenten zur Behandlung von Hörverlusten forscht.

Wenn nur ein Ohr betroffen ist, kann das andere ausgleichen.

Falsch! Auch bei einer einseitigen Schwerhörigkeit wird das Gehirn unnötig schwer belastet. Es tut nämlich einiges dafür, um die ungleichen Höreindrücke zu einem zusammenzubringen. Zudem ist das räumliche Hören bei einseitiger Schwerhörigkeit beeinträchtigt. Das kann zu einer Reihe von Gefahren im Alltag, zum Beispiel im Straßenverkehr, führen.

Rauchen beeinträchtigt zusätzlich das Gehör.

Richtig! Forscher in Japan haben erst im letzten Jahr die Ergebnisse einer großangelegten Studie zu diesem Thema veröffentlicht. Sie konnten zeigen, dass Raucher ein insgesamt größeres Risiko haben, einen Hörverlust zu erleiden, als Nichtraucher. Dieses Risiko lässt sich durch ein Rauchstopp auch wieder senken. Der festgestellte Zusammenhang zwischen Nikotinkonsum und Hörverlust muss allerdings noch durch weitere Untersuchungen gestützt werden.

Wer gut hört, bleibt auch mit den Jahren geistig fit.

Richtig! Konzerte, Telefonate oder Gespräche: Hören ist eine Grundvoraussetzung für eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Wer schwer hört, hat nicht nur Probleme, mit anderen zu kommunizieren und im Alltag gut zurechtzukommen. Schwerhörigkeit ist oftmals die Ursache für soziale Isolation und die wiederum kann zu einer Reihe von Folgeerkrankungen wie Depression oder Demenz führen. Schwerhörigkeit erhöht das Demenzrisiko um das Zwei- bis Fünffache. Der Versuch des Gehirns, die Schwerhörigkeit auszugleichen, beeinträchtigt andere Hirnfunktionen durch die dauerhafte kognitive Belastung. Moderne Hörgeräte schaffen Abhilfe und entlasten das Gehirn.

Gegen altersbedingten Hörverlust kann man gar nichts machen.

Falsch! Auch wenn jedes Gehör von altersbedingter Abnutzung betroffen ist, kann man etwas gegen vorzeitige Degeneration und damit für den Erhalt des Hörsinns tun. Lärm vermeiden ist dabei das Wichtigste, denn er lässt die Hörorgane vorzeitig altern. "Übrigens sind neuesten Forschungen zufolge unsere Ohren generell nachts besonders anfällig für Schäden durch hohe Lautstärken. Da es in der Club-Kultur üblich ist, erst spätnachts auszugehen und bis in die frühen Morgenstunden zu tanzen, ist hierbei von einer besonders hohen Gefährdung auszugehen", schreiben die Autoren in ihrem Buch. Dazu kommen die Risiken durch Stress, Rauchen oder zu lautes Hören von Musik über Kopfhörer. Alles Dinge, die vermeidbar sind. "Da viele Hörminderungen eine Form der Neurodegeneration sind, helfen so einfache Dinge wie regelmäßige körperliche Bewegung oder Sport und gesunde Ernährung, auch um die Hörfunktion länger aufrechtzuerhalten", sagt Borta.

Wenn ich schon schlecht höre, brauche ich keinen Gehörschutz mehr.

Falsch! Auch bereits geschädigte oder abgenutzte Gehöre können durch Lärm weiter und vor allem noch schneller beschädigt werden. Wer auch als Schwerhöriger nicht auf sein Gehör achtet, riskiert im schlimmsten Fall den kompletten Hörverlust (eher: eine Ertaubung).

Immer mehr junge Menschen hören schlecht.

Richtig! Verschiedene Untersuchungen bestätigen diese besorgniserregende Entwicklung. In Deutschland sind die Zahlen für Verordnungen der Krankenkassen für Hörgeräte vor allem für Teenager und junge Erwachsene stark gestiegen. Die permanente Beschallung mit Musik, vor allem über In-Ear-Kopfhörer, ist ein Grund dafür.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema