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Beweisbilder verblüffen Forscher Seeschlangen erreichen neuen Tauchrekord

Das Leben in den Tiefen der Meere birgt noch immer viele Geheimnisse. Eines davon lüften nun Meeresforscher dort, wo kaum noch Sonnenlicht hinkommt.

Schlangen sind echte Anpassungskünstler: Sie leben in Wüsten, Urwäldern und Gewässern. Bisher sind Biologen davon ausgegangen, dass sich die Tiere in den Ozeanen in Tiefen zwischen 50 und 100 Metern aufhalten, da sie zum Luftholen wieder an die Oberfläche müssen. Doch diese Annahme kann nun widerlegt werden. Dem Forscherteam um Jenna Crowe-Riddell von der australischen University of Adelaide sind gleich zwei verschiedene Exemplare vor die Linse eines Tauchroboters geschwommen - und zwar in Tiefen von 239 und 245 Metern. Die maximale Tauchtiefe, die für eine Seeschlange bisher beobachtet werden konnte, lag bei 133 Metern.

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Das Beweisfoto aus den Filmaufnahmen zeigt die Seeschlange in 240 Metern Tiefe.

(Foto: INPEX-operated Ichthys LNG-Project)

Die beiden jetzt entdeckten Tiere schwammen damit in der sogenannten mesopelagischen Zone des Indischen Ozeans, die auch als Dämmerungszone bezeichnet wird. Dieser Bereich, in denen die Temperaturen ziemlich tief sind, liegt zwischen 200 und 1000 Metern. In ihm wird der Übergang von hell zu dunkel markiert.

Unbekannte Art auf Futtersuche

Bei der Sichtung und Auswertung der Aufnahmen, die in der Region des Browse Basins im North West Shelf bereits im Juli 2017 gemachten wurden, wurden die Forscher überrascht: "Wir wissen seit Langem, dass Seeschlangen die Tauchkrankheit bewältigen, indem sie den Gasaustausch über die Haut vornehmen", erklärt Crowe-Riddell. "Dass diese Fähigkeit Seeschlangen in Tiefseehabitate tauchen lässt, haben wir jedoch nicht für möglich gehalten", so die Biologin weiter. Noch können die Forscher nicht sagen, um welche konkrete Art es sich bei den neuen Rekordträgern handelt. Sie gehen allerdings davon aus, dass beide Schlangen derselben Art angehören.

Die Bilder der Reptilien in dieser Tiefe werfen eine Reihe von neuen Fragen zur Ökologie und Biologie von Seeschlangen auf. "Wir sehen im Filmmaterial, dass die Schlange ihren Kopf mehrfach in den Sand auf dem Meeresboden stößt. Sie scheint auf diese Art nach Futter zu suchen", so Crowe-Riddell weiter. Um welche Art von Futter es sich dabei handelt, konnte bisher nicht geklärt werden.

Ein Beweisfoto und die zugehörigen Erkenntnisse veröffentlichten die Forscher im Fachmagazin "Austral Ecology".

Quelle: n-tv.de, jaz