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Corona-Ansteckung stoppen Selbstansteckung für schnellere Durchseuchung?

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Wer schon Abwehrkörper hat, hilft dann auch seinen Mitmenschen.

(Foto: REUTERS)

Sars-CoV-2 erweist sich als sehr ansteckend und vor allem für Risikogruppen als gefährlich. Trotzdem wird es zunehmend ins Leere laufen, wenn genügend Menschen immun sind. Dieser Zustand heißt Durchseuchung - wann ist er erreicht?

Die weltweite Ausbreitung des neuartigen Coronavirus lässt sich nicht mehr verhindern. Inzwischen gehen die Experten davon aus, dass die Ansteckung erst durchbrochen wird, wenn genug Menschen die Infektion durchlaufen haben. Das klingt zunächst paradox, ist aber der Zustand, dass ausreichend Menschen immun gegen den Erreger sind. Dann kann es keine neuen Ansteckungswellen mehr geben. Epidemiologen nennen diesen Zustand Durchseuchung.

Der Direktor des Instituts für Virologie der Charité, Christian Drosten, vermutet, dass dafür zwei von drei Menschen zumindest vorübergehend immun sein müssen. In Deutschland wären das bei einer Gesamtbevölkerung von 83 Millionen fast 56 Millionen Menschen. Dieser Anteil müsste sich infizieren, um die Ausbreitung dann zu stoppen, so Drosten gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Erst mit diesem Durchseuchungsgrad wird die Herdenimmunität erreicht, die dann auch nicht-immune Menschen vor Ansteckung schützt. Derzeit geht man davon aus, dass ein an Sars-CoV-2 Erkrankter im Schnitt drei andere Menschen ansteckt.

Selbstansteckung als Lösung?

Kontrovers wird in diesem Zusammenhang die gezielte Selbstansteckung diskutiert. Der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Reiner Eichenberger argumentierte, dass gesunde Erwachsene sich bewusst infizieren sollen. So erhöhe sich die Zahl derjenigen, die die Infektion bereits durchlaufen haben und Risikopatienten würden geschützt. Für die meisten Menschen sei das neuartige Coronavirus nicht schlimm, sagte Eichenberger in "20 Minuten Schweiz". "Daher wäre es vielleicht richtig, dass die unter 65-Jährigen sich möglichst schnell infizieren, 14 Tage zu Hause bleiben und dann wieder arbeiten, festen und reisen."

*Datenschutz

Diese Idee widerspricht jedoch den Bemühungen, die Ansteckungen über einen möglichst großen Zeitraum zu strecken, um Arztpraxen und Krankenhäuser nicht zu überlasten. Der Virologe Drosten hat in einem Podcast des NDR erneut die Absage von Großveranstaltungen gefordert. Es gelte jetzt, die Infektionswelle gezielt zu verzögern und die bekannten Risikogruppen zu schützen, betonte er darin noch einmal. Das würde vermutlich dazu führen, dass die Durchseuchung später erreicht würde.

Kassenarztpräsident Dr. Andreas Gassen nannte für die Durchseuchung einen möglichen Zeitraum von vier bis fünf Jahren. Sollte parallel die Entwicklung eines Impfstoffs schneller vorankommen, könnte die Dauer sich verkürzen. Allerdings muss dafür eine Durchimpfungsrate erreicht werden, die erheblich von der Reproduktionsrate des Erregers abhängt. Bei Masern liegt sie beispielsweise bei 90 bis 95 Prozent. Für das neue Coronavirus ist noch nicht klar, wie hoch die Impfrate sein müsste. Außerdem gehen Experten derzeit davon aus, dass es noch mindestens ein Jahr dauern wird, bis überhaupt ein Impfstoff auf den Markt kommt.

Quelle: ntv.de, sba