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Vorkommen in OstafrikaStudie: Fledermaus-Coronavirus kann menschliche Zellen infizieren

22.04.2026, 17:33 Uhr
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Das Coronavirus namens CcCoV-KY43 wurde in ostafrikanischen Herznasenfledermäusen nachgewiesen. (Foto: IMAGO/imagebroker/FLPA/David Hosking)

Ein Coronavirus in ostafrikanischen Fledermäusen kann menschliche Lungenzellen infizieren, findet ein Forschungsteam heraus. Damit besteht das Risiko einer Übertragung auf den Menschen. Erste Tests der lokalen Bevölkerung in Kenia sind jedoch negativ.

Die Corona-Pandemie ist noch vielen Menschen in schmerzlicher Erinnerung. Nun hat ein internationales Forscherteam in Ostafrika ein Fledermaus-Coronavirus identifiziert, das ebenfalls in menschliche Zellen eindringen kann. Es ist nicht eng verwandt mit dem Pandemie-Virus Sars-Cov-2, sondern zählt zu den Alphacoronaviren: Zu dieser Gruppe gehören auch Viren, die beim Menschen meist harmlos verlaufende Erkältungen hervorrufen. Die Studie wurde im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht.

Das Virus trägt den sperrigen Namen CcCoV-KY43. Laut den Autoren kommt es bei Herznasenfledermäusen (Cardioderma cor) vor, deren Verbreitungsgebiet Ostafrika ist, einschließlich des östlichen Sudans und dem Norden Tansanias. Zwar könne das Virus an einen in der menschlichen Lunge vorkommenden Zellrezeptor binden, schreiben die Autoren - doch vorläufige Tests in Kenia deuteten darauf hin, dass das Virus bisher nicht auf die lokale Bevölkerung übergesprungen ist.

Virus schließt Zelle auf

Anstatt mit "lebenden" Viren zu arbeiten, nutzten die Wissenschaftler eine Genbank - aus dieser wählten sie sogenannte Spike-Proteine aus, die sie künstlich herstellen und untersuchten, wie gut sie zu Rezeptoren auf menschlichen Zellen passen. "Virale Spike-Proteine sind Schlüssel, die in Schlösser (Wirtsrezeptoren) passen, um die Tür zu öffnen und in eine Zelle einzudringen", erklärt Co-Autor Stephen Graham, von der Universität Cambridge.

Einen "Treffer" landete das Forschungsteam nach eigener Aussage bei dem Coronavirus CcCoV-KY43: Es zeigte sich, dass es mit seinem Spike-Protein an einen bestimmten Rezeptor bindet, der auf menschlichen Lungenzellen vorkommt. Damit kann das Virus in die Zellen eindringen und sie infizieren.

Suche nach potenziellen Zoonosen

"Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse dazu beitragen, das Risiko durch die von uns identifizierte Virusfamilie, die den menschlichen Rezeptor nutzen kann, besser zu verstehen", sagt Graham. Dazu gehörten etwa Untersuchungen, wie häufig das Virus bei Fledermäusen vorkommt und ob es bereits auf Risikogruppen übergesprungen ist.

Die Forscher wollen nun die von ihnen genutzte Methode anwenden, um weitere potenzielle menschliche Krankheitserreger zu finden. Wenn Viren und andere Erreger von ursprünglich tierischen Wirten auf den Menschen überspringen und Krankheiten auslösen, spricht man von einer Zoonose.

"Unsere Arbeit zeigt, dass weitere Untersuchungen in Ostafrika notwendig sind, um das Risiko durch die größere Familie von Viren, die diesen menschlichen Rezeptor nutzen können, besser zu verstehen", sagte James Nyagwange vom KEMRI-Wellcome Trust Research Programme, einer Partnerschaft für Gesundheitsforschung in Ostafrika. Dies werde der Menschheit helfen, sich auf mögliche Übertragungen in der Zukunft vorzubereiten - und mit der Entwicklung von Impfstoffen und antiviralen Medikamenten zu beginnen.

Quelle: ntv.de, kst

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