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Wann endet die Infektionsgefahr? Studienergebnis soll Kliniken entlasten

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Ein Team um den Virologen Christian Drosten untersuchte die ersten Corona-Infizierten in Deutschland.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wissenschaftler analysieren in einer Studie den Krankheitsverlauf von Covid-19. Sie zeigen auf, wie lange Patienten eine akute Ansteckungsgefahr darstellen. So können Ärzte besser abschätzen, ab wann Patienten in die häusliche Quarantäne entlassen werden.

Das Team um die Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité und Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing hat die ersten Covid-19-Patienten in Deutschland untersucht und in einer Analyse den Verlauf nach einer Infektion mit dem neuen Coronavirus rekonstruiert. Die Ergebnisse sollen Aufschluss geben, ab wann Infizierte nicht mehr ansteckend sind.

In der ersten Woche nach Symptombeginn war die sogenannte Virusausscheidung im Rachen der Erkrankten und im Husten-Auswurf laut Untersuchung sehr hoch. Meist nahm die Viruslast im Rachen im Laufe der ersten Krankheitswoche deutlich ab - im Auswurf der Lunge fiel die Virusausscheidung etwas später ab. Ab Tag 8 nach Symptombeginn konnten die Forscher keine infektiösen Viruspartikel mehr isolieren - auch wenn sie noch Virus-Erbgut in Rachen und Lunge fanden. Dies könne Ärzten in Krankenhäusern bei der Entscheidung helfen, wann man bei knapper Bettenkapazität Patienten in häusliche Quarantäne entlassen könnte.

Ansteckungsgefahr auch ohne Symptome

Die Forscher schlagen dies vor, wenn sich nach dem zehnten Tag der Erkrankung weniger als 100.000 Kopien des Viren-Erbguts pro Milliliter Husten-Auswurf nachweisen lassen. Enthielten Proben der neun Patienten weniger Kopien, ließen sich keine infektiösen Viren mehr nachweisen. Unabhängig von der Studie vermuten Forscher, dass Menschen möglicherweise auch schon zwei Tage vor Beginn einer Symptomatik ansteckend sein könnten.

"Die bei uns betreuten Patientinnen und Patienten waren jüngeren bis mittleren Alters", wird der Infektiologe Wendtner in einer Charité-Mitteilung zitiert. "Sie zeigten insgesamt eher milde Symptome und grippeähnliche Symptome wie Husten und Fieber sowie ein gestörtes Geruchs- und Geschmacksempfinden." Bei den Patienten wurden während der Infektionszeit täglich Abstriche aus dem Nasen-Rachen-Raum und Proben des Husten-Auswurfs analysiert. Auch Stuhl, Blut und Urin wurden untersucht.

Zwar zeigt die Studie, dass sich der Erreger Sars-CoV-2 vermutlich auch im Magen-Darm-Trakt vermehrt. Im Stuhl der neun Patienten, von denen einer Durchfall hatte, fanden die Forscher aber keine infektiösen Viren. Blut und Urin enthielten das Virus nicht. Alle Patienten hatten zwei Wochen nach Beginn einer Symptomatik Antikörper produziert.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa