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Permanentes Pfeifen im OhrForscher entdecken mögliche Ursache für Tinnitus

20.04.2026, 20:58 Uhr
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Klingeln, Rauschen oder Pfeifen im Ohr können in extremen Fällen zu Angstzuständen führen. (Foto: picture alliance)

Weltweit leidet mehr als jeder Zehnte an Tinnitus - Geräuschen im Ohr, die nur der Betroffene hört. Das Symptom ist bisher nicht heilbar und Wissenschaftler rätseln über die Ursachen. Eine neue Studie zeigt, dass Serotonin womöglich eine entscheidende Rolle spielt.

Schätzungen zufolge leiden etwa 14 Prozent der Weltbevölkerung unter Tinnitus-Geräuschen. Betroffene nehmen ein ständiges Klingeln, Rauschen oder Pfeifen in ihren Ohren wahr, obwohl keine äußeren Schallquellen vorhanden sind. Weil die genauen Ursachen noch nicht eindeutig geklärt sind, ist das Phänomen bislang nicht heilbar.

Wissenschaftler der Oregon Health and Science Universität in Portland haben nun jedoch eine mögliche Erklärung gefunden. Demnach könnte eine erhöhte Ausschüttung des bisher vor allem als "Glückshormon" bekannten Serotonin dafür verantwortlich sein. Die Erkenntnisse wurden im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht.

Grundsätzlich wirkt Serotonin als Botenstoff bei der Signalübertragung zwischen Nervenzellen, was stimmungsaufhellend wirken kann. Antidepressiva erhöhen die Serotonin-Konzentration im Gehirn, indem sie dessen Rücktransport in die Zellen hemmen.

"Bereits vermutet, dass Serotonin eine Rolle spielt"

"Wir haben bereits vermutet, dass Serotonin bei Tinnitus eine Rolle spielt, wussten aber nicht genau welche", sagt Co-Autor und Neurowissenschaftler Zheng-Quan Tang. Um ihren Verdacht zu bestätigen, erhöhte das Forschungsteam bei einem Experiment den Serotoninspiegel von mehreren Mäusen künstlich und maß die Reaktion der Tiere. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass ein erhöhter Serotoninfluss bestimmte Nervenzellen im Hörzentrum der Mäusehirne übermäßig anregte.

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Ein im Versuch künstlich erhöhter Serotoninfluss regte Nervenzellen im Hörzentrum der Mäusehirne übermäßig an. (Foto: Friso Gentsch/dpa)

Den Wissenschaftlern zufolge sorgte die erhöhte Serotonin-Dosis dafür, dass das Gehirn der Mäuse Tinnitus-ähnliche Geräusche wahrnahm, obwohl keine äußeren Schallreize vorhanden waren. "Wir haben festgestellt, dass sich die Tiere so verhielten wie Menschen, die einen Tinnitus erleben", betont auch der Hauptautor und Biologe Laurence Trussel. Als die Forscher den Serotoninfluss anschließend künstlich eindämmten, nahmen die Tinnitus-ähnlichen Reaktionen der Mäuse wieder deutlich ab.

Den Studienautoren zufolge stellt die neue Erkenntnis einen Therapieansatz gegen das Phänomen dar, das in extremen Fällen Angstzustände auslöst und den Alltag beeinträchtigt. Das gilt insbesondere für Menschen, die unter Depressionen leiden und Antidepressiva nehmen und über Tinnitus klagen. "Menschen mit Tinnitus sollten gemeinsam mit ihrem Arzt eine Medikation finden, die einerseits psychische Beschwerden wie Depressionen und Angst lindert und gleichzeitig die Tinnitus-Symptome möglichst gering hält", so Trussell.

Quelle: ntv.de, gri

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