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"Ernste Bedrohung" UN warnen vor Folgen von Bienensterben

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Das Hauptproblem für die Biene in Deutschland ist die intensive Landwirtschaft.

(Foto: imago images / Carmele/tmc-fotografie.de)

Die UN schlagen Alarm. Das Massensterben von Bienen hat der Organisation zufolge dramatische Folgen. Es könnte zur Auslöschung von ganzen Pflanzenkulturen wie Kaffee, Äpfeln, Tomaten oder Kakao führen.

Der Rückgang der Bienenpopulationen stellt nach UN-Angaben eine "ernste Bedrohung" für die Welternährung dar. Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) rief ihre Mitgliedsländer anlässlich des Weltbienentags auf, "diese unentbehrlichen Verbündeten im Kampf gegen Hunger und Unterernährung zu schützen". Bienen seien durch die kombinierten Effekte von Klimaerwärmung, intensiver Landwirtschaft, dem Einsatz von Pestiziden, dem Verlust von Biodiversität und Umweltverschmutzung massiv bedroht, erklärte FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva.

Laut Graziano da Silvia würde die Abwesenheit von Bienen und anderen Bestäubern zur Auslöschung von Pflanzenkulturen wie Kaffee, Äpfeln, Mandeln, Tomaten oder Kakao führen. Sollte das Bienensterben anhalten, könnten "Früchte, Nüsse und andere Gemüsesorten" durch "Kulturen wie Reis, Mais und Kartoffeln" ersetzt werden, die nicht in gleichem Maße von Bestäubung abhängig seien. Der FAO-Generaldirektor appellierte an die Mitgliedsländer, sich an "nachhaltigen Systemen zugunsten von Bestäubern" zu orientieren. Dazu gehöre etwa, Blumen wachsen zu lassen, um den Bienen Nahrung zu geben.

Das Bienensterben ist schon länger auch in Deutschland ein bekanntes Problem. Grund dafür sind unter anderem akkurate Rasenflächen und unkrautfreie Grünanlagen. "Ein bisschen mehr Schlamperei täte der Sache nicht schlecht", sagt Gerhard Haszprunar, Direktor der Zoologischen Staatssammlung München. "Es muss nicht immer alles picobello sein." Auch Kommunen und Kleingartenvereine müssten ihre Vorschriften anpassen. "Viele Bestimmungen sind absolut kontraproduktiv", so Haszprunar. "Lasst das Gift weg, hört auf, euren Rasen zu düngen und jede Woche zu mähen. Lasst es blühen."

Manche Wildbienen brauchen eine ganz bestimmte Blüte, wie Manfred Klein, Leiter des Agrar- und Waldbereichs beim Bundesamt für Naturschutz (BfN) erläutert. Von rund 560 Arten seien mehr als 41 Prozent in ihrem Bestand gefährdet. Gerade die allerschönsten Blumen bieten für Bienen und andere Insekten - mehr als 33.300 Arten sind in Deutschland bekannt - oft keine Nahrung. "Das sind häufig gefüllte Blüten, bei denen Staub- und teils auch Fruchtblätter zu Blütenblättern umgewandelt sind", sagt Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München.

Aussehen geht vor Arterhalt

Die meisten gezüchteten Dahlien, Rosen, Garten-Chrysanthemen und viele Tulpen und Narzissen hätten zugunsten ihres hübschen Aussehens zurückgebildete oder keine Staubblätter - und damit keine Pollen und keinen Nektar. "Wir reißen den Löwenzahn aus und pflanzen stattdessen eine gefüllte gelbe Dahlie. Weil wir das schön finden. Das hilft aber den Insekten nichts. Es ist, als würde man uns im Wirtshaus nur das Foto von einem Schweinsbraten vorsetzen", sagt Fleischmann. "Was die Leute heute oft als Natur empfinden, ist vom Menschen künstlich gestaltet."

Das Hauptproblem bleibt den Wissenschaftlern zufolge die intensive Landwirtschaft. Klein nennt Blühstreifen an Feldrändern "einen Tropfen auf den heißen Stein". Sie seien fast unnütz, wenn auf allen umgebenden Feldern weiter Pflanzenschutzmittel ausgebracht würden. "Was in der Breite fehlt, sind blütenreiche Wiesen und mehrjährige Brachflächen, auf denen drei oder fünf Jahre nichts passiert." Aber auch der Konsument sei gefordert, sagt Haszprunar. "Es ist eine Frage breiter gesellschaftlicher Akzeptanz. Das muss sich jetzt verfestigen, damit es nicht ein Hype bleibt."

Quelle: n-tv.de, joh/dpa/AFP

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