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Ibuprofen als Corona-Verstärker? Uni Wien warnt vor Fake News auf Whatsapp

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Können Schmerzmittel den Verlauf von Covid-19 beschleunigen?

(Foto: picture alliance/dpa)

Nicht nur das Coronavirus verbreitet sich derzeit rasend schnell, sondern auch Falschmeldungen zum Ausbruch. Beispielsweise kursieren auf Whatsapp angeblich Forschungsergebnisse der Medizinischen Universität Wien - "Fake News", stellt das Institut nun klar.

Die Medizinische Universität Wien warnt auf mehreren Kanälen vor Fake News im Zusammenhang mit dem Ausbruch des Coronovirus. Derzeit würden auf Whatsapp Text- und Sprachnachrichten verbreitet, die von "angeblichen Forschungsergebnissen der 'Wiener Uniklinik' rund um die Einnahme von Ibuprofen und einer angeblich damit zusammenhängenden Verstärkung von Covid-19-Symptomen berichten", schreibt das Institut auf Facebook. "Hierbei handelt es sich um Fake News."

Hintergrund sind angeblich geheime Informationen, die sich aktuell auf Whatsapp wie ein Lauffeuer verbreiten. Demnach hat die Universität Wien herausgefunden, dass das Schmerzmittel Ibuprofen schwere Verläufe von Covid-19 beschleunigt. Covid-19 ist die Lungenkrankheit, die durch die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 verursacht werden kann.

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Die Medizinische Universität Wien dementiert nicht die vermeintlichen Forschungsergebnisse an sich, sondern deren Existenz. Ob Schmerzmittel wie Ibuprofen den Verlauf von Covid-19 verschlimmern können, ist demnach noch unklar. So sagte Hendrik Streek, Leiter der Virologie am Universitätsklinikum Bonn, im Gespräch mit RTL/ntv, dass es keinen erwiesenen Zusammenhang zwischen dem Coronavirus und der Einnahme des Schmerzmittels Ibuprofen gebe. Frankreichs nationaler Gesundheitsdirektor Jérôme Salomon riet dagegen davon ab, sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) einzunehmen, weil sie eine Infektion verschlimmern könnten. Zu dieser Wirkstoffgruppe zählen neben Ibuprofen auch der Arzneistoff Acetylsalicylsäure (ASS), der beispielsweise in Aspirin enthalten ist.

"Wir wissen wenig"

Auch Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) kann sich vorstellen, dass insbesondere Arzneistoff, die auf Acetylsalicylsäure basieren, aber auch Ibuprofen, bei einer Erkrankung mit Covid-19 nicht hilfreich sein könnten. "Ibuprofen hemmt die Blutgerinnung, das wäre ein möglicher Hinweis", erläutert der Virologe. Damit steige das Risiko für innere Blutungen.

Dennoch sei ein Zusammenhang zwischen der Einnahme von NSAR und schweren Verläufen bei Covid-19 nach seinem Wissen bislang nicht gesichert, betont Schmidt-Chanasit. "Wir wissen wenig über die Pathogenese des Virus Sars-CoV-2. Es gibt dazu bisher keine klinischen Daten."

Quelle: ntv.de, chr/dpa