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Versteckt im BakteriumNeu entdecktes Virus könnte zu Darmkrebs führen

21.02.2026, 08:49 Uhr
Bakteriophage-oder-Phagenvirus-der-ein-Bakterium-angreift-und-infiziert-3d-Illustration-Bacteriophage-or-phage-virus-attacking-and-infecting-a-bacteria-3d-illustration-Copyright-xZoonar
Bakteriophagen, die ein Bakterium angreifen und infizieren, in einer Illustration. (Foto: imago / zoonar.com / christoph burgstedt)

Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen der westlichen Welt. Rund ein Drittel der Betroffenen stirbt daran. Dennoch ist bisher nicht klar, wie es dazu kommt. Forschende stoßen auf ein bisher unbekanntes Virus, das möglicherweise ein Auslöser sein könnte.

Ein bisher unbekanntes Virus könnte eine Hauptursache für Darmkrebs sein. Das hat ein Forschungsteam der Universität Süddänemark und des Universitätsklinikums Odense herausgefunden. Das Virus, das bisher keinen Namen trägt, wurde in einem häufig vorkommenden Darmbakterium entdeckt. Es handelt sich also um einen sogenannten Bakteriophagen. Das ist ein Virus, das ein Bakterium befallen hat. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in der Fachzeitschrift "Communications Medicine" veröffentlicht.

Für die Untersuchung nahmen die Forschenden ein bestimmtes Bakterium genauer unter die Lupe. Das sogenannte Bacteroides fragilis stand bereits zuvor in dem Verdacht, bei der Entstehung von Darmkrebs eine Rolle zu spielen. Bisher wusste man jedoch nicht, in welcher Weise, denn das Bakterium ist auch bei gesunden Menschen nachweisbar.

Zunächst wurden die Daten aus einer dänischen Bevölkerungsstudie mit rund zwei Millionen Bürgern analysiert und diejenigen herausgefiltert, die eine schwere Blutvergiftung durch Bacteroides fragilis erlitten hatten. Bei einigen aus dieser Patientengruppe wurde innerhalb weniger Wochen nach der Blutvergiftung Darmkrebs diagnostiziert.

Daraufhin wurden die gefundenen Bakterien von Krebs-Erkrankten und von gesunden Personen genetisch untersucht. Es zeigte sich, dass Bakterien von Krebspatienten häufiger mit bestimmten Viren infiziert waren als von gesunden Menschen. Der Hinweis, der sich daraus ergab, wurde später mit großen internationalen Datensätzen abgeglichen. Mit Stuhlproben von 877 Personen mit und ohne Darmkrebs aus Europa, den Vereinigten Staaten und Asien wollte das Forschungsteam ihre Hypothese überprüfen. Sie stellten fest, dass bei Darmkrebs-Betroffenen die Wahrscheinlichkeit, Spuren der unbekannten Viren zu finden, doppelt so hoch war wie bei gesunden Personen.

Suche nach der Nadel im Heuhaufen

"Die Anzahl und Vielfalt der Bakterien im Darm ist enorm. Bisher war es wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Wir haben nun untersucht, ob etwas innerhalb der Bakterien - nämlich Viren - die Unterschiede erklären könnte", sagte Flemming Damgaard vom Universitätsklinikum Odense laut Mitteilung. Wenn das Virus die Eigenschaften des Bakteriums verändert, könnte es auch das Darmmilieu verändern. Das ist eine der Fragen, denen die Forschenden derzeit nachgehen.

"Die Gen-Analysen deuten darauf hin, dass dieser Bakteriophage einer völlig neuen Spezies innerhalb der Klasse der Caudoviricetes angehört", erklärt Ulrik Stenz Justesen, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. "Obwohl unsere Ergebnisse keinen Kausalzusammenhang beweisen, legen sie nahe, dass dieses mit diesem Phagen infizierte Bakterium ein hervorragender zukünftiger Biomarker für die Früherkennung von Darmkrebs sein könnte", so Justesen weiter. Sollte sich die Annahme bestätigen, dass die Kombination aus Bakterium und Bakteriophage bei der Entstehung von Darmkrebs beteiligt ist, dann eröffne das neue Perspektiven bei Behandlungs- und Präventionsansätzen gegen Darmkrebs, schließt der Oberarzt der Abteilung für Klinische Mikrobiologie.

Quelle: ntv.de, jaz

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