Wissen

Als Homininen laufen lernten Vormensch zeigt rätselhaften Gang

urn_binary_dpa_com_20090101_211130-99-196446-FILED.jpeg

Foto der in Tansania entdeckten Fußspuren (oben) und das Höhenprofil der Fundstelle. Die Forscher schätzen die Größe des Läufers auf knapp über einen Meter.

(Foto: Austin C. Hill/Catherine Miller)

Bereits vor fast 4 Millionen Jahren liefen Vorfahren des Menschen aufrecht durch die Gegend - doch womöglich teilten sich zwei verschiedene Arten diese Fähigkeit. Hinweise darauf finden Forscher in ungewöhnlichen Fußabdrücken in Afrika, die einen watschelnden Gang zeigen.

Der Gang auf zwei Beinen war möglicherweise schon vor fast 3,7 Millionen Jahren weiter verbreitet als bislang vermutet. Einer Studie zufolge gab es bereits damals im Gebiet des heutigen Tansania mindestens zwei Arten von Homininen, die aufrecht gingen - allerdings auf verschiedene Art und wohl auf sehr unterschiedlich geformten Füßen.

Die bislang ältesten Fußspuren, die bei frühen Vorläufern des Menschen eindeutig einen aufrechten Gang belegen, sind etwa 3,66 Millionen Jahre alt. Sie stammen von der Fundstelle Laetoli im Norden von Tansania und werden dem Australopithecus afarensis zugeschrieben. Zu dieser Art zählen Forscher auch das in Äthiopien entdeckte Fossil von Lucy, das etwa 3,2 Millionen Jahre alt ist.

Rätselhaft waren dagegen bislang fünf ähnlich alte Abdrücke, die in einem anderen Areal von Laetoli gefunden worden waren: Als Urheber vermuteten die damaligen Entdecker zwar ebenfalls Hominine, sie registrierten aber eine auffällige Kuriosität: Sie beschrieben den Gang als "etwas watschelnd, wobei ein Fuß vor dem anderen kreuzt" - also die Körpermitte quert und vor dem anderen Fuß aufsetzt. Zudem war die Schrittlänge kurz und die Abdrücke sind ungewöhnlich klein und breit. Daher mutmaßten manche Experten, die Spuren könnten möglicherweise von einem jungen Bären stammen.

Bären watscheln nicht

Diese Abdrücke untersuchte das internationale Team um Ellison McNutt vom Ohio University Heritage College of Medicine in Athens eingehender. Die Forscher analysierten die Spuren und verglichen sie mit denen von Amerikanischen Schwarzbären (Ursus americanus), Schimpansen (Pan troglodytes) und Menschen. Der letzte gemeinsame Vorfahre von Schimpansen und Menschen lebte vor etwa 6 bis 7 Millionen Jahren.

urn_binary_dpa_com_20090101_211130-99-197249-FILED.jpeg

Der Abdruck einer Bärentatze (rechts) sieht anders aus als die in Tansania entdeckten Spuren.

(Foto: Jeremy DeSilva/Ellison McNutt)

Bären als Urheber der Spuren hält das Team für äußerst unwahrscheinlich: Denn sie können sich zwar auf die Hinterbeine aufrichten, gehen aber so kaum mehrere Schritte hintereinander. Zudem setzen sie die Füße nicht über Kreuz auf, und diese haben eine deutlich andere Anatomie. Ferner seien an der Fundstelle zwar Zehntausende Knochen von 85 Säugetierarten gefunden worden - aber keiner davon stamme von einem Bären, schreibt das Team im Fachblatt "Nature".

Dagegen ähneln die Abdrücke eher denen von Schimpansen. Doch anatomische Details - etwa von Fersen und Zehen - sind menschenähnlicher. Möglicherweise seien die Abdrücke auch deshalb so breit, weil der Untergrund aus vulkanischer Asche damals rutschig gewesen sei, schreiben die Forscher. Auch einen jungen A. afarensis als Urheber halten sie aufgrund der Fußmorphologie für unwahrscheinlich. "Wir folgern, dass die Fußabdrücke von einem Homininen mit einem im Vergleich zu A. afarensis unterschiedlichen und vermutlich primitiveren Fuß stammen."

Nur knapp über einen Meter groß

Das Individuum sei mit kleinen Schritten gegangen, der auffällige Gang über Kreuz könne auch von einer Fehlstellung etwa von Hüfte oder Knien stammen, etwa extremen x-Beinen. Der Hominine war der Analyse zufolge vermutlich nur knapp über einen Meter groß. Die Urheber der anderen, eindeutig homininen Spuren in Laetoli maßen vermutlich teils über 1,60 Meter.

"Diese Studie liefert uns schlüssige Belege dafür, dass es in dieser Gegend verschiedene Arten von Homininen gab, die auf zwei Beinen liefen, aber auf unterschiedliche Art und auf unterschiedlichen Füßen", sagt Studienleiter Jeremy DeSilva vom Dartmouth College in Hanover im US-Bundesstaat New Hampshire.

Mehr zum Thema

Etwas zurückhaltender bewertet Stephanie Melillo vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig in einem "Nature"-Kommentar die Resultate. Zwar unterschieden sich die untersuchten Spuren deutlich von denen von A. afarensis und seien im Vergleich dazu "affenähnlicher". Dennoch sei es möglich, dass die rätselhaften Abdrücke ebenfalls von einem A. afarensis stammen, der auf untypische Art gegangen sei.

Dass zwei verschiedene Hominine in der gleichen Gegend in einer ähnlichen Epoche ihre Spuren hinterlassen, komme extrem selten vor, schreibt Melillo: "Das würde zeigen, dass Arten so koexistierten, dass sie um ökologische Ressourcen konkurrierten. Dies würde einen neuen Blick auf die evolutionären Kräfte bieten, die in den Frühphasen der menschlichen Evolution am Werk waren."

Quelle: ntv.de, Walter Willems, dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen