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Seltene Besucher im DoppelpackWale vor den Küsten Flensburgs und Hollands gesichtet

20.01.2026, 15:19 Uhr
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Schweinswale sind in der Flensburger Förde häufiger zu sehen. Dieses Mal ist es allerdings ein Finnwal. (Foto: picture alliance/dpa)

Strandspaziergänger in der Flensburger Förde und an der nordholländischen Küste können derzeit eine rare Beobachtung machen. In der Ostsee vor Schleswig-Holstein ist ein Finnwal unterwegs. Noch seltener ist der Besucher vor Holland: Hierher hat sich ein Belugawal verirrt.

Normalerweise kann man beim "Whalewatching" in der Flensburger Förde nur Schweinswale beobachten. Seit Anfang des Jahres lockt hier allerdings ein weitaus größerer Wal auch bei niedrigen Temperaturen Neugierige auf die Spazierwege, Molen und Uferpromenaden in und um Flensburg. Der Meeressäuger wird immer wieder zwischen dem Flensburger Hafen und dem dänischen Kollund gesichtet.

Es sei auf jeden Fall ein Finnwal, sagte Judith Denkinger vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund. Sie habe am 7. Januar eine erste Meldung über eine Walsichtung bei Flensburg erhalten. Dass es sich dabei um dasselbe Tier handelt, sei an einer charakteristischen Kerbe an der Rückenfinne zu erkennen. An diesem Morgen konnte er erneut vor Flensburg-Fahrensodde beobachtet werden. Am besten ist das Tier zu sehen, wenn keine Wellen auf dem Wasser sind.

Dagmar Struß, die ehemalige Leiterin der Nabu-Landesstelle Ostseeschutz, freute sich über den seltenen Besuch. "Wir haben das große Glück, dass wir mal einen Finnwal sehen können in der Flensburger Förde", sagte sie. Eigentlich sind ihr zufolge in der Ostsee nur die kleinen Schweinswale zu Hause. Es kommen aber auch immer wieder große Wale wie Buckel- und Finnwale in das Gewässer. Sie folgen in der Regel Heringsschwärmen, wie Struß sagte. "Sie kommen also nicht aus Versehen, sondern schwimmen der Nahrung hinterher."

Letzter Beluga in der Gegend kam 1984 vorbei

Auch vor der nordholländischen Küste können die Menschen derzeit einen seltenen Besucher sehen. In diesem Fall handelt es sich um einen weißen Belugawal. Zuletzt sei das Tier auf der Höhe des Küstendorfes Callantsoog fotografiert worden, teilte das Informations- und Auffangzentrum SOS Dolfijn mit. Das Tier sei offenbar in guter Verfassung. Belugawale leben üblicherweise in kalten Küstengewässern, Flussmündungen und Buchten rund um Alaska, Kanada, Grönland und Russland.

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Weißer Belugawal (Delphinapterus leucas) in der Nordsee vor der nordholländischen Küste: Normalerweise sind Belugawale weiter südlich als im Norden Norwegens nicht unterwegs. (Foto: picture alliance/dpa/Stiftung SOS-Dolfijn)

Am Wochenende hatten Mitarbeiter der Küstenwache den Wal zuerst gesichtet. Mitarbeiter von SOS Dolfijn beurteilen das Verhalten des Belugas als nicht auffällig. Er sei auch nicht abgemagert. An einer Flanke sei eine Narbe zu erkennen, die aber nicht besorgniserregend sei.

Zuletzt war 1984 so ein Meeressäuger in niederländischen Gewässern beobachtet worden. Das war vor der Küste von Zeeland, der Provinz im Südwesten des Landes. Zu einer wahren Berühmtheit wurde ein Beluga, der vor 60 Jahren von vielen Menschen in Deutschland gesehen wurde. Das Tier schwamm nach Angaben von SOS Dolfijn den Rhein hinauf bis nach Bonn und bekam den Namen Moby Dick. Der verirrte Wal schaffte es schließlich aus eigener Kraft zurück ins offene Meer.

Mit seiner dicken Speckschicht ist der Beluga äußerst widerstandsfähig gegen die bittere Kälte in seinem eigentlichen Lebensraum, den arktischen und subarktischen Gewässern rund um den Polarkreis. Südlicher als im Norden Norwegens sind die Tiere normalerweise nicht zu sehen. Warum dieser Beluga nun die Nordsee ansteuerte, ist ein Rätsel.

Belugas sind weiß und haben einen kräftigen Körper mit einem kleinen, abgerundeten Kopf und einer kurzen Schnauze. Die Tiere können bis zu sieben Meter lang und 30 bis 40 Jahre alt werden.

Quelle: ntv.de, jog/dpa

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