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"Launch America" Warum der SpaceX-Start so wichtig ist

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US-Präsident Trump will persönlich zum Start kommen.

(Foto: REUTERS)

Erstmals starten wieder US-Astronauten von den USA aus zur Internationalen Raumstation ISS. Allerdings ist fast nichts mehr so wie beim letzten Start vor neun Jahren. Mit dem Ereignis in Cape Canaveral könnte ein neues Kapitel in der US-Raumfahrt beginnen.

Warum ist dieser Raketenstart so besonders?

Seit neun Jahren ist keine bemannte Rakete mehr von den USA aus gestartet. Zuletzt flogen im Sommer 2011 Astronauten mit der Raumfähre "Atlantis" zur ISS. Flüge zur ISS konnte seitdem nur Russland anbieten, das kostete bis zu 80 Millionen Euro pro Flug in einer russischen Sojus-Kapsel. Außerdem war es für die USA demütigend, bei der Raumfahrttechnologie auf die Russen angewiesen zu sein. Seit 2017 wurden US-Starts immer wieder angekündigt und immer wieder verschoben. Das lag an technischen Schwierigkeiten, Finanzierungsproblemen und Umstrukturierungen bei der Nasa nach der Wahl von US-Präsident Donald Trump. Mit diesem Start gehen die Vereinigten Staaten nun den Schritt in die bemannte kommerzielle Weltraumfahrt.

Warum wird jetzt auf kommerzielle Lösungen gesetzt?

Die Space-Shuttle-Flotte war zu teuer geworden. Deshalb setzte die Nasa 2010 das Commercial Crew Program auf, durch das Unternehmen bei der Entwicklung privater Raketen und Raumfahrzeuge finanziell unterstützt wurden. Zu diesen Unternehmen gehören das private Raumfahrtunternehmen SpaceX des Tesla-Gründers Elon Musk, aber auch Boeing. Der Boeing "Starliner" ist allerdings noch nicht so weit. Im Dezember hatte die Raumkapsel bei einem unbemannten Testflug die Umlaufbahn verfehlt und konnte nicht an der ISS andocken. Der Start der "Crew Dragon" ist jetzt der letzte Flugtest nach mehreren erfolgreich absolvierten unbemannten Testphasen. Die Nasa hält trotzdem an beiden Firmen fest, um sich nicht von einem Anbieter abhängig zu machen.

Was ist genau geplant?

Am heutigen Mittwoch um 22.32 Uhr (MESZ) sollen die US-Raumfahrer Robert Behnken und Douglas Hurley mit einer "Falcon 9"-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral aus in einer "Crew Dragon"-Raumkapsel zur Internationalen Raumstation starten. Am Donnerstag um 17.39 Uhr soll die Raumkapsel dann automatisch an die ISS andocken. Dort sollen die Astronauten etwa einen Monat bleiben. Falls es beim Start Probleme geben sollte, sind Ersatztermine am 30. und 31. Mai geplant.

Wer sind die beiden Astronauten?

Kommandant Robert Behnken hat auf zwei Space-Shuttle-Missionen bereits mehr als 700 Stunden im All verbracht. Der frühere Testpilot bei der US Air Force hat einen Bachelor-Abschluss in Physik und Maschinenbau von der Washington University und einen Master-Abschluss und einen Doktortitel in Maschinenbau vom California Institute of Technology. Douglas Hurley begann seine Karriere als Kampf- und Testpilot im US Marine Corps. Auch er war bereits zweimal im All. Er hat einen Bachelor of Science in Bauingenieurwesen von der Tulane University in Louisiana und einen Abschluss von der US Naval Test Pilot School in Maryland. Beide traten im Jahr 2000 ins Astronautenprogramm der Nasa ein. Behnken kümmert sich um die An- und Abdockmanöver an der ISS, Hurley um Start und Landung.

Inwieweit hat der Start politische Bedeutung?

US-Vizepräsident Mike Pence bezeichnete den Start als Beginn einer "neuen Ära von amerikanischer Führungsstärke im All". Wegen der Coronavirus-Pandemie ist der Zugang zu dem Gelände des Weltraumbahnhofs im US-Bundesstaat Florida stark eingeschränkt. US-Präsident Donald Trump hat trotzdem seine Teilnahme vor Ort angekündigt. Bei der Nasa läuft die begleitende Kampagne unter dem Titel "Launch America".

Kann man den Start mitverfolgen?

Ja, die Nasa wird den Start per Livestream übertragen und auch ntv und ntv.de zeigen den Start live.

Wie riskant ist das Unternehmen?

Dass bei Raketenstarts immer etwas schiefgehen kann, haben Misserfolge und Rückschläge wie beispielsweise die Challenger-Katastrophe im Januar 1986 gezeigt, bei der sieben Menschen starben. Im Oktober 2018 war auch ein Sojus-Start zur ISS misslungen. Die beiden Besatzungsmitglieder mussten in Kasachstan notlanden. Der Chef der Europäischen Raumfahrtagentur Esa, Jan Wörner, wies im Deutschlandfunk darauf hin, dass es eben um Menschenleben gehe. Man dürfe nicht vergessen, dass Raketenstarts letztlich kontrollierte Explosionen seien.

Wie geht es nach diesem Start weiter?

Wenn alles nach Plan verläuft, soll es noch in diesem Jahr einen weiteren Start eines "Crew Dragon" geben, der dann vier Astronauten zur ISS bringen soll.

Wie sieht Russland die aktuelle Entwicklung?

Russland will den aktuellen Flug genau beobachten. "Wir haben großes Interesse an der technischen Komponente, weil wir daran arbeiten, unsere Raumschiffe zu verbessern", sagte der Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin. Sollte die Mission klappen, werde man beim Transport künftiger Besatzungen die Verantwortung mit den Amerikanern teilen. Natürlich habe Roskosmos mit den Transportflügen von US-Raumfahrern Geld verdient. Doch die Verantwortung dafür sei enorm gewesen, so Rogosin. "Das hat die für die Sicherheit zuständigen Mitarbeiter extrem viel Nerven und Gesundheit gekostet. Es kann nicht mit Geld berechnet werden." Er könne sich gut vorstellen, wie sich die Amerikaner in den vergangenen neun Jahren damit gefühlt haben müssen, nicht selbst fliegen zu können, sagte Rogosin. "Das ist eine Frage der Ehre und des Nationalstolzes. Wir wünschen ihnen deshalb viel Erfolg."

Quelle: ntv.de, mit dpa